Berufe der Zukunft: Für digitale Bildung fehlt das Geld

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Berufe der Zukunft: Für digitale Bildung fehlt das Geld

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von Kerstin Dämon

Die Debatte um die Digitalisierung dreht sich um Akademiker. Dabei tut sich das meiste in Industrie und Handwerk. Auch Bäckerlehrlinge brauchen technisches Verständnis. Doch um das zu vermitteln, fehlt Geld.

Auf der Bildungsmesse didacta in Köln zeigt der Stuckateur David Reingen Kindern und Lehrern, wie er arbeitet. Die Kinder können Formen abgießen und die blumigen Gebilde aus Mörtel, die man aus Altbauwohnungen kennt, anschließend mitnehmen. Auch der Maurer Sebastian Wichern zeigt mit Klinker und Mörtel, was er so kann.

Stuckateure? Maurer? Auf einer Bildungsmesse? Das scheint erstmal widersprüchlich, geht es doch in so gut wie jeder Bildungsdiskussion um Akademisierung als Vorbereitung auf die Berufswelt von Morgen. Und die ist laut Mehrheitsmeinung voller Mathematiker, Physiker, Programmierer und Ingenieure – aber sicher nicht voller Stuckateure.

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Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sieht das anders. „Die Jobs werden ja nicht einfach verschwinden“, sagt der Leiter des Center for Learning Technology. Was man bei der ganzen Debatte um die Digitalisierung immer vergesse, sei, dass sie aus der Industrie komme, so Igel. Er befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema.

Diese Tech-Jobs werden im Jahr 2020 gesucht

  • Business Analyst

    Der Business Analyst baut Brücken zwischen den Fachbereichen eines Unternehmens und dessen IT. Dazu untersucht er Geschäftsprozesse und Anforderungen der Fachbereiche und kommuniziert sie der IT-Abteilung, um die Umsetzung so reibungslos wie möglich zu gestalten. Dabei muss der Business Analyst über sehr gute kommunikative Fähigkeiten verfügen, da er sowohl die Perspektive des Unternehmens als auch die der Kunden verstehen und einbeziehen muss.

  • Cloud-Architekt

    Cloud-Computing wird für IT-Unternehmen immer wichtiger. Daher steigt auch der Bedarf an Fachkräften die eine effektive Integration der Cloud fördern. Cloud-Architekten sind in der Lage sowohl die Unternehmensseite zu berücksichtigen, als auch die technischen Herausforderungen zu meistern.

  • Data Architect

    Das Berufsfeld der Datenarchitekten gehört der IT-Architektur an. Der Data Architect identifiziert und beschreibt in Geschäftsprozessen zugehörige Daten und ihre Beziehungen. Zu den alltäglichen Aufgaben gehören Datenanalysen, Datenmodellierung, Datenintegration oder die Optimierung von Datenbanken. Der Bedarf an Datenarchitekten nimmt stetig zu.

  • Data Artist / Data Visualizer

    Data Artists sind die Künstler in der Tech-Welt. Sie gestalten visuelle Hilfsmittel wie Graphen, Charts und Infografiken um komplexe Daten und Auswertungen für die anderen Unternehmensbereiche und Kunden verständlich zu machen. Erfolgreiche Data Artists vereinen Kenntnisse aus der Wissenschaft, Mathematik und Datenverarbeitung mit kreativen Fähigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit Gestaltungsprogrammen.

  • Data Scientist

    Mit den wachsenden Mengen an Daten steigt auch der Bedarf diese zu strukturieren. Damit befasst sich das Berufsfeld der Data Scientists, in Deutschland bekannt als Datenanalytsen. Mit Hilfe von Algorithmen extrahieren sie die für das Unternehmen nützlichen und verwertbaren Informationen aus den Datenmassen. In den USA ist die Ausbildung zum Data Scientist bereits sehr beliebt, in Deutschland steht sie noch relativ am Anfang. Datenanaylsten fühlen sich in der Mathematik und Statistik wohl. Sie arbeiten mit Datenbanken, Netzwerktechniken und Programmierungen.

