Betriebliches Gesundheitsmanagement: Schicken Sie Ihr Team zum Sport

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Schicken Sie Ihr Team zum Sport

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Mitarbeiter der Otto Group in Hamburg nehmen in ihrer Mittagspause an einem "Zumba"-Kurs teil.

Sport, rückenfreundliche Möbel, gesundes Essen: 65 Prozent der Unternehmen tun was für die Gesundheit der Mitarbeiter. Das heißt aber auch: Jeder dritte Betrieb macht nichts. Dabei würden viele Angestellte dafür sogar zahlen.

Bei der Otto Group tanzen Mitarbeiterinnen in ihrer Pause Zumba, die Adidas-Angestellten in Herzogenaurach haben ein 4000 Quadratmeter großes Fitness-Studio für 25 Euro Monatsbeitrag und Henkel beschäftigt gleich ein 22-köpfiges Gesundheitsteam inklusive Werksarzt, das sich um gesunde Ernährung, Bewegungsförderung, Raucherprävention und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen kümmert.

Bundesweit investieren 65 Prozent aller Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, wie die Studie "Betriebliches Gesundheitsmanagement 2016" im Auftrag der pronova BKK zeigt, in deren Auftrag das Marktforschungsinstitut Toluna 1660 Arbeitnehmer befragt hat.

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Gesundheitsprüfungen, gesundes Essen, Betriebssport

Demnach ist die häufigste Maßnahme in deutschen Unternehmen eine freiwillige allgemeine Gesundheitsprüfung durch den Betriebsarzt (29 Prozent). In 27 Prozent der Unternehmen gibt es außerdem neben Currywurst und Pommes auch gesundes Essen in der Kantine und 22 Prozent bieten Augenuntersuchungen an. Ein spezielles Betriebssportangebot leisten sich 18 Prozent aller Firmen.

Bestimmte Gesundheitsangebote wie Vorsorgemaßnahmen im Rahmen der psychischen Gefährdungsbeurteilung sind gesetzlich vorgeschrieben. Trotzdem bieten nur jeweils 13 Prozent aller Arbeitgeber, davon in erster Linie Großunternehmen, spezielle Beratungsangebote zur Bewältigung von Stress oder psychischen Problemen an, lediglich acht Prozent setzen auf Burnout-Prävention.

Welche Gesundheitsangebote sich Arbeitnehmer wünschen

  • Impfungen und Vorsorge

    Die Versicherung "Die Continentale" hat 600 Menschen zu ihrer Zufriedenheit mit dem Gesundheitsmanagement am Arbeitsplatz befragt. Das Ergebnis der Studie "Betriebliches Gesundheitsmanagement aus Sicht der Arbeitnehmer – was wird geboten, gewünscht und genutzt": Von den Beschäftigten, an deren Arbeitsplatz betriebliches Gesundheitsmanagement keine Rolle spielt, wünschen sich 81 Prozent medizinische Angebote wie Impfungen und Vorsorge an der Arbeitsstelle.

  • Gesunde Kantinenkost

    Auf gesunde Ernährung in der Kantine legen 77 Prozent Wert.

  • Seminare zum Thema Gesundheit

    70 Prozent stehen Seminaren sehr offen gegenüber.

  • Betriebssport

    68 Prozent wünschen sich ein Sportangebot im Betrieb. Tatsächlich nutzen würden es aber laut Umfrage nur 46 Prozent.

  • Entspannungstechniken

    Und dass in den Pausen beispielsweise Entspannungsübungen angeboten werden, wünschen sich 57 Prozent.

Dass sich die 65 Prozent die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu Herzen nehmen - sei es nun freiwillig oder weil es vom Gesetzgeber vorgesehen ist - heißt aber auch, dass 35 Prozent der deutschen Betriebe keine gesundheitsfördernden Angebote haben. "In vielen Unternehmen haben sich offenbar die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements noch nicht herumgesprochen", kommentiert Gerd Herold, Arbeitsmediziner der pronova BKK die Studienergebnisse.

Besonders bei den kleinen und mittelständischen Betrieben würde bei der Gesundheitsvorsorge geschludert: Nicht einmal die Hälfte aller Unternehmen zwischen zehn bis 50 Angestellten setzt auf gesundheitsfördernde Maßnahmen (44 Prozent), bei Firmen unter zehn Mitarbeitern ist es gerade einmal jedes vierte Unternehmen. "Vor allem der Mittelstand geht mit seinen Mitarbeitern nicht besonders sorgsam um, dabei ist der einzelne Mitarbeiter hier besonders viel wert. Gesundheitsfördernde Maßnahmen sind zudem nicht teuer und können steuerlich abgesetzt werden", sagt Herold.

Kassen finanzieren Angebote mit

Hinzu kommt, dass die Krankenkassen Unternehmen finanziell unterstützen, wenn sie Sportkurse und ähnliche Gesundheitsangebote ins Leben rufen. Welche Angebote unterstützt werden, erfahren Sie hier. Und auch die Angestellten erwarten gar nicht, dass ihnen ihr Arbeitgeber ein kostenloses Luxus-Fitnessstudio baut oder jedem einen Masseur und einen Personal Trainer zur Verfügung stellt.

