Überleben im Büro: Vorsicht bei Klatsch und Tratsch

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GastbeitragÜberleben im Büro: Vorsicht bei Klatsch und Tratsch

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Klatsch findet man in fast jeden Büro.

"Die Hölle, das sind die anderen." Für diese Erkenntnis genügt der Gang ins Büro. "Unter Kollegen - 44 Überlebensstrategien fürs Büro" gibt einen Einblick in den täglichen Wahnsinn. Klatschen kann es schlimmer machen.

Zum Entsetzen der US-Schickeria veröffentlichte das Magazin "Esquire" 1975 den ersten Teil von Truman Capotes Schlüsselroman "Erhörte Gebete", ein Tsunami aus übler Nachrede und schamlosen Enthüllungen. Eingebettet in literarische Genusswellen entdeckten sich die Schwestern Jackie O. und Lee Radziwill als "westliche Geisha-Flittchen" und die triebhaften Kennedy-Brüder als "Hunde, die an jeden Feuerhydranten pinkeln müssen". Für André Gide tat es ein "verkalktes Dreckschwein", und Sartre und Beauvoir wirkten auf Capote "wie weggeworfene Puppen eines Bauchredners". Für einen kurzen Moment war Klatsch nicht nur salonfähig, sondern zu einer literarischen Kategorie erhoben.

Allerdings stieß Capote bei seinen Jetset-Freunden auf wenig Gegenliebe. Die Agnellis, Hiltons und Huttons setzten ihn einfach vor die Tür. Wenige Jahre später starb er – vereinsamt, verbittert, verkannt. Dabei hatte er doch nichts als die Wahrheit geschrieben, dabei Ross und Reiter benannt und ab und an eben leicht übertrieben.

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Cover Unter Kollegen Quelle: Presse

Der hier vorgestellte Gastbeitrag stammt aus dem Buch "Unter Kollegen. 44 Überlebensstrategien fürs Büro" von Wolf Reiser , 223 Seiten, Beltz 2015, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-407-36601-6

Bild: Presse

Verabschieden wir uns von Capote und wenden wir uns der Arbeitswelt zu. Dort ist Klatsch allgegenwärtig – als lockeres Lästern, belangloses Gewäsch, gezielte Indiskretion, persönlicher Angriff, unterhaltsamer Gesprächsstoff oder – im schlimmsten Fall – als tödlicher Gerüchtefeldzug und formidabler Shitstorm. Klatsch funktioniert zum einen wie sozialer Kitt und zum andern wie ein Damoklesschwert. Selten nur klatscht man über einen Kollegen, der kerngesund, glücklich und erfolgreich ist – mit Familie, Hund, Mercedes und einem Häuschen irgendwo da draußen.

Zur Person

  • Wolf Reiser

    Wolf Reiser hat Germanistik, Theater- und Literaturwissenschaften in Berlin und München studiert. Er arbeitet als freier Journalist für Zeitschriften und überregionale Zeitungen. Zudem schreibt er Reisebücher, Short Stories und Filmskripte.

Klatsch entsteht dort, wo ein Kollege eine Angriffsfläche bietet, von der Norm abweicht, einen Fehler begeht, herzerfrischend stolpert und dank spezieller Macken unsere Fantasie in Bewegung versetzt. Etymologisch betrachtet kommt das Klatschen aus dem Mittelalter, als die Waschweiber am Fluss die nasse Wäsche auf Steine klatschten und sich dabei über ihre Ehemänner lustig machten. Fakt ist, dass jedermann klatscht, und das Reden über Abwesende nimmt etwa 20 Prozent unserer täglichen Gespräche in Anspruch.

Wie Sie mit Klatsch umgehen

  • Sich in Zurückhaltung üben

    Speziell für Neue im Team gilt: sich zurückhalten, sich sein eigenes Urteil bilden und den Flurfunkern zunächst aus dem Weg gehen.

    Quelle: "Unter Kollegen. 44 Überlebensstrategien fürs Büro" von Wolf Reiser , 223 Seiten, Beltz 2015, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-407-36601-6

  • Loyal und diskret sein

    Nutzen Sie Ihre demonstrative Loyalität und Diskretion als Pluspunkt für Ihre Karriere.

  • Über Affären schweigen

    Klatsch über pikante Büroaffären ist tabu.

  • Klatsch nutzen

    Nutzen Sie den Klatsch, um Interna, Eigenheiten und verborgene Strukturen Ihrer Firma kennenzulernen.

  • Harmonie stärken

    Je harmonischer eine Gruppe zusammenarbeitet, desto weniger bösen Klatsch gibt es dort. Tragen Sie stets zu einem solchen Klima bei.

  • Lästermäuler meiden

    Hände weg von zwanghaften Lästermäulern! Man kann sicher sein, dass man selbst als Nächster dran ist.

  • Nicht isolieren

    Isolation und Abgrenzung sind die falschen Mittel, um sich aus der Tratscherei herauszuhalten. Entdecken Sie die positiven und konstruktiven Elemente des Klatsches.

  • Firmengeheimnisse wahren

    Die Weitergabe von Gerüchten über die Führungsetage rechtfertigt noch keinen Rausschmiss. Absolut tabu sind aber – selbst nach einem Jobwechsel – Firmengeheimnisse wie Umsatz, Marktstrategien, Kundenlisten, Forschungsprojekte, Auftragslage und Bilanzen.

  • Souverän und gelassen bleiben

    Seien Sie als Chef zumutbaren Gerüchten gegenüber souverän und gelassen. Die Alternative wäre ein Arbeitsklima des eisigen Schweigens.

Der Philosoph Ernst Bloch hat den etwas verborgenen positiven Kern des Phänomens so beschrieben: "Klatsch ist eine schiefe Art, unzufrieden zu sein. Er kriecht die Treppen auf und ab und hält die Menschen zusammen, indem er sie trennt." Genau darum geht es: Klatsch kann bösartig und vernichtend sein. Kann, muss aber nicht.

Denn Klatsch bedeutet auch, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Wer in den Klatsch eingeweiht ist, weiß, dass man ihm den Umgang mit einem Geheimnis oder sensiblen Informationen zutraut. Klatsch ist somit eine Art Barometer der eigenen Stellung und Reputation.

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Klatsch involviert und integriert. Oder grenzt aus. Wenn man nicht einbezogen wird, sollte man sich ernsthaft Gedanken über seine Position machen. Darüber hinaus ist Klatsch eine spielerische Art des Dampfablassens, etwa angesichts eines tumben Vorgesetzten oder eines nervenden Ellbogen-Karrieristen.

Klatsch ist somit ein Medium der risikofreien Gegenwehr und der seelenhygienischen Koalition unter gleich empfindenden Kollegen. Und während man jemanden mit Klatsch mehr oder weniger sanft demontiert, lassen sich die zu Unrecht degradierten
oder unter Wert gehandelten Kollegen aufrichten und neu definieren. Ob Klatsch gut- oder bösartig ist, verantworten wir selbst.

Der Umgang mit vertraulichen Informationen und Geheimnissen verlangt Umsicht, Menschenkenntnis, Kompetenz und Souveränität. Wer die hohe Kunst dieser komplizierten Kommunikation beherrscht, wird üble Nachreden vermeiden, schmutzige Kampagnen abbremsen und – im Unterschied zu Capote – stets die ungeschriebenen Gesetze des Klatsches befolgen: Wir alle lieben den Verrat, aber keiner liebt den Verräter. Wir alle lieben den Klatsch, aber wir verachten die Klatschbasen.

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