Management: Deutsche Führungskräfte schneiden schlecht ab

Management: Deutsche Führungskräfte schneiden schlecht ab

von Claudia Tödtmann

Kostenkontrolle - das können deutsche Manager. Ihre Mitarbeiterführung ist aber mangelhaft – sie führen deutlich schlechter als Vorgesetzte anderer Länder, zeigt eine internationale Untersuchung.

Mangelhaft ist die Note, die deutsche Führungskräfte ihren Chefs geben. Das zeigen zwei weltweit angelegte Umfragen unter 31.000 Mitarbeitern von der Beratung Willis Towers Watson.

Die Note liegt zusätzlich deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt: International genießen Chefs immerhin bei 45 Prozent ihrer Mitarbeiter hohes Ansehen, in Deutschland dagegen nur bei 32 Prozent. Das weltweit tätige Beratungsunternehmen aus den USA hat die Arbeitgeber- sowie die Arbeitnehmersicht untersucht. Diese Führungsschwäche kostet die Unternehmen Geld: Bis zu 13 Prozent vom Bruttogewinn hat die Beratung durch Branchenvergleich errechnet.

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Kein Stolz aufs Unternehmen

Den Mitarbeitern fehlt schlicht der Sinn für Engagement. Nicht mal die Hälfte ist stolz auf ihre Firma, sie stehen nicht hinter ihr und verstehen auch die Ziele der Unternehmenslenker nicht. „Das ist eher ein Kommunikationsproblem als eine Verweigerungshaltung der Belegschaft“, sagt Helmuth Uder, Personalexperte von Willis Towers Watson Deutschland. Deutsche Manager sind nicht mitreißend, nicht motivierend - dafür punkten sie mit Fachwissen.

Die Chef-Checkliste zur sozialen Kompetenz

  • Präsenz

    Können Sie sich im "Hier und Jetzt" spürbar auf Ihre Führungsaufgabe einlassen? Sind Sie offen und ansprechbar? Hören Sie aktiv dazu?

  • Offenheit

    Hören Sie sich alle Meinungen an und würdigen Sie die verschiedenen Sichtweisen, bevor Sie sich (vorschnell) ein Urteil bilden?

  • Integrität

    Stehen Sie hinter dem, was Sie sagen? Können Sie diese Haltung gegenüber dem Team ebenso wie nach außen vertreten?

  • Konfliktbereitschaft

    Bleiben Sie auch in schwierigen Situationen standfest, um Ihr Gegenüber von Ihrem Standpunkt zu überzeugen?

  • Konfliktfähigkeit

    Unterschiedliche Ziel- und Wertvorstellungen führen zwangsläufig zu Konflikten. Erkennen und bewältigen Sie diese Konflikte? Erreichen Sie in Mitarbeitergesprächen konstruktive Lösungen?

  • Menschenkenntnis

    Sind Sie in der Lage, Mitarbeiter und Kollegen schnell einzuschätzen und ihre jeweiligen Stärken und Schwächen zu erkennen?

  • Einfühlungsvermögen

    Besitzen Sie das notwendige Einfühlungsvermögen, um Ihre Mitarbeiter zu verstehen und in der Folge leichter von einer Sache zu überzeugen?

  • Fehlertoleranz

    Wenn es nicht "rund" läuft: Sprechen Sie das Problem offen an? Stehen Sie hinter ihren Leuten, auch wenn sie Fehler machen?

  • Loyalität

    Verhalten Sie sich integer und folgen Sie im Umgang mit Mitarbeitern und Kollegen den Regeln des Fair Play?

  • Teamkompetenz

    Sind Sie in der Lage, Interaktionen und gruppendynamische Prozesse in Teams aktiv zu gestalten und effizient in und mit Teams zu kooperieren?

  • Quelle

Mitarbeiter-Inspiration ist eine Schlüsselqualifikation

„Deutschen Managern fällt es schwer, ihre Mitarbeiter zu inspirieren“, sagt Personalexpertin Heike Ballhausen, ebenfalls von Willis Towers Watson. Visionen vermitteln? Fehlanzeige.

Die Mitarbeiter fühlen sich auch unangemessen behandelt. Wenn sich weltweit sechs von zehn Mitarbeitern von ihren Chefs gefördert fühlen, so tun das in Deutschland nur vier. Unterm Strich werden die deutschen Führungskräfte in allen Schlüsselkompetenzen schlechter bewertet als alle anderen weltweit.

Falsche Beförderungspraxis zementiert das Führungsmanko

Dieses katastrophale Ergebnis haben sich die Unternehmen in Deutschland selbst zuzuschreiben. Der Grund liegt in ihrem Beförderungsverhalten: „In Deutschland spielt beim Besetzen von Führungspositionen, anders als in anderen Ländern, hauptsächlich die Fachexpertise und weniger die Führungskompetenz eine Rolle“, sagt Uder. Sie befördern stets den besten Fachmann und nicht den, der am besten mit Menschen umgehen kann.

Deutsche Mitarbeiter wollen mehr Eigenverantwortung als andere

Was die Studie noch herausfand: Gerade die deutschen Mitarbeiter wollen ein höheres Maß an Eigenständigkeit und Eigenverantwortung als andere Nationen. „Die Unternehmen unterschätzen aber diesen Wunsch“, sagt Ballhausen. Die Personaler glauben irrigerweise, dass sie die Mitarbeiter mit guten Karriereaussichten und einem guten Arbeitsverhältnis zu ihren Vorgesetzten binden können.

Ein – wenn auch schwacher – Trost für die Unternehmen: Deutschlands Manager bekommen von ihren Mitarbeitern gute Noten für die Steigerung des Unternehmenserfolgs. Da liegen sie 14 Prozentpunkte über dem Durchschnitt für Europa, den Nahen Osten und Afrika und neun Prozentpunkte über dem weltweiten Durchschnitt.

Überdurchschnittlich schneiden die deutschen Führungskräfte auch bei ihrer Fähigkeit zur Kostenkontrolle ab: Dort liegen sie 14 Prozentpunkte über den Managern in Europa, dem Nahen Osten und Afrika und zehn Prozentpunkte über den Führungskräften im weltweiten Durchschnitt.

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