Peinlichkeiten beim Geschäftsessen vermeiden: Hilfe, ich habe ein Essen mit dem Chef!

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Peinlichkeiten beim Geschäftsessen vermeiden: Hilfe, ich habe ein Essen mit dem Chef!

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von Nora Jakob

Geschäftsessen gehören oft zum Arbeitsalltag – und sind gute Gelegenheiten, sich zu präsentieren. Doch wer lädt wen ein, was zieht man an und welches Gericht eignet sich, um parallel übers Geschäft sprechen zu können?

Es ist in erster Linie ein Kompliment, wenn der Chef zum Essen einlädt. Aber nach der ersten Freude darüber kann es problematisch werden: Wie verhalte ich mich richtig? Muss ich Dinge essen, die ich nicht mag oder vielleicht sogar nicht vertrage? Bei einem Geschäftsessen - auch wenn es nur mit den Kollegen ist - lauern viele Fettnäpfchen und nicht erst im Restaurant. So können Sie bei einem Geschäftsessen glänzen.

1. Wer einlädt, bestimmt das Restaurant und zahlt

Grundsätzlich gilt, wer einlädt, bezahlt auch - unabhängig vom Geschlecht. Gleichzeitig ist der Gastgeber auch die Person, der besondere Wertschätzung zuteil werden sollte. Denn er trägt eine besondere Verantwortung gegenüber den Gästen. Ihm obliegt es aber auch, Vorlieben und Unverträglichkeiten der Gäste vorab herauszufinden. Wenn Sie einladen und sich bei den Geschmäckern unsicher sind, bietet sich in der Regel ein gutes italienisches Restaurant an. Da findet sicher jeder etwas.

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Sollte die Rolle des Gastgebers vorab nicht zugewiesen sein, gilt: Finden Sie vor dem Essen raus, wer die Rechnung übernimmt oder ob diese geteilt wird. Einfach die ganze Rechnung zu übernehmen, ist nicht angemessen und kann sogar als unhöflich empfunden werden. Ob es einen Aperitif oder Digestif gibt, entscheidet die zahlende Person. Sie muss schließlich für die Kosten aufkommen.

Noch ein kleinerer Fallstrick: Die Rechnung möglichst nicht am Tisch, also vor dem Gast begleichen, sondern lieber am Tresen. Trinkgeld kann man geben, muss aber nicht, denn die Gelder für den Service sind schon im Preis einkalkuliert. War es aber eine gute Leistung des Personals, so sollte auch ein gutes Trinkgeld gegeben werden - in der Regel zwischen fünf und zehn Prozent bezogen auf die Rechnungshöhe.

2. Was ziehe ich an?

Das Essen wird in der Regel auswärts - etwa im Restaurant oder zuhause - stattfinden. Auch hier sollte die Kleidung angemessen sein - und da spielt vor allem die Uhrzeit eine entscheidende Rolle: Mittags darf es durchaus etwas lockerer sein, nach 18 Uhr sollte auf eine feinere Abendgarderobe zurückgegriffen werden - auf keinen Fall Jeans. Die Krawatte darf aber durchaus weggelassen werden.

Generell aber gilt: Die Kleidung, die Sie angezogen haben, bleibt den ganzen Abend über an - das gilt auch für Sakko oder Blazer. "Was man bei der Vorspeise trägt, trägt man auch beim Dessert," heißt es in einer allgemeinen Knigge-Regel. Deshalb: Ziehen Sie sich lieber zu leicht als zu warm an. Ihre Jacke oder Ihren Mantel sollten Sie beim Eintreten ins Restaurant an der Garderobe abgeben, und keinesfalls über den Stuhl hängen.

Diese Regeln gelten bei einem Geschäftsessen

  • Aperitif

    Wenn der Aperitif vor dem Essen gereicht wird, sollte das Glas nicht zum Tisch mitgenommen werden; das erledigen Kellner. Eingedeckte Gläser werden von rechts nach links, Besteck von außen nach innen verwendet. Gläser werden nur bis zum ersten Drittel eingeschenkt und nur am Stiel angefasst, falls sie einen haben.

