Freytags-Frage: Warum geht die Zahl der Unternehmensgründungen zurück?

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kolumneFreytags-Frage: Warum geht die Zahl der Unternehmensgründungen zurück?

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Schild "Start-Up-Stage"

Kolumne von Andreas Freytag

In Deutschland werden weniger Firmen gegründet. Das liegt einerseits an der seit Jahren sinkenden Arbeitslosigkeit. Andererseits tut die Politik zu wenig, um Unternehmertun zu fördern.

Im Vergleich zu 2010 hat sich die Anzahl der Unternehmensgründungen in 2014 um etwa 100.000 auf etwas über 400.000 verringert. Im Vergleich zum Rekordjahr 2004 sind es somit über 150.000 weniger gewesen. Dies ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Denn ein großer Anteil der Neugründungen von Unternehmen umfasst die Unternehmer aus Notwendigkeit (necessity entrepreneurs), d.h. Unternehmer, die aus der Notwendigkeit heraus, z.B. wegen Arbeitslosigkeit, gründen und deren Geschäftsmodelle deshalb oftmals nicht sehr nachhaltig sind. Dies gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass die Deutschen sichere Jobs der Selbständigkeit häufig vorziehen. Daneben verdienen viele Angestellte mehr als die meisten Selbständigen, zumal die getriebenen.

Und in der Tat hat die Arbeitslosigkeit seit 2004 deutlich abgenommen, viele der (potenziell) Selbständigen aus der Not haben einen Arbeitsplatz gefunden.

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Es gibt aber auch große Nachteile, wenn es weniger Unternehmensgründungen gibt, vor allem wenn diese wegen einer Gelegenheit (opportunity entrepreneurs) bzw. eines gewinnversprechendem Geschäftsmodells vorgenommen werden. Diese Unternehmen sorgen nicht nur dafür, dass der Gründer nicht mehr arbeitslos ist, sondern schaffen in der Regel gutbezahlte Arbeitsplätze für andere.

Neben den neugeschaffenen Arbeitsplätzen sind die Dynamik und das Innovationspotential, die von gelegenheitsgetriebenen Neugründungen ausgehen, ins Kalkül zu ziehen. Neue Unternehmen von jüngeren Gründern dürften ein höheres Potential als etablierte Unternehmen dafür aufweisen.

Drittens muss gewürdigt werden, welche Rolle erfolgreiche Unternehmer in der Gesellschaft spielen. Sie bilden gerade in den ländlichen Räumen das Rückgrat der Zivilgesellschaft, indem sie sich politisch engagieren, Kunst, Kultur und Sport als Sponsoren oder Mäzene unterstützen und sich auch sonst einbringen. Sie dienen derart auch als Vorbilder für jüngere und können viel zur Festigung der Mittelschicht und der Zivilgesellschaft beitragen.

Umso dramatischer wäre es, wenn es dauerhaft immer weniger Unternehmen geben würde. Um diesen negativen Trend der abnehmenden Unternehmensgründungen zu stoppen, ist es deshalb im ersten Schritt hilfreich, die Frage nach den Ursachen sorgfältig zu klären. Welche Ursachen werden hauptsächlich ins Feld geführt?

- Wie erwähnt ist die gute Arbeitsmarktlage ein Grund für geringere Gründungsaktivitäten. Dieser Teil der Gründungen ist deshalb auch eher unproblematisch.

- Zweitens wird ins Feld geführt, dass die staatliche Förderung der Unternehmensgründungen nach 2011 abgesenkt wurde. Allerdings ist die Frage, ob wirkliche Unternehmertypen (in Abgrenzung vom Unterlasser, den der Kieler Volkswirt Herbert Giersch in seinen Vorlesungen als Gegenmodell zum Unternehmer skizzierte) auf diese Art der Förderung angewiesen sind bzw. sich von deren Abwesenheit bremsen lassen.

- Drittens wird die überbordende Bürokratie und dabei vor allem die Steuerbürokratie als Argument genannt. Obwohl die Bundesregierungen, egal welcher Farbkombinationen, immer wieder den Bürokratieabbau als Ziel formulieren, scheinen die bürokratischen Hürden für junge Unternehmer eher zuzunehmen als zu sinken. Hier besteht noch politischer Spielraum. Man denke nur an die Dokumentationspflichten im Zusammenhang mit dem Mindestlohn.

- Zu fragen ist auch nach den Zukunftserwartungen der Bürger. Obwohl die wirtschaftliche Lage im Moment sehr günstig zu sein scheint, ist Skepsis begründet. In gewisser Weise scheint Deutschland ein Scheinriese zu sein – je näher man hinsieht, desto kleiner die Erscheinung. Angesichts der –politisch allseits ignorierten – demographischen Herausforderungen mag sich mancher potentieller Gründer überlegen, ob sein Geschäftsmodell eine Zukunft hat. Allerdings sollte man das Argument nicht überstrapazieren, schon gar nicht für die vergangenen fünf Jahre.

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- Wichtiger für die Zukunft mag ein Argument sein, dass für den Rückgang der Gründungen zwischen 2010 und 2014 noch keine Rolle spielen kann, die Niedrigzinspolitik der EZB nämlich. Diese dürfte – sofern langfristig betreiben – den Geschäftsbanken das Geschäft verhageln und sie dazu zwingen, neuen Kunden, die zumindest aus Sicht der Banken ein höheres Risiko als der Kreditbestand darstellen dürften, sehr vorsichtig gegenüber zu treten. Banken dürften dann mehr Kreditgesuche von Gründern ablehnen (und das Geld den alten und wenig innovativen, zum Teil sogar akut gefährdeten) Unternehmen oder gleich dem Staat als Arbeitgeber leihen. Dies ist das in Japan „erprobte“ Modell: Zombiebanken finanzieren Zombiefirmen (und in Europa bald Zombiestaaten).

Im Moment scheint die gesamte politische Energie in die Rettung Griechenlands zu gehen, was den unschönen Nebeneffekt hat, dass die deutschen Politiker Deutschland für einen wirtschaftspolitischen Wunderknaben halten und keine weiteren Anstrengungen zur Erhöhung und Sicherung der Standortqualität für notwendig erachten. Das ist fatal. Es gibt genug zu tun. Das Aufrechterhalten einer gründungsfreundlichen Atmosphäre – vor allem für die gelegenheitsgetriebenen Gründer – ist von hoher Bedeutung. Schließlich muss ja irgendeiner die Steuern bezahlen, die gerade so lustvoll in wiederholten Rettungspaketen, Rentengeschenken und Subventionen versenkt werden.

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