Ratingagenturen: Heimliche Herrscher der Wall Street

Ratingagenturen: Heimliche Herrscher der Wall Street

In der Szene werden sie nur kurz die „The Big Three“ genannt. Schätzungsweise 92 Prozent der weltweiten Einnahmen aus Ratings vereinen sie auf sich: Moody`s, Standard & Poor`s und Fitch. Wie sie entstanden , warum sie so mächtig sind und was ihre größten Irrtümer waren.

Wie sind sie entstanden?

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Schuldenkrise

Die Geschichte der Ratingagenturen begann 1909, als das Schienennetz der USA ausgebaut wurde. Die Eisenbahngesellschaften brauchten Geld. Sehr viel Geld. Doch die Investoren misstrauten den Firmen, von denen sie nichts wussten. Zu groß war die Angst der Anleger, das geliehene Geld nicht zurückzubekommen. Der Finanzanalyst John Moody erkannte das Problem- und machte ein Geschäft daraus. Er sammelte Informationen über die Eisenbahngesellschaften, ihre Aktien und Management und bewertete anhanddessen ihre Kreditwürdigkeit. Moody war der Erste, aber schon bald stieg Standard Statistics (heute S&P) in das Geschäft ein,  Fitch folgte mehr als zehn Jahre später. Die drei beherrschen mittlerweile 95 Prozent des weltweiten Geschäfts mit Ratings. 

Warum sind sie so mächtig?

Ihre Alleinstellung verdanken sie zu großen Teilen der amerikanischen Finanzmarktregulierung. In den dreißiger Jahren schrieb die Börsenaufsicht SEC den Banken vor, ausschließlich Wertpapiere zu halten, die Rating-Agenturen mit Bestnoten versahen. Spätestens ab 1975 kam dann keine Firma, Gemeinde oder  Staat an den großen Drei vorbei: Die SEC ernannte sie zu "national anerkannten statistischen Rating-Organisationen". Ab da waren fast nur noch solche Wertpapiere für Investoren interessant, die eine Note von S&P, Moody's oder Fitch hatten. Bald gab es Vorschriften, dass auch Fonds nur noch mindestens mit der Note A bewertete Papiere kaufen dürfen. So wurden Ratings in den siebziger Jahren zu einer Art Gütesiegel.

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In Europa erlangten Ratingagenturen erst durch Basel II maßgebliche Bedeutung. Darin wurde festgelegt, die Eigenkapitalanforderungen im Kreditgeschäft der Banken am Rating zu orientieren: Institute mit gut benoteten Papieren müssen deutlich weniger Geld hinterlegen.

Wer bezahlt sie?

Zuerst bezahlten die Anleger für die Bewertung der Emittenten: die Agenturen berechneten dem Käufern einer Anleihe eine Gebühr. Erst später änderten die Agenturen ihr Bezahlmodell: Sie ließen sie sich fortan vom Emittenten entlohnen. Krikiker behaupten, dass da mehr Geld zu machen war. Ein weiterer Grund war aber auch, dass durch das Aufkommen der Fotokopierer heimlich ihre Einschätzung weiterverbreitet wurde. Die Informationen waren damit öffentlich zugänglich und die Agenturen verloren Kunden.

Was waren ihre größten Irrtümer?

Die Geschichte der Kredit-Rating-Agenturen ist eine Geschichte des kolossalen Versagens", sagte der demokratische Kongressabgeordnete Henry Waxman - und tatsächlich lagen die Agenturen nicht erst seit der Subprime-Krise oft daneben: 1983 etwa hatte sich der US-Energieversorger Washington Public Power Supply System beim Bau von fünf Atomkraftwerken heftig verhoben. S&P bewerte der Firma dennoch mit AAA. Die Agenturen verschliefen auch die Milliardenpleiten von Enron, WorldCom und Parmalat – sie vergaben bis zuletzt gute Noten.

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