So bringen Sie mehr Bewegung in Ihren Büroalltag

  • Weg zum Büro

    Nicht der kürzeste Weg im Gebäude ist der beste, sondern der längste. Das verschafft Ihnen Bewegung und nebenbei stärkt es sozialen Zusammenhalt und Wissensaustausch, wenn auf dem Weg auch in anderen Abteilungen vorbeigeschaut wird.

  • Treppen steigen

    Nehmen Sie die Treppe und nicht den Aufzug. Treppensteigen fordert und bringt Muskulatur und Kreislauf in Schwung.

  • Aufstehen

    Ordnen Sie Ihre Arbeitsmittel so an, dass Sie ab und zu aufstehen müssen: das Telefon nicht auf dem Tisch, sondern auf dem Sideboard; der Papierkorb nicht unter dem Tisch, sondern entfernt in der Raumecke.

  • Meetings

    Verwandeln Sie Sitzungen in "Stehungen". Das führt nebenbei auch zu deutlich intensiverer Beteiligung, kürzeren Meetingzeiten und höherer Effizienz.

Laut der Studie würden sich die Mitarbeiter über gesundes Essen, Massagen oder ein betriebseigenes Fitnesscenter zwar freuen, aber sie erwarten das nicht als Gratisleistung. So sind 59 Prozent der Angestellten bereit, für gesundes und hochwertiges Kantinenessen mehr zu zahlen, als für Schnitzel, Eintopf und Spaghetti. Und jeder zweite Angestellte würde sich an den Kosten für Entspannungsmassagen zum Stressabbau und zur Linderung von Nacken- und Rückenschmerzen beteiligen.

Und 63 Prozent aller Arbeitnehmer sagen, dass sie regelmäßig ins Fitnessstudio gehen würden, wenn ihr Unternehmen die Kosten für die Mitgliedschaft zumindest anteilig übernähme. Sowas kann sich laut Herold auszahlen: "Wenn nur ein Teil der interessierten Mitarbeiter die Angebote nutzt, würden Leistungsfähigkeit und Motivation der Belegschaft deutlich steigen."

Denn zwei Drittel der Deutschen klagen über Rückenprobleme und Verspannungen, die ein entsprechender Kurs oder allgemein eine stärkere Muskulatur zumindest lindern könnte.

Alltagstipps für einen starken Rücken

  • Gewichte verteilen

    Wer schwere Lasten trägt, sollte sie nicht auf einer Seite tragen, sondern auf beide Seiten der Schultern, beziehungsweise des Rückens, verteilen oder eben von Zeit zu Zeit abwechseln.

  • Haltung ändern

    Wer den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt, dem tun abends oft die Schultern weh und der Rücken ist verspannt. Auch hier gilt: Häufiger mal die Sitzposition wechseln, hilft Muskelverspannungen zu vermeiden.

  • Schreibtisch gut aufbauen

    Auch die richtige Anordnung von Bildschirm, Tastatur, Stuhl und Tisch kann die Haltung beeinflussen. Wer sich über die richtigen Abstände informiert, kann so eine Fehlhaltung vermeiden und ebenfalls den Rücken entlasten.

  • Bewegung

    Die beste Medizin für eine gesunde Wirbelsäule ist und bleibt Bewegung. Egal wofür man sich entscheidet, der meiste Sport ist gut für den Rücken. Natürlich gibt es aber besondere Rückentrainings, auf die man zurückgreifen kann. Übrigens sind Walken, Skilanglauf und Radfahren neben richtigen Rückenschulungen am besten geeignet, um den Rücken zu stärken.

Außerdem zeigen diverse Untersuchungen: Je mehr Gesundheitsangebote am Arbeitsplatz, desto zufriedener sind die Mitarbeiter. Denn viele sind von sich aus schon gesundheitsbewusst, wie die Studie zeigt. Wenn der Arbeitgeber das Verhalten dann auch noch unterstützt, wird das als sehr positiv wahrgenommen. Ganz davon abgesehen, spielt auch der Faktor Bequemlichkeit eine Rolle: Wer in seiner Mittagspause im Unternehmen Sport machen kann, muss nicht nach Feierabend noch ins Fitnessstudio am anderen Ende der Stadt und hat Zeit für Freunde und Familien. Hinzu komme, dass sich so auch Sportmuffel für körperliche Aktivitäten begeistern ließen, wie Herold sagt.

Und zuletzt ist ein attraktives Gesundheitsangebot nicht nur etwas, was die Belegschaft fit hält, sondern auch ein Pfund, mit dem sich bei Bewerbern wuchern lässt. Natürlich ist nicht jeder Betrieb groß - oder umsatzstark - genug, um allein ein geeignetes Betriebssportangebot zu initiieren. Hier gibt es die Möglichkeit, sich mit anderen kleinen Betrieben in der Umgebung zusammen zu tun. Tipps dazu bietet die Initiative Gesundheit & Arbeit in ihrer Broschüre "Betriebssport in kleinen und mittleren Unternehmen" - Checklisten für Betriebe inklusive.

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