  • Datenbankadministrator

    Der Datenbankadministrator befassen sich mit den Datenbanksystemen eines Unternehmens. Dabei gilt es zum einem die Informationssysteme zu installieren, konfigurieren, betreiben, überwachen und pflegen. Zum anderen betreibt der Datenbankadministrator das sogenannte Changemanagement.

  • Information Broker

    Auch der Information Broker, zu Deutsch Informationsvermittler befasst sich mit den entstehenden Datenmassen im Netz. Sein Berufsfeld ist aus der Verfügbarkeit von Online-Datenbanken entstanden. Für den Information Broker gibt es zwei mögliche Einsatzgebiete: zum einen kann er gegen ein Honorar die Recherche von Informationen übernehmen um Datenbanken zu "füttern", zum anderen kann er als Inhouse-Experte in einem Unternehmen tätig sein und die betrieblichen Datenbestände aufstocken. Ein professioneller Information Broker benötigt fundiertes fachliches und methodisches Wissen.

  • IT-Architekt

    Hinter dem IT-Architekten verbirgt sich ein Informatiker mit speziellem Wissen. Er erarbeitet Planungs- und Orientierungsrahmen, anhand derer sich IT-Projekte erfolgreich realisieren lassen. Besonders wichtig ist der ständige Abgleich zwischen der Ist- und der Soll-Architektur eines Unternehmens.

  • IT-Auditor

    Der IT-Auditor analysiert und bewertet IT-gestützte Geschäftsprozesse hinsichtlich ihrer Effizienz und Qualität, möglicher Risiken sowie der Einhaltung interner und externer Vorgaben. Er nutzt in seiner Arbeit Reports, um sicherzustellen, dass die Prüfungsziele effizient erreicht werden. Gleichzeitig beurteilt er die Risiken und Kontrollen des internen Kontrollsystems.

  • IT-Berater

    Das Berufsfeld des IT-Beraters ist weit gestreut. Im Allgemeinen beratet er Unternehmen im Bereich der Informationstechnik. Dies ist in der IT-Branche, in unterschiedlichen Wirtschaftsunternehmen oder in der öffentlichen Verwaltung, sowie bei Verbänden und Organisation möglich. Der IT-Berater benötigt Kenntnisse aus den Bereichen Informatik, Softwaretechnik und Betriebswirtschaft.

  • Netzwerkadministrator

    Größere Betriebe verfügen über Computeranlagen, mit denen Daten innerhalb des Unternehmens ausgetauscht werden können. Für deren Funktionsfähigkeit ist der Netzwerkadministrator zuständig. Er konfiguriert, betreibt, überwacht und pflegt Datennetze für Computer sowie integrierte Telekommunikationsnetze für Telefonie, Videokonferenzen oder Funknetze.

  • Requirements Engineer

    Der Requirements Engineer bewegt sich ähnlich wie der Business Analyst im Anforderungsmanagement. Sein Ziel ist es ein gemeinsames Verständnis zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber hinsichtlich des zu entwickelnden Systems zu erreichen.

  • SAP-Berater

    Der SAP-Berater ermittelt die Anforderungen von Unternehmen an die betriebswirtschaftliche Software SAP und führt diese in Unternehmen ein. In einem weiteren Schritt bildet er die Angestellten in der Nutzung der Software aus. Dazu ist der Berater nicht bei SAP angestellt. Er arbeitet direkt beim Anwenderunternehmen, bei einem IT-Dienstleister, bei Unternehmen für Softwareentwicklung oder auf selbstständiger Basis.

  • Security-Spezialist

    Der Sicherheitsspezialist versucht Datenlecks zu vermeiden und eine Strategie zur IT-Sicherheit zu entwickeln. Security-Spezialisten werden in jedem Unternehmen benötigt, welches eine komplexe IT-Infrastruktur hat.

  • Service Level Manager

    das Service-Level-Management, zu Deutsch Dienstgütemanagement befasst sich mit der Definition, Überwachung und Optimierung von Dienstleistungen in der IT-Branche. Der Service Level Manager ist verantwortlich die Leistungen der IT in Einklang mit den geschäftlichen Erwartungen zu bringen.

