Werner knallhart: Souveränes Auftreten: Nicht an der Nase kratzen jetzt!

kolumneWerner knallhart: Souveränes Auftreten: Nicht an der Nase kratzen jetzt!

Kolumne von Marcus Werner

Übersprungshandlungen sind menschlich, entlarven aber unsere Nervosität - ausgerechnet dann, wenn wir cool sein wollen. Unser Kolumnist will sie deshalb endlich in den Griff kriegen.

Übersprungshandlungen gibt es nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren. Etwa wenn zwei Hähne um ihr Revier kämpfen. Der innere Konflikt: Soll ich angreifen oder abhauen?

Ein Angriff bietet die Chance, den Rivalen zu vertreiben. Flucht bietet mir sicheren Schutz vor Verletzungen. Und diese zermürbende innere Unentschlossenheit zeigt sich daran, dass die Hähne plötzlich anfangen Körner aufzupicken - obwohl dort gar keine Körner sind. Völlig sinnlos, aber es beruhigt.

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Gestik und Mimik

  • Finger an die Nase legen

    signalisiert laut den Bewerbungsexperten von Hesse/Schrader Konzentration oder Nachdenken

  • Mit den Fingern trommeln

    bedeutet Ungeduld oder Nervosität, vielleicht sogar Provokation

  • Gefaltete Hände

    zeigen die eigene Überlegenheit

  • Hand vor den Mund halten

    Gesagtes wird zurückgenommen, weil Unsicherheit in der Sache besteht

  • Händereiben

    demonstriert Selbstzufriedenheit, wirkt aber nicht immer sympathisch

  • Hände über den Kopf legen

    zeigt bei Zurücklehnen grenzenlose Souveränität

  • Herumspielen mit Fingern

    lässt auf Desinteresse, Unkonzentriertheit oder Nervosität schließen

  • Kopf auf die Hände stützen

    steht für Nachdenklichkeit, Erschöpfung oder Langeweile

  • Am Kopf kratzen

    zeigt Ratlosigkeit oder Unsicherheit

  • Reiben des Kinns

    steht für Nachdenklichkeit und Zufriedenheit

  • Verschränkte Arme

    zeigen bei Frauen: Unsicherheit oder Angst, bei Männern: Ablehnung und Verschlossenheit

  • Zum Spitzdach geformte Hände

    signalisieren Überheblichkeit, gleichzeitig Abwehr gegen Einwände

Sonntagnachmittag: Die Nachbarn sind mit den Kindern zum Kaffee da. Und die kleine Tochter hört nicht auf herumzukreischen. Womöglich würde Bello jetzt am liebsten mit einem knackigen Nackenbiss dem Geschrei ein Ende setzen. Weil der Hund aber begriffen hat, dass das unüblich ist, schnappt er sich plötzlich ein Sofa-Kissen und schüttelt es herum, um es zur Strecke zu bringen.

„Sag mal, euer Hund hat aber auch nicht mehr alle Tassen im Schrank, oder?“

„Übersprungshandlung. Sei froh, dass es nur das Kissen ist.“

Katzen, die plötzlich beim Toben anfangen sich zu putzen. Pavian-Männchen, die erst wie irre rumbrüllen und sich gegenseitig die Zähne zeigen, um sich dann zwischendurch ohne Vorwarnung zur Beruhigung ein paar Sekunden mit dem nächstbesten Weibchen zu paaren.

In jedem Fall machen sie einen seltsamen Eindruck, diese „Übersprungshandlungen“. Ein alter Begriff aus der Instinkttheorie vom Zoologen Konrad Lorenz. Aber wir Menschen stehen mit solch einem Verhalten auch ganz schön blöde da.

Mit diesen Fragen bringen Sie Lügen ans Licht

  • Keine negativen Fragen stellen

    In Situationen, in denen wir nicht die Antwort bekommen, mit der wir gerechnet haben, greifen wir oft zu negativ formulierten Fragen. Angenommen, Sie fragen eine Autofahrerin, ob sie schon einmal die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten hat, und sie antwortet darauf: "Nein, noch nie." Diese Antwort wird Sie vermutlich überraschen, also haken Sie spontan noch einmal nach: "Sie haben noch niemals die Höchstgeschwindigkeit überschritten? Wirklich noch nie?" Doch damit bestärken sie Ihren Gesprächspartner, bei seiner Antwort zu bleiben.

  • Fragenprolog

    Beginnen Sie Ihre Frage mit einer Einleitung: "Als Nächstes möchte ich Sie nach XYZ befragen. Bevor wir auf dieses Thema eingehen, will ich Ihnen erklären, warum diese Frage wichtig ist und worum es uns geht." Legitimierungen führen dazu, dass Menschen die Frage ehrlicher beantworten. Auch Rationalisierungen eignen sich sehr gut als Prolog zu einer Frage. Zum Beispiel: "Niemand ist perfekt" oder "Jeder macht einmal etwas falsch". Das kann enorm dazu beitragen, Ihren Gesprächspartner für die Frage zu öffnen, die Sie ihm stellen möchten. Auch durch Minimierung können Sie verhindern, dass sich jemand hinter seiner Lüge verschanzt – zum Beispiel mit Äußerungen wie: "Wir möchten diese Angelegenheit ja nicht unnötig aufbauschen."

