Büro-Tyrannen: Bösartiger Chef? Rache ist süß!

Büro-Tyrannen: Bösartiger Chef? Rache ist süß!

von Jana Reiblein

Miese Chefs brüllen ihre Mitarbeiter an, schüchtern sie ein oder machen sie lächerlich. Was tun? Forscher haben herausgefunden, dass es Mitarbeitern besser geht, wenn sie die Feindseligkeit gleich zurückgeben.

Was tun, wenn der Chef mal wieder ausrastet? Unter der Schimpftirade einfach wegducken? Sich entschuldigen, obwohl man nichts falsch gemacht hat? Besser - zumindest für das eigene Wohlbefinden - ist es, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, haben US-Forscher nun herausgefunden.

Von den Ergebnissen ihrer Studie waren die Wissenschaftler selbst überrascht: "Bevor wir diese Untersuchung durchführten, dachte ich, es würde keine positive Seite geben, wenn Angestellte sich an ihren Bossen rächen", erzählt Bennett Tepper, Hauptautor der Studie, die an der Ohio State University durchgeführt und im Journal "Personnel Psychology" veröffentlicht wurde. Doch die Untersuchungen zeigten etwas anderes: Die Angestellten fühlten sich weniger als Opfer, wenn sie ihren Chefs ihr feindseliges Verhalten heimzahlten. Dadurch fühlten sie auch einen geringeren psychischen Druck, waren zufriedener mit ihrem Job - und fühlten sich sogar ihrem Arbeitgeber verbundener.

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So fällt das Nein sagen leichter

  • Hinterfragen Sie sich

    Machen Sie sich klar, warum Ihnen das Nein sagen schwer fällt. Haben Sie Angst vor Ablehnung, vor Konsequenzen, vor Diskussionen? Malen Sie sich doch einmal die Konsequenzen Ihrer Ablehnung aus: Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn Sie Nein sagen?

  • Antworten Sie nicht sofort

    Bevor sie zu etwas "Ja" oder "Nein" sagen, denken Sie in Ruhe darüber nach: Haben Sie Zeit, sich um den Hund der Nachbarn zu kümmern? Wen oder was müssen Sie dafür vernachlässigen? Können Sie nicht mehr zum Tennis gehen, weil Sie die Abendrunde mit Bello drehen müssen? Wie groß ist der Druck, der Ihnen durch diese zusätzliche Aufgabe entsteht?

  • Setzen Sie Prioritäten

    Machen Sie sich klar, wem und was Sie Ihre Zeit opfern wollen. Machen Sie nichts, was Ihnen unwichtig erscheint, wenn Sie dafür (Ihrer Meinung nach) Wichtiges vernachlässigen müssen.

  • Setzen Sie Grenzen

    Wenn Sie prinzipiell schon bereit sind, beispielsweise dem Kollegen beim Umzug zu helfen, nur nicht den ganzen Tag dafür Zeit haben, sagen Sie das. Setzen Sie zeitliche Grenzen. Auch in anderen Bereichen gilt: Kommunizieren Sie, was Sie bereit zu tun sind und was nicht.

  • Drücken Sie sich klar aus

    Sagen Sie nicht: "Ich würde ja sehr gerne, aber mein Partner wird sonst wieder sauer..." oder ähnliches. Sondern sagen Sie klar, dass Sie etwas nicht wollen oder keine Zeit dafür haben.

Zwar sei die beste Arbeitsatmosphäre noch immer die, in der es keine Feindseligkeiten gebe. "Doch wenn der Vorgesetzte sich mies verhält, scheint es Vorteile zu haben, es ihm zu vergelten", so Tepper. "Die Angestellten fühlten sich besser, weil sie sich nicht einfach zurücklehnten und die Beschimpfungen über sich ergehen ließen."

Für die Studie wurden zwei Untersuchungen durchgeführt: In der ersten wurden 169 Menschen mit einem Abstand von sieben Monaten per E-Mail zwei Fragebögen zugesandt. In der ersten Erhebung sollten sie Auskunft darüber geben, wie unfreundlich ihr Chef sich verhält. Dazu sollten sie etwa angeben, wie oft ihre Vorgesetzten sich über sie lustig machten oder ihnen das Gefühl gaben, dass ihre "Gedanken und Gefühle dämlich" seien.

Die Teilnehmer sollten auch nachhalten, wie häufig sie sich gegen solches Verhalten zur Wehr setzten. Etwa, indem sie ihren Vorgesetzten wie Luft behandelten, nur noch halbherzig ihre Arbeit verrichteten oder so taten, als wüssten sie nicht, wovon der Chef redet. "Diese Dinge mögen Vorgesetzte gar nicht, sie sind eine Form passiv-aggressiver Feindseligkeit", erläutert Tepper.

Sieben Monate später füllten die Teilnehmer einen weiteren Fragebogen aus, in dem sie Angaben über ihre Jobzufriedenheit, ihre Verbundenheit mit dem Arbeitgeber, psychischen Druck und negative Gefühle machten.

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Die Auswertung der Befragungen zeigte, dass Angestellte, die sich nicht gegen bösartige Chefs wehrten, unzufriedener und gestresster waren. Diese negativen Folgen blieben hingegen bei denjenigen aus, die die Feindseligkeit ihres Vorgesetzten zurückgaben.

Da diese erste Studie aber noch viele Fragen unbeantwortet ließ - etwa, inwiefern feindseliges Verhalten der Karriere schadet - führten die Forscher eine zweite Erhebung durch. 371 Menschen füllten dazu drei Mal je im Abstand von drei Wochen Online-Fragebögen aus. Die erste Fragerunde war dabei nahezu identisch zu der in der ersten Studie. In der zweiten Runde wurde erhoben, wie sehr sich die Angestellten in der Beziehung zu ihrem Vorgesetzten als Opfer fühlten. Der dritte Fragebogen klopfte ab, wie die Karriere der Teilnehmer läuft, etwa, ob sie befördert wurden und ob sie ihre Einkommensziele erreichten.

Die Auswertung zeigte, dass die Menschen, die Feindseligkeit zurückgaben, sich weniger als Opfer fühlten. Sie waren außerdem zufriedener und engagierter in ihrem Job. Zusätzlich gab es laut den Forschern keinen Anlasspunkt dafür, dass ihre Karriere unter ihrem Verhalten litt.

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Tepper erklärt sich die Studienergebnisse so, dass diejenigen, die zurückschlugen, ein höheres Ansehen und mehr Respekt erfuhren. Das ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, denn einerseits war der beobachtete Zeitraum mit nur wenigen Wochen sehr kurz. Zum anderen gaben die Befragten in dem Online-Survey nur ihre eigene Einschätzung ihrer Karriere wider.

Auch Tepper schränkt ein, seine Ergebnisse seien kein Anlass für eine allgemeine Empfehlung, sich unbedingt an seinem Horror-Chef zu rächen. Andere Strategien der Stressbewältigung müssten noch getestet werden. "Die wahre Antwort muss sein, feindselige Vorgesetzte zu beseitigen", schließt Tepper.

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