Gerhard Schindler: "Jeder ist für irgendwen ein lohnendes Ziel"

Gerhard Schindler: Vom BND-Chef zum Unternehmensberater

"Jeder ist für irgendwen ein lohnendes Ziel"

Kriminelle, die Satelliten ins All schießen, um deutsche Mittelständler zu sabotieren. Das klingt sehr nach Science-Fiction.

Wir befinden uns, was die Sabotage aus dem Weltraum anbelangt, sicher noch im Versuchsstadium, aber es ist kein rein theoretisches Problem. Auch hier müssen sich Unternehmen fragen, wie abhängig sie von Kommunikations- oder sonstigen Daten aus dem Weltraum sind. Den einen betrifft es nicht, den anderen hingegen sehr stark.

Infrastruktur betrifft dagegen alle. Aber was heißt das denn genau, Abhängigkeit von der Infrastruktur? Stellen Kriminelle Unternehmen den Strom ab?

Am Strom hängt eigentlich alles. Wenn Sie da nicht vorsorgen, ist Ende Gelände. Auch ohne Terroristen. Deshalb haben Behörden und Krankenhäuser Notstromaggregate. Auch hier gilt: Diese versorgen nur die notwendigsten Geräte und Abteilungen, nicht das komplette Gebäude oder die ganze Organisation.

Die größten Stromausfälle in Deutschland

  • Juli 2011

    Ganz Hannover und mehrere Gemeinden im Umland liegen nach Ausfällen in einem Kohlekraftwerk und in einem Umspannwerk komplett im Dunkeln. Fast 600.000 Menschen und etliche Industriebetriebe sind von dem Stromausfall betroffen. Nach rund zwei Stunden ist die Versorgung wieder hergestellt.

  • Januar 2007

    Der Orkan „Kyrill“ reißt zahllose Stromleitungen ab und verursacht dadurch auch in einigen Regionen Deutschlands tagelange Stromausfälle.

  • November 2006

    Mehrere Pannen im deutschen Stromnetz sorgen dafür, dass in Millionen Haushalten in Westeuropa die Lichter ausgehen. In Deutschland sitzen weit über eine Million Menschen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen im Dunkeln.

  • November 2005

    Nach einem heftigen Wintereinbruch knicken mehr als 80 Strommasten im Münsterland um. Zeitweise sind mehr als 250.000 Menschen von der Versorgung abgeschnitten, Tausende sitzen tagelang im Dunkeln.

  • November 2004

    Nach einer Explosion in einem Frankfurter Umspannwerk sind rund 45.000 Menschen bis zu zehn Stunden lang ohne Strom, auch der Frankfurter Flughafen ist betroffen.

  • September 2004

    In Rheinland-Pfalz sind rund 540.000 Menschen betroffen. Die Stromversorgung fällt in manchen Gebieten mehr als drei Stunden aus. Der „Blackout“ wirkt sich auch in Luxemburg aus.

  • Dezember 2003

    In Gütersloh verursacht ein Sabotageakt einen Stromausfall, der sich auf rund 300.000 Menschen auswirkt.

Der große Blackout ist in Deutschland aber doch eher unwahrscheinlich.

Wenn Sie Niederlassungen im Ausland haben, vielleicht in Afrika, ist das kein abwegiger Gedanke mehr. Allerdings ist die Ausfallkommunikation häufig zunächst einmal noch entscheidender als ein Notstromaggregat. Wenn der Strom ausfällt, stellt sich die Frage: Wen rufe ich an, wen muss ich erreichen können, wie bleibt das Unternehmen mit all seinen Lieferanten und Kunden handlungsfähig? Hier empfiehlt sich eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens und seiner Lieferketten: Welche Risiken drohen den verschiedenen Niederlassungen im jeweiligen Land, welche Probleme können Lieferanten oder Banken im Ausland bekommen?

Supply-Chain-Management So bringen Sie Ihre Zulieferer auf Zack

Jedes zehnte Unternehmen hat schon einen Digital-Chef. Doch was nützt die schönste Digitalisierung, wenn analoge Zulieferer die Prozesse bremsen? Hier ist digitale Modernisierung der Lieferketten gefordert.

Die Digitalisierung nutzt nix, wenn die Zulieferer analoge Schnecken sind. Quelle: Fotolia

Ist das den Unternehmen denn nicht bewusst, dass Veränderungen in anderen Ländern große Auswirkungen auf die eigene Existenz haben können?

Diese Risikoanalyse muss regelmäßig durchgeführt werden. Denken Sie an den arabischen Frühling. Die gesamte südliche Nachbarschaft Europas hat sich in wenigen Jahren vollständig gewandelt und verändert sich immer noch. Mit großen Folgen, auf die wir uns kontinuierlich einstellen müssen.

Muss denn der 20-Mann-Betrieb aus Niedersachsen wirklich Angst davor haben, von den Chinesen ausspioniert oder den Russen sabotiert zu werden? Ist das nicht viel mehr eine Sorge der Global Player?

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Der Mittelstand hat das vielleicht etwas weniger auf der Agenda, als die großen Konzerne, die global denken. Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt häufig auch einfach die Manpower. Die konzentrieren all ihre Ressourcen auf die Herstellung ihres Produktes, für Risikoanalyse und -abwägung sind dann keine Kapazitäten mehr übrig. Es gibt rund 1500 kleine und mittelständische Unternehmen, die in ihrer Nische Weltmarktführer sind. Natürlich ist deren Know-how begehrt. Das Bewusstsein dafür ist nur nicht überall vorhanden. Aber es gibt in unserer digitalisierten Welt niemanden mehr, der nicht für irgendwen ein Ziel ist.

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