Körpersprache: Unsere Haltung verrät unsere Gedanken

Körpersprache: Unsere Haltung verrät unsere Gedanken

von Kerstin Dämon

Signale des Körpers legen unsere Gefühle gnadenlos offen. Geübte Beobachter erkennen das. Was wir lernen können und was unsere Körpersprache über uns verrät.

Der amerikanische Psychologe Albert Mehrabian entwickelte im Jahr 1971 die 7-38-55-Formel. Er glaubte, dass der größte Teil der Information in einem Gespräch oder einer Rede nonverbal vermittelt wird. Nur sieben Prozent dessen, was bei uns ankommt, seien tatsächlich Worte. Die Art, wie wir etwas sagen, entscheidet zu 38 Prozent.

Doch am wichtigsten ist Mehrabian zufolge die Körpersprache: Sie mache 55 Prozent des Gesagten aus. Nun lässt sich über die Formel streiten. Richtig ist aber, dass die Körpersprache in der Kommunikation eine wichtige Rolle spielt.

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Körpersignale legen unsere Gefühle - von Angst über Freude bis zu Unsicherheit und Wut - gnadenlos offen. Geübten Beobachtern bleiben Diskrepanzen zwischen gesprochenem Wort und dem, was tatsächlich dahinter steckt, nicht verborgen. Und auch im Vorstellungsgespräch oder der Gehaltsverhandlung kann uns unser Körper verraten.

Gestik und Mimik

  • Finger an die Nase legen

    signalisiert laut den Bewerbungsexperten von Hesse/Schrader Konzentration oder Nachdenken

  • Mit den Fingern trommeln

    bedeutet Ungeduld oder Nervosität, vielleicht sogar Provokation

  • Gefaltete Hände

    zeigen die eigene Überlegenheit

  • Hand vor den Mund halten

    Gesagtes wird zurückgenommen, weil Unsicherheit in der Sache besteht

  • Händereiben

    demonstriert Selbstzufriedenheit, wirkt aber nicht immer sympathisch

  • Hände über den Kopf legen

    zeigt bei Zurücklehnen grenzenlose Souveränität

  • Herumspielen mit Fingern

    lässt auf Desinteresse, Unkonzentriertheit oder Nervosität schließen

  • Kopf auf die Hände stützen

    steht für Nachdenklichkeit, Erschöpfung oder Langeweile

  • Am Kopf kratzen

    zeigt Ratlosigkeit oder Unsicherheit

  • Reiben des Kinns

    steht für Nachdenklichkeit und Zufriedenheit

  • Verschränkte Arme

    zeigen bei Frauen: Unsicherheit oder Angst, bei Männern: Ablehnung und Verschlossenheit

  • Zum Spitzdach geformte Hände

    signalisieren Überheblichkeit, gleichzeitig Abwehr gegen Einwände

Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) führten für eine Studie eine Aufzeichnung einer Gehaltsverhandlung vor. Die Studenten sollten abschätzen, ob der Angestellte letztlich mehr Geld bekommt oder nicht. Und die Mehrheit hatte mit ihrer Einschätzung Recht. Die Art, wie die Personen im Video miteinander interagierten, sprach eine deutliche Sprache.

Studien belegen, dass sogar Babys die Körpersprache ihrer Eltern lesen können, wie der Körpersprachenexperte Joe Navarro weiß. Der Mensch ist darauf ausgelegt, auch ohne Worte zu kommunizieren. Und zwar ehrlich. Unser Körper zeigt, wie wir uns fühlen.

Frauen machen sich oft klein

Im Beruf ist das allerdings nicht immer förderlich. Karriereratgeber warten deshalb mit zahlreichen Tipps auf, wie wir besonders überzeugend auftreten: Wir sollen lächeln, den Rücken durchdrücken, raumgreifende Positionen einnehmen und die Arme nur dann vor der Brust verschränken, wenn wir wirklich Skepsis oder Ablehnung signalisieren wollen.

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Die Kommunikationstrainerin Cornelia Topf hat sogar einen Ratgeber speziell für Frauen geschrieben. Diese neigen dazu, sich durch ihre Körperhaltung klein zu machen. Sie schwächen "durch Haltung oder Gestik ihren Status", wie die Autorin des Buchs "Körpersprache für Frauen" schreibt. Dazu gehörten gefaltete Hände, übereinander geschlagene Beine oder überkreuzte Füße. Männer streckten dagegen im Sitzen die Beine von sich, wodurch sie eine ganz andere - raumgreifendere - Wirkung erzielen.

Karriere ruinieren in wenigen Schritten

Mit einer schlechten oder viel mehr unpassenden Körpersprache können sich sowohl Bewerber als auch Manager einiges verbauen. Am schnellsten geht das, wenn schon die Begrüßung schief läuft. Dazu am besten dem Gegenüber gar nicht erst die Hand geben. Falls der Händedruck unausweichlich ist, sollte er möglichst kalt und ausdruckslos sein. Danach sollte es mit dem Job oder der Gehaltserhöhung eigentlich schon aus sein.

Verschiedene Studien belegen nämlich, dass ein angenehmer Handschlag immer ein Türöffner ist. So fand Greg Stewart von der Universität von Iowa in einer Studie heraus, dass Bewerber mit einem angenehmen Handschlag deutlich häufiger einen Job bekommen. Und Francesca Gino von der Harvard Business School konnte belegen, dass Verhandlungen deutlich fairer ablaufen, wenn sich die Verhandlungsteilnehmer vorher die Hände geschüttelt haben.

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Mungos sind schnelle, ausdauernde Kämpfer und teamfähig. Quelle: Getty Images

Den perfekten Händedruck definieren verschiedene amerikanische Forscher übrigens als kurz - maximal drei bis vier Sekunden - fest und trocken. Dazu gehört ein offenes Lächeln, der Blick ins Gesicht des Gegenübers gerichtet. Auch die Bewerbungs- und Karriereberatung Hesse/Schrader weiß, wie es nicht geht: Wer den Blick senkt, signalisiert dem Gegenüber Desinteresse. Wer mit dem Chef über eine Gehaltserhöhung verhandelt oder sich für einen Fehler rechtfertigt, sollte dem Vorgesetzten also in die Augen schauen. Wer häufig blinzelt, demonstrativ wegschaut und den Blick nicht fokussiert, zeigt Unsicherheit und outet sich so als schwacher Verhandlungspartner. Gleiches gilt für nervöses Herumzupfen an der Kleidung oder das Spielen mit dem Haar.

Genauso wenig überzeugen laut Hesse und Schrader ein stereotypes Dauerlächeln oder das so genannte "Piranha-Lächeln", das alle Zähne zeigt. Aber auch zusammengepresste Lippen in Kombination mit nach unten gezogenen Mundwinkeln helfen im Gespräch nicht weiter. Dieser Gesichtsausdruck suggeriert Unzufriedenheit bis hin zur Verbitterung oder den Wunsch nach Distanz.

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