Lehman Brothers: Tränen und Kistenpacken - Finanzplatz London im Schock

Lehman Brothers: Tränen und Kistenpacken - Finanzplatz London im Schock

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Wie in New York (Bild) stopften einige Lehman-Mitarbeiter auch in London ihre Sachen in einen Karton und verließen nach Bekanntgabe der Bankenpleite ihren Arbeitsplatz

Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers löste auch am Finanzplatz London ein gewaltiges Beben aus. Bilder von Mitarbeitern, die sich weinend in den Armen lagen, von Menschen, die eilig ihre Sachen in Kartons stopften und ihre Schreibtische räumten, beherrschen die Medien heute.

Selbst die Boulevardpresse, die sich mit Wirtschaftsberichterstattung sonst vornehm zurückhält, titelt mit der trostlosen Lage im Ostlondoner Bankenviertel Canary Wharf. Eine Stadt, die so sehr vom Geld lebt, ist in Schockstarre. Einzig die Pubs profitierten vom „Schwarzen Montag“, nachdem viele Banker ihren Frust im Alkohol ertränkten. Es wird befürchtet, dass alle bis zu 5000 Mitarbeiter von Lehman Brothers in Großbritannien nun ihre Sachen packen müssen. Das wäre wohl die größte Entlassung auf einen Schlag seit dem Zusammenbruch des Autobauers Rover im Jahr 2005.

Trauer und Sarkasmus prägten das Bild am wichtigsten Finanzplatz Europas. „Ein Witz machte letzte Woche die Runde, dass Lehman-Mitarbeiter nur noch fünf Pfund auf ihre Essenskarte luden, damit sie kein Geld verlieren. Es war ein Witz, der nun Realität wurde“, erzählte Edouard d'Archimbaud, der am Montag eigentlich bei Lehman seinen Job beginnen sollte. „Bevor ich überhaupt an meinem Schreibtisch ankam, wurde mir schon gesagt, alle sind gefeuert.“

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Die erfolgsverwöhnten Banker müssen nun auf ihr Erspartes zurückgreifen, denn niemand weiß, ob Lehman noch fähig ist, die Gehälter zu begleichen. Die anstehende nächste Gehaltszahlung von umgerechnet 53 Millionen Euro könne wohl nicht komplett ausgezahlt werden, sagte Tony Lomas von der Lehman-Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers.

Die Kassen der britischen Töchter seien leer, weil die Mittel täglich an die Zentrale nach New York überwiesen worden seien. „Frauen weinten, Männer umarmten sich“, sagte Sphinx Patterson, ein Fitnesstrainer, der bis Montag Lehman-Mitarbeiter trainierte. Auch er hat jetzt nichts mehr zu tun. „Die Leute haben sich einfach nur mit Rotwein und Bier besoffen“, erzählte er. Neben den Pubs hatten Headhunter alle Hände voll zu tun.

So auch Michael Barrington-Hibbert, von der Personal-Agentur Odgers Search. Er habe 200 Visitenkarten ausgegeben, nachdem hoch qualifizierte Lehman-Mitarbeiter bereits ihre Lebensläufe in einem Pub verteilt hatten, sagte er. Für Großbritannien hätte die Lehman-Pleite zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Eine Rezession droht, die einst so florierende Wirtschaft liegt darnieder. Die Labour-Regierung steht wegen der Kreditkrise sowieso schon verstärkt unter Druck. Denn neben Lehman lassen Entlassungsrunden bei anderen Banken wie der Royal Bank of Scotland oder auch bei Barclays und Dresdner Kleinwort Mitarbeiter um ihre Jobs zittern.

Bankenpleite ist im Vereinigten Königreich kein Fremdwort mehr, seitdem die Hypothekenbank Northern Rock vom Staat gerettet werden musste. An den prallen Geldbeuteln der Banker hängen in London unzählige andere Geschäfte. Die Schockwellen waren so zum Beispiel auch viele Kilometer weiter westlich im schicken Wohnviertel Kensington zu spüren. Eine professionelle Hunde-Ausführerin erzählte, eine Kundin, die bei Lehman arbeitete, habe ihren Pudel jetzt aus ihrer Obhut genommen, um das Geld zu sparen.

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