Beförderung: Warum ein Chef nicht zu nett sein sollte

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Beförderung: Karriere machen geht auch ohne Ellenbogen

Warum ein Chef nicht zu nett sein sollte


Laut Huth schaffen es viele erfolgreiche Menschen, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Sach- und Personenorientierung zu pflegen. Sie bewegen sich also zwischen zwei Extrempunkten: Sie schauen weder kalt auf die Zahlen, noch lassen sie sich aus lauter Harmoniesucht dazu hinreißen, die Dinge nicht richtig anzugehen und Konflikten aus dem Weg zu gehen. In der Praxis kann die Personenorientierung aber schnell mal zur kurz kommen. „Wir erleben das vor allem bei Menschen, die aufgrund ihrer langen Betriebszugehörigkeit oder fachlicher Qualifikation aufgestiegen sind. Ihnen fehlt es dann oft an Charisma“, so Huth.

Trotz dieser Geißelung des Egos, ist ein gesundes Selbstbewusstsein eine Grundvoraussetzung für Erfolg. Nur wer mit sich selbst im Reinen und von seiner Leistung überzeugt ist, kann die nötige Führungsstärke zeigen, um in der Hierarchie aufzusteigen und letztendlich ein guter Chef zu sein.

Wer es irgendwann in eine Führungsposition geschafft hat, kann bei allen Vorteilen die ein netter Umgang mit den Mitarbeitern verspricht auch ein Problem bekommen. Damit der Chef auch gerade bei kritischen Entscheidungen die nötige Autorität hat, ist eine Sache besonders wichtig: Distanz. „Wenn sie in den Pausen ständig herumscherzen oder abends mit den Kollegen ausgehen und dann dann auf der Arbeit den Chef geben wollen, machen das die Mitarbeiter nicht mit.“

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer mit den Kollegen erst einmal privat verstrickt ist, beginnt Sympathien und Antipathien wahrzunehmen und das in den Arbeitsalltag hineinzutragen. Jemand der einen Mitarbeiter deutlich sympathischer findet, als den anderen, lässt ersterem mehr durchgehen, was dann Verstimmungen in der Belegschaft verursacht. „Solches Verhalten führt zu Doppelrollen, die grundsätzlich immer eine Gefahr darstellen“, erläutert Huth.

Wer es schafft einen netten aber professionellen Umgang mit seinen Kollegen zu pflegen, ist jedoch nicht automatisch dagegen gefeit auch einmal Unmut zu erzeugen. Wenn ein Mitarbeiter dem Chef zu verstehen gibt, dass er unzufrieden ist, sollte dieser herausfinden, woher die schlechte Stimmung kommt. Hat man zum Beispiel gerade eine unangenehme Entscheidung getroffen, die dem Kollegen nicht gefällt, ist seine Reaktion erst einmal menschlich. In diesem Fall rät Huth die Situation so hinzunehmen, anders sieht es jedoch auch, wenn sich ein grundsätzliches Problem auftut. „Dann würde ich das Gespräch suchen und wenn ich einen Fehler gemacht habe, diesen auch offen einräumen.

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Kommen von gewissen Mitarbeitern jedoch immer wieder Sticheleien, muss auch der nette Chef irgendwann Konsequenzen ziehen. „Damit ein Vorgesetzter seinen Job machen kann, braucht es beiderseitiges Vertrauen und die Bereitschaft des Mitarbeiters sich führen zu lassen. Ist das nicht gegeben, stellt sich die Frage, ob eine Zusammenarbeit überhaupt noch Sinn macht“, meint Huth.
Nett sein, ist also keine Hindernis auf dem Weg zur Karriere, es ist eine entscheidende Grundvoraussetzung – und heißt nicht, dass der Chef nicht führungsstark sein darf. Wer hingegen auf Intrige, Ego und Skrupellosigkeit setzt, hat irgendwann ein Problem. Denn, so stellt Huth fest, „man sieht sich immer mindestens zweimal im Leben.“

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