Best Brands Awards: Warum sich das Bild der Marken radikal ändert

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Best Brands Awards: Warum sich das Bild der Marken radikal ändert

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Peter Wippermann, 63, ist einer der führenden Trendforscher in Deutschland und arbeitet unter anderem als Experte für das "Happiness Institut" des Getränkeriesen Coca-Cola. Wippermann ist Professor für Kommunikationsdesign an der Essener Folkwang-Universität. 1992 gründete er das Beratungsunternehmen Trendbüro.

von Peter Steinkirchner

Peter Wippermann, der Markenexperte und Trendbüro-Gründer, über zehn Jahre Best Brands und das radikal veränderte Verhältnis zwischen Konsumenten und Marken.

Herr Wippermann, wie sah Ihre erste Markenerfahrung aus?

Wippermann: Ich vermute, dass es die Eisenbahn von Märklin war. Da muss ich zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, also in einem Alter, in dem es üblich war, einen wesentlichen Teil des Kinderzimmers durch große Platten zu verkleinern, damit die Eisenbahn immer aufgebaut bleiben durfte. Bewusst geprägt hat mich diese Erfahrung sicher insofern, als für mich Märklin für eine gewisse Qualität stand, für einen Wert.

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Gilt dieses Wertversprechen von Marken heute noch?

In der Theorie ist das so. Marken bieten Orientierungssicherheit, und das auf mehreren Ebenen. Zum einen versprechen sie eine bestimmte Qualität, die vom Produkt her definiert wird. Zum anderen ist es auch wichtig, dass die Themenwelten, die um eine Marke herum inszeniert werden, uns als Verbraucher kulturell nahestehen. Hinzu kommt aber in der Praxis eine ganz neue Qualität: Verbraucher können heute den Wertschöpfungsprozess zurückverfolgen. Hier sind uns Marken angenehm, denen wir vertrauen können, dass in der Produktionskette nicht Dinge passieren, die entweder die Produktqualität schmälern oder das soziale Bild einer Marke unakzeptabel machen.

Das Verhältnis von Konsument und Marke hat sich stark verändert. Vor gut zehn Jahren beschrieb eine Kritikerin wie Naomi Klein Marken noch als Feinde, die versuchten, den öffentlichen Raum zu okkupieren. Heute scheinen die Verbraucher Marken bewusst zu benutzen und sie auch in die Pflicht zu nehmen?

Ja, Marken werden viel funktionaler gesehen – und auch geführt. In dem Moment, wo Markenverantwortliche ihre Brand als Serviceangebot verstehen, das ihren Kunden Zeit spart, Orientierung und vielleicht sogar Status bietet und zugleich eine bestimmte Qualität organisiert, ist das für den Kunden unglaublich hilfreich. Marken geben dadurch heute ein ganz anderes Bild ab als vor 10, 15 oder 20 Jahren, wo es vor allem um Glamour und Hype und Begehren ging. Natürlich gibt es nach wie vor Luxusmarken wie Vuitton oder Gucci. Auf der anderen Seite ist mit Google, Amazon, Ebay, PayPal eine neue Kategorie von Marken entstanden.

Was zeichnet diese aus?

Das sind Nutzwert- und Servicemarken, die wiederum herkömmliche Brands herausfordern und zu Reaktionen zwingen. Amazon etwa hat die Kundenbeziehung zur Kernidee entwickelt. Bei Amazon geht es darum, Services anzubieten und daraus abgeleitet Produkte. Das reicht vom Lesegerät Kindle über Cloud-Services für Musik- und Filmfreunde bis hin zu Rechenzeiten für Geschäftskunden.

Ziehen Konsummarken aus dem Erfolg von Amazon die richtigen Schlüsse?

Sie versuchen es. Das ist sicher die schwierigste Veränderung der vergangenen zehn Jahre. Aber eine lohnende, denn in dem Moment, wo ich als Markenhersteller beginne, meinen Kunden auf der Grundlage von Daten zu verstehen, seine Wünsche, Interessen und Vorbehalte zu interpretieren, von da an kann ich ihm meine Produkte und Dienstleistungen viel genauer und erfolgversprechender anbieten.

Was Amazon jedoch fehlt, ist das Versprechen auf Distinktionsgewinn, oder? Wenn ich Audi oder BMW fahre, signalisiere ich einen Status. Signalisiert es einen Status, wenn ich Amazon nutze?

Amazon steht für Konsumlust. Es steht für Lust und Vertrauen, problemlos und bequem modern einkaufen zu können. Das strahlt ab auf die Geräte, die Amazon anbietet. Der Kindle ist einer der besten E-Book-Reader zu einem guten Preis. Der Kindle Fire ist simpel in der Bedienung, löst aber keinen Hype aus wie Apples iPad. Der ist praktisch „gutbürgerlich“ – ein vernünftiges Gerät. Amazon vermittelt das Bild, mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen zu stehen, während es im Hintergrund die globale Vernetzung enorm mit vorangetrieben hat. Wer Amazon gut findet, macht also nichts falsch.

War diese Rolle in Deutschland nicht jahrelang für Ikea reserviert?

Ja, das kann man so sehen. Amazon geht da sicher in eine sehr ähnliche Richtung. Tatsächlich hat die noch immer sehr junge Marke Amazon bei Themen wie Vertrauen und Zuverlässigkeit in den Augen vieler Verbraucher heute bereits viel gemeinsam mit einer klassischen, jahrzehntelang gepflegten Traditionsmarke wie Miele. Amazon färbt längst ab, was seine Kundenzentriertheit betrifft: Nehmen Sie die Autoindustrie und das Thema Carsharing oder MiAdidas, wo der Kunde seinen individuellen Sportschuh bekommt – Unternehmen haben damit begonnen, ihr Angebot auf den einzelnen Konsumenten herunter zu brechen. Sie versuchen ihn regelrecht in ihre Welt einzubinden.

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