Aus Liebe zum Geld: Eine Typologie der Reichen

Aus Liebe zum Geld: Eine Typologie der Reichen

Mehr als 100 Milliardäre und 950.000 Millionäre gibt es in Deutschland. Einige Reiche sitzen auf ihrem Vermögen wie Dagobert Duck, andere geben es mit vollen Händen aus, viele haben geerbt, andere sich ihr Geld hart erarbeitet und mit ihren Unternehmen Arbeitsplätze geschaffen. Die WirtschaftsWoche stellt acht Kategorien von Reichen vor.

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Quandt-Erbin Susanne Klatten investiert unter anderem in Karbon und Altöl-Recycling

Ihre Heimat ist das Mehr. Sie wissen, dass ein Vermögen endlich ist, wenn es nicht ständig zu neuen Ufern aufbricht. Megareiche wie Günter Herz oder Ferdinand Piëch haben ihr großes Erbe nicht als Masse von ihren Vätern empfangen, mit der es sich nur leben und prassen lässt, sondern als Grundstock für Neues, Größeres. Aus VW formte Piëch ein Automobilreich mit einem Dutzend Marken wie Audi und Porsche. Herz machte Tchibo groß, verkaufte 2003 seinen Anteil und investiert heute zum Beispiel in die Restaurantkette Vapiano. Karl-Erivan Haub brachte den Handelskonzern Tengelmann wieder auf Kurs, nachdem sich der Senior mit 24 Geschäftsfeldern verzettelt hatte. Und Quandt-Erbin Susanne Klatten betrachtet ihren milliardenschweren Anteil an BMW als Sprungbrett für mutige Investitionen in neue Technologien.

Die aktiven Erben

  • Ferdinand Piech

    (und Familie und Porsche-Familien)

    geschätztes Vermögen: 35,5 Mrd. Euro

    Unternehmen: Porsche

    Quelle: Manager Magazin, trend Magazin, Forbes

  • Susanne Klatten

    geschätztes Vermögen: 11,1 Mrd. Euro

    Unternehmen: BMW, SGL Carbon

  • Klaus-Michael Kühne

    geschätztes Vermögen: 7,0 Mrd. Euro

    Unternehmen: Kühne+Nagel, Hapag-Lloyd

  • Günter Herz

    (& Familie)

    geschätztes Vermögen: 7,0 Mrd. Euro

    Unternehmen: Mayfair

  • Karl-Erivan Haub

    (& Familie)

    geschätztes Vermögen: 3,5 Mrd. Euro

    Unternehmen: Tengelmann

Sie ist die reichste Frau Deutschlands, gehört aber nicht zu denen, die sich auf ihrem Milliardenerbe ausruhen: Susanne Klatten, geborene Quandt. Selten zeigt sich die 50-Jährige in der Öffentlichkeit, außer vielleicht mal beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel, wo sich alljährlich die besten Skifahrer der Welt messen. Die Zurückhaltung hat die gelernte Werbekauffrau und studierte Betriebswirtin von ihrem Vater geerbt, dem verschwiegenen Multimilliardär Herbert Quandt, der 1982 starb.

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Gemeinsam mit ihrer Mutter Johanna und Bruder Stefan erbte Klatten von ihm 46 Prozent der Aktien am Münchner Autobauer BMW. Die Familie durfte sich kürzlich über einen Dividendensegen von 700 Millionen Euro freuen. Von vielen unbemerkt, kontrolliert die aktive Erbin aber zahlreiche weitere Unternehmen: So hält sie Anteile am Karbonhersteller SGL aus Wiesbaden, dem norddeutschen Windanlagenbauer Nordex, dem Chemieunternehmen Altana aus Wesel und der Avista Oil aus Uetze bei Hannover, einem Spezialisten für die Aufarbeitung von Altöl. Klatten setzt auf Zukunftstechnologien: Leichtbau, Energie, Recycling. Die Eigentümerin, die so gern im Hintergrund bleibt, studiert Bilanzen, stellt kluge Fragen im Aufsichtsrat, diskutiert mit den Vorständen.

Nur eines ihrer Engagements ging bislang schief. 2006 verkaufte die Mehrheitsaktionärin das lahmende Pharmageschäft des einstigen Dax-Konzerns Altana für mehr als vier Milliarden Euro. Jahrelang hatte Altana mit dem Magenmittel Pantoprazol gut verdient, konnte dann aber kein erfolgreiches Nachfolgepräparat entwickeln. Die neuen Eigentümer strichen dann Tausende von Arbeitsplätzen.

Bei BMW, wo Klatten als Praktikantin ihren Mann Jan kennenlernte – sie arbeitete unter dem Pseudonym „Susanne Kant“ –, hat sie die Entwicklung der Karbonkarosserie vorangetrieben. Der Werkstoff, nur halb so schwer wie Stahl, aber um ein Vielfaches belastbarer, soll den Spritverbrauch senken und von Herbst an im neuen BMW-Elektroauto i3 zum Einsatz kommen.

Am Karbonhersteller SGL ist die Technologieunternehmerin mit rund 27 Prozent beteiligt, weitere knapp 16 Prozent hält BMW. Im April soll Klatten bei SGL den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Dann muss sich die Mutter dreier Kinder allerdings etwas öfter in der Öffentlichkeit bewegen.

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