  • Software Engineering Specialist

    Der Software Engineering Specialist beschäftigen sich mit dem Design, der Entwicklung, der Instandhaltung und Evaluation von Software-Systemen.

  • Systemanalytiker

    Systemanalytiker, die im IT-Bereich arbeiten, modellieren Geschäftsprozesse und erstellen auf der Basis von Analysen die Anforderungen an IT-Systeme, die sie in Form von Anforderungsmodellen darstellen. Die Unterstützung eines Systemanalytikers ist vor allem dann von großer Bedeutung, wenn Prozessabläufe komplizierter werden. Die Hauptaufgaben eines Systemanalytikers bestehen darin, die Umsetzung und Installation von IT-Systemen fachlich zu begleiten sowie bereits bestehende anzupassen. Zudem müssen sie auch kommunikative Fähigkeiten bei Verhandlungen und Beratungen mit Kunden unter Beweis stellen.

  • Testmanager

    Ein Testmanager prüft IT-Systeme, die sich noch in der Vorbereitungsphase befinden. Er ist für die Konzeption, Planung, Steuerung und Prüfung des Prozesses zuständig. Außerdem dirigiert er den Testprozess, indem er sowohl Vorgesetzte als auch Kunden stetig auf den neuesten Stand bringt, was Qualität und Fortschritte des Systems betrifft.

  • Webdesigner

    Webdesigner arbeiten in der Regel für Software- und Datenbankanbieter oder Multimediaagenturen. Ihre Aufgabe besteht darin, Internet-Auftritte zu betreuen. Während Webdesigner in kleineren Agenturen üblicherweise für Gestaltung, Aufbau und die Verwirklichung des Corporate Designs zuständig sind, übernehmen sie in größeren Betrieben oftmals vorwiegend die Pflege für Layout und Design der Webseiten. Bei weiterführenden Aufgaben stehen ihm dann weitere Sachkundige zur Verfügung.

Nicht ohne Grund heißt es Industrie 4.0 – nicht Büromensch 4.0. Auch der Bankschalter verschwindet nicht ganz durch FinTechs und veränderte Geschäftsmodelle. Trotzdem gibt es Visionen einer menschenleeren Fabrik, in der der Roboter den Werkzeugmacher ersetzt. Das könne er sich in naher Zukunft hierzulande nicht vorstellen, sagt Igel. „Wir führen die Diskussion in Deutschland gerne sehr hysterisch, hängen aber mit der Umsetzung im Vergleich zu anderen Ländern noch hinterher“, kritisiert er.


Mittelstand digitalisiert sich heimlich

Damit das mit dem Hinterherhinken kein Dauerzustand bleibt, dürften nicht nur die 30 großen Konzerne sogenannte Change-Prozesse ins Rollen bringen. Auch kleine Handwerksbetriebe müssen etwas tun – schließlich stellt der Mittelstand die Mehrheit der Unternehmen: Rund 3,62 Millionen Unternehmen - das sind 99,6 Prozent - zählen laut dem Institut für Mittelstandsforschung zum deutschen Mittelstand. Wenn die alle in der analogen Zeit stehen bleiben, dann heißt es für die deutsche Wirtschaft gute Nacht, Marie.

Zustimmung zur Aussage: "Ich kann mir ein Leben ohne digitale Technologien nicht mehr vorstellen"

  • Deutschland

    71 Prozent

  • Großbritannien

    81 Prozent

  • Irland

    80 Prozent

  • Italien

    70 Prozent

  • Niederlande

    73 Prozent

  • Portugal

    76 Prozent

  • Spanien

    72 Prozent

  • Tschechische Republik

    71 Prozent

Die gute Nachricht: Sie tun es nicht. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) digitalisieren sich sehr wohl. Nur eben meist ohne Tamtam und hochbezahlten Chief Digitalisation Officer, sondern zur Not dank Einsatz des Schwagers vom Chef, der sich mit E-Commerce auskennt.

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