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Griechischer Telekomanbieter OTE: Kein Heilsbringer, sondern ein Sanierungsfall

von Sandra Louven Quelle: Handelsblatt Online

Der Telekomriese OTE ist einer der wenigen Großkonzerne in Griechenland, doch das Unternehmen leidet an der eigenen Reformunfähigkeit. Dabei war OTE mal die große Wachstumshoffnung der Telekom.

Der griechische Telekomanbieter OTE hat rund 13.000 Mitarbeiter. Quelle: handelsblatt.com
Der griechische Telekomanbieter OTE hat rund 13.000 Mitarbeiter. Quelle: handelsblatt.com

Wie ein Monument überragt die Firmenzentrale die übrigen Gebäude in einem Athener Vorort. Mit seinen rund 13.000 Mitarbeitern ist der Telekomanbieter OTE einer der wenigen Großkonzerne Griechenlands, doch die architektonische Demonstration der Stärke passt nicht mehr zu dem einstigen Monopolisten: OTE, eine Tochter der Deutschen Telekom, ächzt unter der Krise. Vor allem aber leidet das Unternehmen unter der eigenen Reformunfähigkeit.

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Dabei war OTE die große Wachstumshoffnung der Telekom, als sie sich 2008 an den Griechen beteiligte. Inzwischen hält der Bonner Konzern 40 Prozent der Anteile. OTE war vor allem wegen seiner Töchter in Rumänien, Bulgarien, Albanien und Serbien interessant. Heute ist klar: Das Unternehmen ist kein Heilsbringer, sondern ein Sanierungsfall. An der Börse hat die Gesellschaft seit dem Einstieg der Telekom 84 Prozent ihres Wertes verloren. Der Nettogewinn ist in der Zeit von rund 602 Millionen Euro auf knapp 40 Millionen im vergangenen Jahr eingebrochen.

Das aber liegt nicht nur an der Wirtschaftskrise, das liegt auch an selbst verursachten Problemen. „Die Strukturen sind extrem ineffizient und halten keinem Branchenvergleich stand“, sagt ein Experte, der nicht namentlich genannt werden will. Schuld daran ist eine Mischung aus Einflussnahme durch den Staat, der noch zehn Prozent an OTE hält, einer mächtigen Gewerkschaft, die Besitzstände wahren will und harten Vorgaben des Regulierers.

In der Branche ist etwa unbestritten, dass OTE zu viele Mitarbeiter beschäftig. Die Personalkosten im Festnetzgeschäft und der Unternehmenszentrale machen 36 Prozent des Umsatzes aus, bei den übrigen Telekomkonzernen in Europa liegt der Wert bei 22 Prozent. Selbst die unabhängige Mobilfunktochter Cosmote ist deutlich schlanker. Entlassungen in der überbesetzten Festnetzsparte sind aber fast unmöglich: Zwei Drittel der Mitarbeiter dort besitzen einen beamtenähnlichen Status, der sie vor Kündigungen schützt. Nahezu alle Beschäftigten sind zudem Mitglied bei der mächtigen Gewerkschaft OME OTE.

Der große Bremser ist die Politik

Das Unternehmen hat zwar die Mitarbeiterzahl seit der Liberalisierung im Jahr 2001 durch freiwillige Programme nahezu halbiert. An einen weiteren Abbau ist wegen der Krise aber nicht zu denken. „Massenentlassungen sind in Griechenland derzeit ein Denkverbot“, heißt es im Umfeld der Deutschen Telekom. Der große Bremser ist die Politik: Ein neues Programm zur Frührente, mit dem OTE zuletzt 5500 Mitarbeiter vorzeitig los wurde, würde die Rentenkasse zu stark belasten, heißt es in OTE-Kreisen.

Der Einfluss Athens reicht dabei offenbar sogar über Berlin bis nach Bonn – schließlich ist der Bund größter Aktionär der Deutschen Telekom. „Auf dieser Achse wird geklärt, wann Entlassungen möglich sind und wie man sie begleitet“, heißt es im Umfeld der Telekom. Der Konzern widerspricht: „Geschäftsentscheidungen trifft der Vorstand der Deutschen Telekom eigenständig und unabhängig. Eine Einflussnahme durch Dritte findet nicht statt.“

Der zweite große Bremser, die äußerst kampffreudige Gewerkschaft, ist wiederum politisch bestens verdrahtet. In Telekomkreisen wird sie als „irgendwo zwischen kommunistisch und fundamentalistisch“ beschrieben. Tatsächlich versprühen die Büros von OME OTE in Athen kommunistisches Flair. Im Büro des Präsidenten Panajiotis Koutras blättert die Farbe von der Decke, die Wände sind mit vergilbtem Teppich verkleidet, der vermutlich einmal weiß war.

Dort stößt Koutras Kampfansagen an den ausländischen Investor aus. Der, so erklärt der bullige Gewerkschafter nachdrücklich, schaue nur auf die Kosten, statt sich um neue Produkte und Wachstumsstrategien zu kümmern. „Wir arbeiten hier nicht wie die Chinesen, damit die Deutsche Telekom immer höhere Gewinne machen kann“, sagt er. 50 Streiks hat er einberufen, seitdem die Telekom 2008 bei OTE eingestiegen ist. Und das, obwohl griechische Beschäftigte anders als Deutsche kein Streikgeld erhalten. Die verpasste Arbeitszeit wird ihnen am Monatsende vom Gehalt abgezogen.

In der aktuellen Krise hat sich Koutras immerhin auf einen Kompromiss eingelassen: So sinkt bei OTE die wöchentliche Arbeitszeit in den kommenden drei Jahren von 40 auf 35 Stunden, die Gehälter werden um elf Prozent gekürzt. 2015 steigen beide Leistungen wieder auf das derzeitige Niveau. Die Gewerkschaft sieht das als großes Zugeständnis, um das Unternehmen in der Krise zu retten, OTE und Telekom reicht das eigentlich nicht. Die Telekom würde ihre griechische Tochter lieber heute als morgen wieder loswerden. Ein Verkauf scheint indes ausgeschlossen: Für die Problemtochter der Deutschen findet sich kein Käufer.

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