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Moderne Büros: Wohlfühlen ist wichtiger als die Wandfarbe

von Tina Groll Quelle: Zeit Online

Offene Großraumbüros oder Einzelbüro? Oft wird die Gestaltung der Arbeitsräume zur Glaubensfrage. Dabei ist das Betriebsklima weit wichtiger als das Design.

Indien

Dieser Schreibtisch könnte in einem Kinderzimmer stehen - wäre da nicht dieses Bürotelefon. Aber das Bild zeigt einen Schreibtisch in einem indischen Designstudio. Hier verrichtet ein Mann seine tägliche Arbeit.

Bild: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle

In vielen Unternehmen werden feste Arbeitsplätze und Einzelbüros abgeschafft. Stattdessen erlebt das Großraumbüro eine Renaissance. Offene Strukturen statt abgeschottete Einzelbüros sollen Büroarbeiter zahlreichen Studien zufolge produktiver und kreativer machen. Gemeint sind allerdings nicht Arbeitsräume, die Legehennenbatterien ähneln, sondern offene Officelandschaften, die Arbeitsplätze zur Zusammenarbeit bieten, aber auch Rückzugsräume, Platz für Besprechungen und Konferenzen.

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Die Konzepte sind unterschiedlich, dominierend sind allerdings zwei Schulen: Die eine setzt auf Reduktion, Sauberkeit und Transparenz. Der Mensch an seinem Arbeitsplatz soll von nichts abgelenkt werden. Clean-Desk-Policy wird es genannt, wenn Firmen private Dinge vom Schreibtisch verbannen.

Individuell oder Sauber

Die Idee kommt aus dem Lean Management, das aus der Automobilindustrie stammt. Beim Lean Management geht es darum, alle Aktivitäten optimal aufeinander abzustimmen und alles Überflüssige zu eliminieren. Darauf setzt beispielsweise die Boston Consulting Group an ihrem Standort in München, deren Berater ohnehin einen Großteil ihrer Zeit unterwegs sind. Wer einen Bürotag hat, bucht sich den Arbeitsplatz im Voraus – und nutzt dann den Schreibtisch, der gerade frei ist. Auch der Chef räumt abends seinen Schreibtisch leer. Auf diese Weise sparen Unternehmen natürlich Platz und Geld.

Zumindest in Asien und Südamerika gilt: Je höher einer in der Hierarchie geklettert ist, desto mehr steht auf einem Schreibtisch. Quelle: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle
Zumindest in Asien und Südamerika gilt: Je höher einer in der Hierarchie geklettert ist, desto mehr steht auf einem Schreibtisch. Quelle: Uta Brandes & Michael Erlhoff: My desk is my Castle

Die zweite Schule setzt zwar ebenfalls auf die offene Bürolandschaft, doch kann es dort gar nicht bunt und individuell genug sein. Bei Google beispielsweise haben die Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz und können ihn gestalten, wie sie möchten. Gerne dürfen sie ihn mit privaten Fotos, komischen Kaffeetassen oder sonstigem Nippes zurümpeln. Kein Arbeitsraum in den Niederlassungen des Internetunternehmens gleicht dem anderen; Büros, Konferenzräume und Telefonzimmer sehen aus wie Themenparks. Ein Raum mit mehreren Arbeitsplätzen ist wie ein Ruderboot gestaltet, ein anderer wie ein Golfplatz. Natürlich dürfen auch Minigolfanlage, Tischtennisplatte oder Playstation nicht fehlen.

Chaos hilft beim Denken

Die schlanke Clean-Desk-Policy hat nämlich so ihre Tücken, zeigt eine Studie der Universität Groningen. Die Forscher stellten fest, dass Menschen in chaotischen Umgebungen klarer dachten. Sie ließen Probanden unter anderem an einem überhäuften Schreibtisch arbeiten. Trotz des zugestellten Arbeitsplatzes kamen die Testpersonen zu kreativen und effizienteren Problemlösungen. Die Forscher schlossen daraus, dass Durcheinander den Menschen dazu zwingt, besser zu fokussieren und genauer zu denken.

Manche Unternehmen setzen deshalb auf völlige Individualität am Arbeitsplatz, so zum Beispiel die Zeitung taz in Berlin, in deren Redaktionsräumen kein Büro dem anderen gleicht. Wichtig ist nur: Jeder darf sein, wie er ist. Auch der Arbeitsraum darf so eingerichtet und zugestellt werden, wie es der Nutzer braucht. Hauptsache, die Mitarbeiter können nachdenken und ihre Arbeit tun.

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