  • Verdachtsfragen

    Es ist wichtig, zwischen Verdachtsfragen und Suggestivfragen zu unterscheiden. Mit einer Suggestivfrage versucht man den Gesprächspartner zu beeinflussen und ihm eine bestimmte Antwort in den Mund zu legen: "Sie haben doch gestern Abend das Geld genommen?" Eine Verdachtsfrage ist: "Was ist gestern Abend mit dem Geld passiert?" Der Unschuldige sagt "Keine Ahnung." Wer schuldig ist, muss nachdenken und sagt also eher: "Sie fragen mich, was da passiert ist? Woher soll ich denn das wissen?"

  • Köderfragen

    Eine klassische Köderfrage wäre "Könnte es einen Grund geben, warum jemand behauptet, Sie hätten das Geld genommen?" Es handelt sich um eine hypothetische Frage, die auf einem psychologischen Prinzip namens "Gedankenvirus" beruht. Wenn der Kollege auf Sie zukommt und sagt: "Die Chefin möchte dich sofort in ihrem Büro sprechen", schlägt ein solches Gedankenvirus zu. Wir machen uns nämlich sofort Gedanken darüber, was wir angestellt haben könnten, was uns jetzt droht und spielen alle Konsequenzen durch.

  • Bestrafungsfragen

    Fragen Sie: "Was sollte Ihrer Meinung nach mit der Person passieren, die das getan hat?" Wenn Sie jemanden befragen, der kein reines Gewissen hat, fordern Sie die verdächtige Person mit dieser Frage im Grunde genommen dazu auf, sich selbst zu verurteilen. Dahinter steht die Theorie, dass jemand, der schuldig ist, naturgemäß eine ziemlich milde Strafe vorschlagen wird. Wer unschuldig ist, wird sich dagegen wohl für eine strengere Bestrafung aussprechen.
    Das Problem mit dieser Theorie ist nur, dass Lügner und Betrüger immer nach Möglichkeiten suchen, unsere Wahrnehmung ihres Charakters zu manipulieren: Ignorieren Sie also die Forderung nach einer harten Strafe, aber werden Sie bei zu milden Strafen hellhörig.

  • Allgemeine Frage

    Mit solchen Fragen kann man Lügen vom Weglassungstyp auf die Schliche kommen. "Gibt es noch irgendetwas Wichtiges zu Ihrer Beziehung mit dieser Person, das wir bisher nicht besprochen haben?" oder "Gibt es noch irgendetwas, was ich wissen sollte und worüber wir bisher nicht gesprochen haben?"

Als Kinder sind wir noch ein Bündel aus Übersprungshandlungen. Zumindest war es bei mir so. Beispiel: Bild malen. Die gängigen inneren Konflikte: Soll ich eine Sonne mit Strahlen malen oder ohne? Übersprungshandlung: Knuddeln mit Zeigefinger und Mittelfinger in meinen Haaren am Hinterkopf.

So gab es eine Phase in meinem Leben als Kindergartenkind, in der ich mit einer Haarsträhne in Form eines Schweine-Kringelschwanzes am Hinterkopf herumgelaufen bin. Wirklich wahr. Bis meine Mutter eines Tages aus Liebe zur Schere griff. Alles wegen dieser Übersprungshandlungen.

Im Mathe-Leistungskurs mussten 15 Jahre später meine Fingernägel dran glauben. In der Abi-Zeit brauchte ich sie mir nie zu schneiden. Denn ich biss sie mir im Unterricht fein säuberlich ab.

In meinem ersten Ferienjob mit 17 - in einer Eisdiele - da fand ich die Gespräche mit der dicken Chefin immer sehr unangenehm. Sie war so autoritär und stank entsetzlich nach Zigaretten. Der Konflikt: respektvoll lauschen oder nichts wie weg? „Sag mal, Marcus, warum guckst du eigentlich immer so doof auf deine Uhr, wenn ich mit dir rede?“

„Nur so.“

„Alle zehn Sekunden nur so? Langeweile, wenn ich mit dir rede? Dann feg mal die Terrasse.“

Natürlich hätte sie auch freundlich und schlau sagen können: „Dein reflexhafter Blick auf deine Armbanduhr scheint eine Übersprungshandlung zu sein. Wie ich sehe, fühlst du dich in meiner Nähe unwohl. Also gehe hin und fege mal die Terrasse.“ Aber selbst dann wäre ich der Dumme gewesen. Der, der Signale sendet, die seine inneren Konflikte entlarven.

Um uns herum wimmelt es von Übersprungshandlungen. Setzen Sie sich mal in eine Konferenz oder an den Tisch in der Kantine und achten Sie drauf:

Kollege Meyer ergreift in großer Redaktionskonferenz-Runde das Wort, nimmt dabei sofort die Brille ab und reibt sich beim Sprechen die Augen: „Wir sollten mal wieder was über die Deutsche Bahn bringen.“

Kollegin Schmidt sagt: „Haben wir doch erst letzte Woche gemacht“ und greift danach sofort zur längst leeren Kaffeetasse.

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