Andreas Wellbrock, Geschäftsführer von BLG WindEnergy Logistics
Der Chefsessel im Büro fehlt. Andreas Wellbrock, 49, sitzt lieber auf einem blauen Gymnastikball. "Ich trainiere so meinen Rücken", sagt der Geschäftsführer des Bremer Logistikdienstleisters BLG WindEnergy Logistics, als er am Stehpult in den neuen Auftragseingängen blättert. "Spottbillig" war die Kugel auch. Nur 9,90 Euro hat er für den Ball in einem Supermarkt bezahlt. Eine zweite, rote Kugel ist für Gäste reserviert. "Doch nur wenige wählen diese instabile Sitzgelegenheit", gesteht Wellbrock, "man muss ja stets im Gleichgewicht bleiben." Geschäftlich ist ihm das gelungen. Die Tochter der BLG Logistik Group "ist im Lot", wie er sagt, sie setzte im vergangenen Jahr mit 70 Mitarbeitern rund 30 Millionen Euro um. Organisiert wird alles, was zum Transport und Aufbau von Offshore-Windparks benötigt wird: vom Landtransport der 65 Meter hohen Tripoden bis hin zur Verschiffung der dreibeinigen, 900 Tonnen schweren Stahlfundamente. Der Speditionskaufmann kennt sich aus mit Wind und Wellen, kletterte bei einem Turn mit der "Alexander von Humboldt" bis in die Mastspitzen des Großseglers. Sein Büro sei aber "typisch Landratte", betont Wellbrock. Das stimmt. Maritimes ist nicht zu entdecken, dafür hängen Bilder des Fußballbundesligisten Werder Bremen an den Bürowänden. "Seit 30 Jahren bin ich Fan, seit 10 Jahren Mitglied", begründet Wellbrock seinen Werder-Fimmel. Für seinen Verein läuft er auch. Beim Marathon wurde der Logistikmanager dreimaliger norddeutscher Mannschaftsmeister. Neben einer Europakarte, auf der die Hauptstandorte der Windkraftanlagen markiert sind, zeigt eine Pinnwand Fotos, auf denen seine Frau Britta zusammen mit ihren Kindern Michel und Lena zu sehen ist. "Sie kennen mein Büro und lieben es", sagt Wellbrock, "besonders den Chefsessel."
(Text: Ulrich Groothuis)