Interkulturell: Klinik mit Kalender

Interkulturell: Klinik mit Kalender

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Sprachbarrieren überwinden: Kommunikation per Piktogramm

von Manfred Engeser

Internationales Krankenhaus auf dem Land - nach Religionen und Festen organisiert.

Wann genau beginnt und wann endet eigentlich der islamische Fastenmonat Ramadan? Was hat es mit der Religion Bahai auf sich? Und wann feiern Chinesen den Beginn des neuen Jahres? Fragen, die sich auch Dietmar Wietholt immer wieder stellte – etwa, wenn er jedes Jahr wieder über den Urlaubsplänen für sich und seine Mitarbeiter am Klinikum Uelzen brütete. Mehr als 100 Ärzte und 300 Pflegekräfte arbeiten hier in komplizierten Schichten – Christen, Muslime und Juden aus Deutschland, der Türkei und Russland, Mitarbeiter mit afrikanischen Wurzeln mit Kollegen aus Asien oder dem Nahen Osten.

Inzwischen läuft die Planung reibungsloser – auch weil Wietholt Abhilfe geschaffen hat: Mit einem interkulturellen Kalender, in dem alle Feiertage der sechs größten Weltreligionen markiert sind. Außerdem erklärt eine Fotoausstellung in den Klinikräumen die Kernthesen der sechs Weltreligionen. „Wer mehr weiß, hat mehr Verständnis für Kollegen und Patienten“, sagt Klinikchef Wietholt. „Das lässt uns besser zusammenarbeiten.“

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Angeregt wurde die Idee durch die Initiative Diverse City – ein von der EU gefördertes, auf drei Jahre angelegtes Projekt des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD) Hamburg/Eutin, das sechs Kleinstädte und ländliche Regionen in Deutschland mit theoretischen Konzepten dafür sensibilisieren will, Mitbürger mit Migrationshintergrund besser ins wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben zu integrieren. Denn aufgrund des demografischen Wandels stehen strukturschwache Landkreise und Kleinstädte mit attraktiven Großstädten im Wettbewerb um junge, qualifizierte Arbeitskräfte. Jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat Migrationshintergrund, 45 Prozent aller Migranten leben im ländlichen Raum.

Willkommen in 27 Sprachen

„Diese Personen nicht als Bürger mit Potenzialen anzunehmen, können wir uns schlicht nicht leisten“, sagt CJD-Projektleiterin Anne Wiesner, „Wir wollen einen Perspektivwechsel anstoßen.“

Auch in Uelzen, einer Stadt mit 34 000 Einwohnern im einstigen, bis heute strukturschwachen Zonenrandgebiet im Nordosten Niedersachsens. Mit geringen Steuereinnahmen und einem Migrantenanteil von 15 Prozent. „Das Thema brennt uns unter den Nägeln“, sagt Jürgen Markwardt, Stellvertreter des Bürgermeisters in Uelzen. „Das wollen wir unseren Mitbürgern noch stärker bewusst machen.“

Zum Beispiel mit Sprachkursen, Kursen für Integrationslotsen, interkulturellem Frühstück. „Wenn wir als Standort attraktiver werden wollen“, sagt Markwardt, „müssen wir noch stärker über den Tellerrand hinausschauen.“

Das weiß auch Klinikchef Wietholt. Er hat an die Kliniktür das Wort „Willkommen“ in 27 Sprachen anbringen lassen, neben Deutsch beginnend mit Türkisch und Russisch, den wichtigsten Sprachen für Mitarbeiter und Patienten des Hauses.

Die Klinik arbeitet außerdem mit bunten Piktogrammen, mit denen Patienten und Ärzte Sprachbarrieren überwinden und elementare Informationen austauschen können („Schmerz“, „Lähmung“, „Herzrasen“).

Auch hat Wietholt gerade den Kalender für 2012 in Druck gegeben. Darin werden die Feiertage der wichtigsten Kulturen nicht nur markiert, sondern auch erklärt. „Davon profitieren alle“, sagt Wietholt. „Personal, Patienten, Klinik.“

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