Alltagsforschung: Warum Menschen ihren Beruf hassen

kolumneAlltagsforschung: Warum Menschen ihren Beruf hassen

Kolumne von Daniel Rettig

Quälen Sie sich jeden Morgen ins Büro? Selbst schuld. Sie könnten sich ja auch einen Job suchen, den Sie mögen. Aber immerhin: Sie sind damit nicht allein. Was Menschen bei der Jobsuche falsch machen.

Vielleicht sitze ich zu oft in Nahverkehrszügen, vielleicht ist es altersbedingt. Fakt ist: Ich entwickle eine Allergie gegen jammernde Menschen. Falls Sie auch zu jenen gehören, die ihre Arbeit oder ihren Chef oder beides unerträglich finden, dann haben Sie ein Problem – und Ayelet Fishbach kennt zumindest schon mal die Ursache.

Die Professorin für Verhaltenswissenschaften an der Booth School of Business der Universität von Chicago befragte kürzlich mit ihrer Doktorandin Kaitlin Woolley knapp 220 Angestellte. Die beiden wollten vor allem wissen: Was mochten die Teilnehmer an ihrem aktuellen Job? Und was wäre ihnen bei einer künftigen Stelle wichtig?

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Wir wollen Geld - und Spaß

Dabei entdeckten die Wissenschaftlerinnen eine interessante Diskrepanz. Monetäre Aspekte wie Beförderungen und Gehaltserhöhungen waren den meisten Befragten sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft wichtig. Was aktuell ebenfalls zählte: Spaß an der Arbeit zu haben und die Kollegen zu schätzen. Doch genau diese vermeintlich weichen Faktoren waren den Befragten im Hinblick auf die Zukunft weniger wichtig. Anders formuliert: Wenn sie an den nächsten Job dachten, schätzten sie vor allem monetäre Kriterien – obwohl in der Gegenwart auch noch andere Aspekte für das Seelenheil wichtig waren.

Worauf die Deutschen bei einem neuen Job Wert legen

  • Kollegen

    97 Prozent der 2014 von forsa befragten 2.001 Bundesbürger sagten, dass sie bei einem neuen Job sehr viel Wert auf angenehme Kollegen legen.

  • Sicherheit

    Nur knapp dahinter folgt der sichere Arbeitsplatz, den 96 Prozent als sehr wichtig erachten.

  • Wertschätzung

    95 Prozent wünschen sich Respekt und Anerkennung durch die Vorgesetzten.

  • Geld

    Ein gutes Gehalt ist 93 Prozent wichtig beziehungsweise sehr wichtig.

  • Abwechslung

    90 Prozent wünschen sich von der neuen Stelle, dass sie abwechslungsreiche Tätigkeiten mit sich bringt.

  • Arbeitsvertrag

    Für 89 Prozent ist es wichtig bis sehr wichtig, dass der neue Job unbefristet ist.

  • Soziales und Entwicklung

    88 Prozent der Befragten sagten, dass ihnen die Moralvorstellungen und das Leitbild des Unternehmens wichtig sind. Ebenfalls 88 Prozent legen sehr großen Wert darauf, dass sie Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten im neuen Unternehmen haben.

  • Arbeitszeit

    Flexible Arbeitszeiten wünschen sich 70 Prozent im neuen Job.

  • Incentives

    Wichtig beziehungsweise sehr wichtig finden 65 Prozent Mehrwertleistungen des Unternehmens wie beispielsweise eine Betriebsrente, Mitarbeiterrabatte oder einen Dienstwagen.

  • Boni

    64 Prozent wünschen sich, im neuen Unternehmen für besonders gute Leistungen auch Bonuszahlungen zu bekommen.

  • Aufstiegsmöglichkeiten

    59 Prozent wünschen sich im neuen Job Führungsverantwortung zu übernehmen, zumindest aber, Projektleiter zu werden.

Schon seltsam. Wir wissen, dass wir morgens wesentlich leichtfüßiger aus dem Bett hüpfen, wenn wir uns auf den anstehenden Arbeitstag freuen – weil interessante Aufgaben auf uns warten, die wir im Optimalfall gemeinsam mit sympathischen Menschen erledigen dürfen. Doch wenn wir an die Zukunft denken, verblassen diese Details. Dann konzentrieren wir uns stärker auf finanzielle Anreize – und vergessen, dass diese alleine uns nicht glücklich machen.

Die Studie ist ein Plädoyer. Dafür, unserer inneren Stimme genauer zuzuhören; uns stärker danach zu richten, was uns jetzt, aktuell, in diesem Moment Freude bereitet – und unsere beruflichen Entscheidungen danach auszurichten. Ja, das klingt scheinbar esoterisch. Aber Geld allein ist nun mal ein schlechter Motivator. Es ermöglicht uns, unser Leben zu finanzieren, doch es nimmt uns auch den Spaß an der Arbeit. Wenn wir für eine Tätigkeit Geld bekommen, lenken wir unsere Aufmerksamkeit zu sehr auf diese äußere, extrinsische Belohnung.

Wenn der Jo nur Mittel zum Zweck ist

Dann unterschätzen wir die intrinsische, also von innen kommende Motivation. Früher hat uns eine Sache Spaß gemacht, wir erledigten die Aufgabe um ihrer selbst willen, weil sie uns interessierte, faszinierte und inspirierte. Heute tun wir es für Geld. So entsteht vieles, aber sicher keine Leidenschaft. Manche Menschen sehen in ihrer Tätigkeit hauptsächlich einen Job. Sie gehen morgens ins Büro, weil sie wissen, dass sie dadurch die finanziellen Möglichkeiten haben, ihre Miete zu zahlen, Kleidung zu kaufen oder in Urlaub zu fahren.

Andere streben nach einer steilen Karriere, weil sie dadurch Einfluss gewinnen und ihr Selbstwertgefühl steigern wollen. Für beide Gruppen gilt: Arbeit ist nur Mittel zum Zweck, um das Konto oder das Ego aufzublähen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es ist völlig in Ordnung, einer dieser beiden Gruppen anzugehören. Aber dann jammern Sie bitte nicht, dass Ihnen die Arbeit keinen Spaß macht.

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