Lernen im Alter: Was unser Gedächtnis ruiniert

Lernen im Alter: Was unser Gedächtnis ruiniert

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Stress, falsche Ernährung und zu wenig Schlaf vernebeln unser Denken.

von Kerstin Dämon

Viel Stress, wenig Schlaf, falsche Ernährung: All das schadet unserem Gehirn. Das muss aber fit sein, denn wer heute auf dem Arbeitsmarkt bestehen will, muss kontinuierlich Neues lernen.

Einstein und andere Naturwissenschaftler haben ihre größten Entdeckungen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren gemacht. Das hat einen Grund: In diesem Alter ist das Gehirn am leistungsfähigsten, weil sich das gesammelte Wissen optimal auf neue Herausforderungen anwenden lässt.
„Unsere fluide Intelligenz, also wie schnell wir etwas begreifen, nimmt ab einem Alter von 16 Jahren zwar ab“, sagt Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie vom Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen. Das Experten- oder Fachwissen, das in unserem Langzeitgedächtnis landet, wächst dagegen mit dem Alter. Stellt man sich die abnehmende fluide Intelligenz und die zunehmende sogenannte kristalline Intelligenz als Kurven vor, treffen sie sich in einem Alter zwischen 30 und 34 Jahren, wie Roth sagt.

Tatsächlich veröffentlichte Einstein im Jahr 1905 im Alter von 25 beziehungsweise 26 Jahren gleich fünf Arbeiten, eine davon beinhaltete die spezielle Relativitätstheorie. Roth: „Mit 70 hätte er das sicher nicht mehr geschafft.“

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Drei Faktoren bestimmen unsere Gedächtnisleistung

Das bedeute aber nicht, dass alte Menschen nicht mehr zu geistigen Hochleistungen fähig wären. „Der eine hat mit 95 ein super Gedächtnis, der andere vergisst schon mit 50 die Hälfte“, sagt der immerhin auch schon 74-jährige Wissenschaftler.

Lebenserwartung Welche Eigenschaften zu einem langen Leben verhelfen

Wer alt werden möchte, muss vor allem freundlich, gewissenhaft und offen gegenüber seinen Mitmenschen sein, sagt eine Studie. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Was ist der Schlüssel für ein langes, glückliches Leben? Quelle: Getty Images

Verantwortlich für unsere Hirnleistung seien vor allem drei Faktoren: Gene, Umwelt und Übung. Wobei die Gene und die Umwelt, der wir als Säugling ausgesetzt waren, etwa für 30 bis 40 Prozent unserer Hirnleistung verantwortlich seien. Den Rest haben wir selbst in der Hand.

„Die kognitive Leistungsfähigkeit lässt sich durch Training steigern“, sagt Roth. Allerdings hilft es nichts, einmal die Woche einen Sprachkurs zu besuchen oder sich kurz am Wochenende vom Enkel die neuesten IT-Trends erklären zu lassen.

Wer dagegen sechs Monate lang täglich mehrere Stunden etwas übt, kann auch mit 70 Jahren wieder die Hirnkapazität eines 30-Jährigen erreichen. So belegt eine in der amerikanischen Nationalbibliothek für Medizin veröffentlichte Studie des Neurologen Joaquin Anguera (University of California, San Francisco), dass regelmäßiges Multitasking-Training mit Videospielen die Leistungen des Arbeits- oder Langzeitgedächtnis und der selektiven Aufmerksamkeit deutlich verbessert. Zumindest, so lange das Gehirn gesund ist.

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