Die Mär um Brainfood: Was Kaffee mit unserem Gehirn macht

Die Mär um Brainfood: Was Kaffee mit unserem Gehirn macht

Schneller denken, schalten und abspeichern: Sogenanntes Brainfood soll die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns nachhaltig steigern. Doch so vielversprechend die Wirkung von Kaffee, Kakao und Co auch klingt - langfristig profitiert das Gehirn davon nicht.

Was wir nicht alles essen sollten! Avocado, Nüsse, Süßkartoffeln, Shirataki-Nudeln. Die Liste an Brainfood - also Nahrungsmittel, die unsere kognitiven Gehirnleistungen steigern sollen - ließe sich fast unbegrenzt erweitern. Eine Studie, die jetzt in dem Journal "Neurology" publiziert wurde, behauptet, dass Kakao die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigere. Die Autoren untersuchten die Wirkung von in Kakao enthaltenen Flavonoiden auf die kognitiven Fähigkeiten von Senioren. Am Ende des 30-tägigen Experiments stand für die Forscher der Harvard Medical School aus Boston eine Enttäuschung: Kakao macht das Gehirn nicht leistungsfähiger. Warum sollte ein Fachmagazin ein solches "Nicht-Ergebnis" publizieren?

Um das Ergebnis doch noch zu veröffentlichen, bedienten sich die Autoren der Studie eines Tricks. Sie legten kurzerhand Test- und Kontrollgruppe zusammen. Mit dem ursprünglichen Experiment hat das kaum noch etwas zu tun. Allerdings lässt sich aus dem neuen Studiendesign folgendes ableiten: Wer vorher eine unterdurchschnittliche Gehirnleistung hatte, konnte diese dank Kakao steigern.

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Brainfood steigert die Gehirnleistung maximal kurzfristig

Die Studie zeigt vor allem das Problem von Brainfood: Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, dass das menschliche Gehirn langfristig von Nahrungsmitteln wie Kakao profitiert. Sie können lediglich Defizite ausgleichen oder die Gehirnleistung kurzfristig steigern.

"Über den langfristigen Einfluss von Brainfood auf ein gut ausgebildetes Gehirn gibt es keine seriösen Erkenntnisse", sagt Professor Gerhard Rechkemmer, Präsident des Max Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittelforschung. Wichtig für das Gehirn ist vor allem eine ausreichende Versorgung mit Traubenzucker. Das kann der Körper aus Kohlenhydraten oder Stärke gewinnen, also auch aus einem anständigen Mittagessen. Man wisse zwar schon länger, dass Brainfood Defizite im Gehirn ausgleichen könne, sagt Rechkemmer. Umgekehrt gebe es allerdings keine Beweise dafür, dass mehr Brainfood auch zu nachhaltig mehr Leistung führe. Doch wie entstehen solche vermeintlichen Erkenntnisse?

Kennen Sie noch Omega-3-Fettsäuren?

Der Hype um die unter anderem in Kakao, Kaffee und Obst enthaltenen Flavonoide erinnert an die Omega-3-Fettsäuren, die einige Nahrungsmittelhersteller und Ratgeber zum Gehirn-Beschleuniger erklärten. Auch hier sei nur der Nachweis erbracht worden, dass es Defizite ausgleichen könne, sagt Rechkemmer. Den Umkehrschluss, dass sie ein gesundes Gehirn fördern, könne man nicht ziehen.

Rechkemmer ist selbst Herausgeber des "European Journal of Nutrition". "Die meisten Studien sind seriös", sagt er. Das Problem liege im "Übersetzungsprozess zwischen Wissenschaft und Alltag". Um Aufmerksamkeit zu gewinnen, seien einige Autoren geneigt, ihre Ergebnisse in alltagstaugliche Tipps zu verpacken. Dabei schießen sie manchmal über das Ziel hinaus. Auf der anderen Seite sieht Rechkemmer das Problem bei den Medien. "Nicht jeder der über Ernährung schreibt, versteht auch etwas davon", sagt der Forscher.

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Brainfood-Bremse in der Werbung

Damit Nahrungsmittelhersteller nicht mit halbgaren oder gar ganz ohne wissenschaftliche Beweise für die vermeintlich gesundheitsfördernde Wirkung ihrer Produkte werben, hat die EU-Kommission im Mai 2012 die Health Claims-Verordnung erlassen. Auf Verpackungen und in der Werbung darf demnach nur mit solchen gesundheitsrelevanten Werbesprüchen geworben werden, die die EU zugelassen hat. Mit der Steigerung der Gehirnleistung darf demnach zumindest auf Kirschen schon mal nicht geworben werden.

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