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Falscher-Konsensus-Effekt: Warum wir uns so oft in anderen täuschen

Durch den Wunsch nach Harmonie fällt es uns schwer die Meinung anderer zu akzeptieren. Doch im Alltag sollten wir mit viel Widerspruch rechnen.

Fäuste
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Das Leben ist kein Ponyhof – besonders im Job geht es heftig zur Sache, wenn zwei verschiedene Sichtweisen aufeinanderprallen. Das ist durchaus sinnvoll. Wenn überall nur noch Harmonie herrscht, gibt es keine Kreativität mehr. Einerseits.

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Andererseits fällt es keinem leicht, gegenläufige Meinungen auszuhalten. Das erfordert erstens ein gesundes Ego und zweitens Übung. Keiner hört es gerne, wenn seine Sichtweise als falsch deklariert wird – eher rechnen wir damit, dass andere umgehend zustimmend nicken. Der Name dieser Selbsttäuschung: Falscher-Konsensus-Effekt.

Seinen Namen verdankt das Phänomen Sozialpsychologen um Lee Ross von der Stanford-Universität, die es bereits 1977 in mehreren Experimenten beobachten konnten. Im ersten Versuch bekamen die Teilnehmer einen Text zu lesen, in dem ein Konflikt zwischen zwei Personen geschildert wurde. In dem Manuskript konnten sich die Streithähne zwischen zwei Optionen entscheiden.

Große Illusion

Die Probanden sollten nun einschätzen, welche der beiden Möglichkeiten die Akteure wohl wählen würden und welche sie selbst genommen hätten. Ross und seine Kollegen fanden heraus: Die überwiegende Mehrheit erwartete, dass die Protagonisten im Text genau dieselbe Option wählen würden wie sie selbst.

Im zweiten Experiment gingen Ross und Co. auf den Hochschulcampus. Zuvor hatten sie ein Schild gebastelt, auf dem der Werbeslogan für ein Restaurant prangte: „Eat at Joe’s“. Nun baten sie zufällig ausgewählte Studenten darum, die Werbung für das Restaurant 30 Minuten lang spazieren zu tragen.

Es kam, wie die Forscher erwartet hatten: Wer sich dazu bereit erklärte, mit dem Schild über den Campus zu schlendern, ging davon aus, dass 62 Prozent der Kommilitonen dies ebenfalls tun würden. Wer ablehnte, glaubte, dass 67 Prozent der Studenten sich ebenso verhalten würden.

Harmonie ist eine Illusion. Und wir sollten uns nicht dahingehend täuschen, dass unsere Überzeugung jedes Mal auf Gegenliebe stößt. Das ist sogar die Ausnahme. Lassen Sie den anderen lieber ihre Meinung, und rechnen Sie vielmehr mit Widerspruch.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.07.2011, 15:46 UhrAnonymer Benutzer: Alexander Fürstenberg

    Und wie ist es nun tatsächlich? -- Es gibt Menschen, die haben oft recht und andere, die regelmäßig irren. Es sollte besser untersucht werden, welche Faktoren dazu beitragen, dass manche Menschen öfters recht haben als andere. Mit der information, dass bei beiden Arten von Menschen (unabhängig von der Kompetenz) die Disposition dazu besteht, kann man da nur als Warnung und Mahnung zur besseren Unterscheidung interpretieren. ++ Und dass Selbstsicherheit nicht immer Ausdruck objektiver Eigenschaften, sondern auch der von (der sogenannten) "ignoranz zweiten Grades" sein kann. Man muss sich erst einmal bewusst machen, dass so etwas möglich ist, um es glauben zu können.

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