  • Beginn

    Es wird nicht getrunken, bevor der Gastgeber dazu aufgefordert hat. „Guten Appetit“ wird kaum noch gewünscht. Kommt das vom Gastgeber und Koch, riecht es nach Eigenlob; wünscht es der Gast, könnte man meinen, es sei nötig. Wünschen Sie lieber einen netten Abend und gute Gespräche. Und angestoßen wird nur mit weinhaltigen Getränken, zunicken und zuprosten ist aber dezenter. Cheers!

  • Besteck

    Einmal aufgenommenes Besteck berührt die Tischdecke nicht wieder, bei Pausen wird es auf dem Teller geparkt.

  • Büfett

    Erlaubt ist, jederzeit zum Büfett zu gehen, um einen weiteren Gang zu holen. Tabu ist hingegen, den Teller bis zum Anschlag vollzupacken. Speisen nie am Büfett verzehren oder probieren! Und nie mit gebrauchtem Geschirr zurück ans Büfett (Ausnahme: privat).

  • Couvert-Brot

    Das Brot vor dem Essen ist keine Vorspeise, sondern eine Beilage zur Vorspeise. Es wird nur gebrochen, nie wie eine Stulle mit Butter bestrichen und gegessen! Richtig: Brot in Happen brechen, jedes Stück einzeln bestreichen und essen.

  • Espresso

    Heiße Getränke, die in Tassen nach dem Essen gereicht werden, dürfen erst serviert werden, wenn alle Besteckteile (Messer, Gabel, Teller) abgeräumt sind.

  • Fingerfood

    Artischocken, Austern, Canapés, Garnelen, Muscheln, Spareribs, Wachteln dürfen mit den Fingern gegessen werden. Ebenso Geflügel – aber nur, wenn es nicht anders geht.

  • Malheur

    Sie stoßen ein Weinglas um und bekleckern den Nachbarn: alles kein Desaster! Bitten Sie den Kellner diskret heran. Er beseitigt die Spuren. Den Nachbarn bitten Sie um Entschuldigung und bieten an, für etwaige Reinigungskosten aufzukommen. Sind nur Sie betroffen, ziehen Sie sich diskret auf die Toilette zurück.

  • Order

    Gastgeber mit Stil fragen: Was halten Sie von einem Menü? Wollen wir eine Vorspeise nehmen? Möchten Sie Wein dazu trinken? Anschließend passt er sich den Wünschen der Gäste an und lässt ihnen bei der Bestellung den Vortritt. Er bezahlt auch nicht am Tisch, sondern am Empfang.

  • Serviette

    Wird ausgebreitet und einmal gefaltet auf den Schoß gelegt. Fällt sie beim Essen runter, bitten Sie das Personal um eine neue. Nicht aufheben! Wer aufstehen muss, legt die Serviette locker links neben den Teller (amerikanisch: auf den Stuhl). Der Gastgeber deutet mit derselben Geste an, dass das Essen beendet ist.

  • Schminken

    Niemals bei Tisch! Make-up auffrischen, Lippenstift nachziehen, Augen nachtuschen – dazu zieht sich die Dame stets zurück.

  • Suppe

    Einzig richtig: nicht pusten, nicht mit dem Brot tunken, den Löffel nur mit der Spitze zum Mund führen. Cremesuppen und Suppen mit Einlagen werden nur ausgelöffelt, klare Brühen dürfen auch ausgetrunken werden.

3. Hohe Kunst des Plauderns

Die Deutschen gelten als Smalltalk-Muffel, dabei kann der kleine Plausch mit dem Chef über einen Karrieresprung oder das Ende der Leiter entscheiden. Aber auch die Kollegen könnten nach einem verpatzten Essen noch einmal die Meinung ändern. Deshalb gilt: "Bei einem Essen sollten Themen wie Politik, Finanzen, Krankheiten oder Lästereien ausgespart werden," sagt Linda Kaiser von der Deutschen Knigge-Gesellschaft e.V.

Beliebte Themen hingegen sind Hobbies, Reisen oder andere Erlebnisse. Dazu könne jeder etwas sagen und es überfordert auch selten intellektuell. Über Geschäftliches wird übrigens erst nach dem Dessert - und bei einem Kaffee gesprochen.

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