Studie: Macht fördert die Lernfähigkeit

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Studie: Macht fördert die Lernfähigkeit

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Tests mit Führungskräften und Angestellten zeigten: das Gefühl Macht inne zu haben, fördert die Bereitschaft über eigene Fehler nachzudenken

von Daniel Rettig

Wer Macht empfindet, lernt eher aus eigenen Fehlern. Zu diesem Ergebnis kommen jetzt zwei deutsche Psychologen.

 

„Gib einem Menschen Macht“, sagte der frühere US-Präsident Abraham Lincoln, „und du erkennst seinen wahren Charakter.“ Manch einer hätte auf diese Erkenntnis gerne verzichtet.

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Zu jeder Zeit gibt es Menschen, die ihrer Machtfülle zum Opfer fallen. Politiker, die Beruf und Privatleben miteinander verstricken. Manager, die zulasten der Angestellten in die eigene Tasche wirtschaften. Nicht trotz ihrer einflussreichen Position – sondern genau deswegen.

Das Image von Macht könnte besser sein. Da kommt eine neue Studie gerade recht. Denn darin haben die Psychologen Annika Scholl und Kai Sassenberg vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen eine angenehme Nebenwirkung von Macht entdeckt: Offenbar trägt sie dazu bei, die Lernfähigkeit zu steigern.

Zu dieser Erkenntnis gelangten Scholl und Sassenberg in vier verschiedenen Experimenten. Für einen Versuch gewannen sie insgesamt 110 Angestellte, darunter Führungskräfte mit Personalverantwortung und einfache Mitarbeiter.

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Quelle: dpa/Montage

Die Chefs sollten sich nun an ein Erlebnis erinnern, in der sie mit der Arbeit eines Angestellten unzufrieden gewesen waren. Die einfachen Mitarbeiter sollten daran denken, wie ihr Chef mal mit ihrer Arbeit unglücklich gewesen war.

Im Anschluss sollten alle ihre Gedanken an die Situation notieren. Und dabei bemerkten die Wissenschaftler einen interessanten Unterschied. Die Führungskräfte richteten sich in ihren Notizen wesentlich stärker an ihr eigenes Verhalten. Kurzum: Sie suchten die Fehler für die Situation bei sich selbst.

Ganz anders war es bei den Angestellten: Sie klammerten sich in der Fehleranalyse weitgehend aus und suchten die Verantwortung bei anderen.

Ähnlich verhielten sich die Teilnehmer weiterer Experimente. Hier teilten die Forscher Probanden via Zufallsprinzip in Führungskräfte und Mitarbeiter. Dann sollten sie in Zweierteams Aufgaben lösen. Und siehe da: Wieder führten die Chefs Misserfolge meist auf sich zurück. Die Mitarbeiter schoben Fehler auf äußere Umstände.

Aber warum sollte die hierarchische Position die Lernfähigkeit beeinflussen?

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Nach Angaben der Wissenschaftler hat die Antwort damit zu tun, was Macht mit Menschen macht. Sie führt zum Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Natürlich kann dieses Gefühl trügerisch sein und auf den moralischen Holzweg führen. Doch im Angesicht von Fehlern und Misserfolgen kann es von Vorteil sein.

Wer Macht empfindet, fühlt sich dem Schicksal nicht ausgeliefert, sondern hat es in den eigenen Händen. Und dann ist er eher dazu bereit, über eigene Fehler nachdenken.

Wer hingegen keine Macht hat, der nimmt gewissermaßen automatisch eine passive Position ein. Er geht davon aus, den Lauf der Dinge ohnehin nicht ändern zu können. Und umso weniger Lust und Interesse hat er, über eigene Fehler nachzudenken und es beim nächsten Mal besser zu machen.

Die Studie legt nahe, dass Führungskräfte ihren Angestellten möglichst viel Freiheit und Autonomie gönnen sollten. Dann fühlen sie sich nicht nur für das eigene Schicksal verantwortlich, sondern auch für den Erfolg des Arbeitgebers oder des Projekts. Und umso stärker sind sie dazu bereit, aus Fehlern zu lernen.

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1 Kommentar zu Studie: Macht fördert die Lernfähigkeit

  • Das ist keine neue Erkenntnis. Vielmehr langjähriger Bestandteil von Management-/Teamcoachings und Persönlichkeitsentwicklung: "Opfer- und Gestalterrollen." Machtbewußtsein ist nur in begrenztem Maße erlern- und entwickelbar. Ich selbst bin kein Machtmensch deshalb auch nicht als Führungspersönlichkeit geeignet bzw. kann die Machtrolle nicht authentisch ausüben und leben. Teilweise hängt das mit den Genen zusammen zum größeren Teil jedoch mit der Erziehung. Wer intern (Familie) und extern (klerikales Internat) nur fremdbestimmt nach der Methode Befehl und absoluter Gehorsam, bei Nichtbefolgen rigorose Strafen bis zur körperlichen Züchtigung inkl. Freiheitsentzug (Ausgehverbote, Streichung von Abend- und Wochendfreigang) bis Anfang 20 aufwächst, der entwickelt als Erwachsener eine Aversion, ja sogar einen Hass gegen Machtattitüden und Machtausübung. Beruflich wurde mir schnell klar, eine Konzern - Karriere kam für mich trotz entsprechender Ausbildung / Qualifikation nicht in Frage.

    Also machte ich mich mit Anfang 30 in den 80zigern, ausgestattet mit einem mehrjährigen Werkvertrag eines Weltkonzerns, selbstständig. Nach ca. 30 Jahren bin z.Z. immer noch für einige internationale Konzerne mit meinem Team tätig. Man muss nicht unbedingt in den Konzernen Karriere machen. Man kann sie auch von außen begleiten und dabei erfolgreich sein. Ich brauche keinen Titel "Bereichsleiter xy" oder "Vorstand xy" auf meiner Visitenkarte. Unter Firmierung und Name steht bei mir schlicht und einfach meine Funktion: "Wohlfühlmanager". Das löst fast immer mehr Interesse aus und wirkt eindrucksvoller als der Direktor, Bereichsleiter oder Vorstand.(Die diversen englischen/amerikanischen Titel erspare ich mir hier).
    PS: Bin im Bereich "Kundenmangement VIP-Kunden" kochwertiger teils technischer Gebrauchsgüter tätig.

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