Wissensmanagement: "Der Kaiser ist nackt"

InterviewWissensmanagement: "Der Kaiser ist nackt"

Professor Lutz Leuendorf über das Ende des Wissensmanagements. Und die Frage, wie Unternehmen zu lernenden Organismen werden.

WirtschaftsWoche: Professor Leuendorf, wir sprechen seit 15 Jahren darüber, wie Unternehmen mit ihrerer wichtigsten Ressource umgehen: dem Wissen. Ist das Wissensmanagement gescheitert?

Leuendorf: So weit würde ich nicht gehen. Aber wir befinden uns sicher in einer neuen Entwicklungsphase. Nachdem die Frage „Wie manage ich Wissen?“ Mitte der Neunzigerjahre von zwei japanischen Wissenschaftlern überhaupt erst losgetreten worden war, wurde die Antwort bis zum endgültigen Platzen der Dot-Com-Blase meist reduziert auf die Suche nach geeigneten Datenbanken. Diese Beschränkung auf ein reines IT-Thema war zu kurz gegriffen. Erst jetzt folgt der sozialpädagogische Ansatz – das Einbeziehen der Unternehmenskultur auf die Fragen nach der Bedeutung von Teamgeist und das Organisieren von Wissen.

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Was verstehen Sie darunter?

Es geht heute um die sinnvolle Verbindung beider Welten: Wie nutze ich die neuen Technologien wie Blogs oder Wikis für eine Unternehmenskultur, in deren Mittelpunkt das Teilen und Weitergeben von Wissen steht.

In vielen Unternehmen funktioniert genau das aber nicht. Warum?

Das liegt am Verständnis der Ressource Wissen. Was ist das überhaupt für ein Baustein? Viele Unternehmen stochern da bis heute im Nebel.

Webbasierte Technologien

Dann helfen Sie ihnen doch mal auf die Sprünge!

Muss ich gar nicht. Wissensmanagement ist als Begriff obsolet. Dieser Kaiser ist nackt – jetzt geht es darum, ein paar anständige Kleider zu stricken. Also um die Frage: Wie organisiere ich ein Unternehmen als lernenden Organismus?

Wie denn – mit elektronischen Plattformen, über die sich alle austauschen können?

Diese webbasierten Technologien erleichtern diesen Prozess zweifellos, sind aber nicht mehr als helfende Werkzeuge. Wichtig ist es ja nicht nur, Informationen aus so vielen Quellen wie möglich zu sammeln und verfügbar zu machen. Angesichts der weiterhin steigenden Informationsflut geht es noch mehr darum, dieses Wissen zu bewerten und für sein Unternehmen möglichst schnell nutzbar zu machen. Aber auch darum, seinen Mitarbeitern zu ermöglichen, sich ständig relevant weiterzubilden. Und ein Klima zu schaffen, in dem diese Mitarbeiter auch bereit sind, ihr Wissen einzubringen – weil sie das als positiv erfahren.

Wenn aber Wissen die entscheidende Ressource ist – warum sollte ich meinen einzigen Wettbewerbsvorteil aufgeben und mein Wissen mit Konkurrenten teilen?

Wir müssen uns verabschieden von dieser Paranoia, dieser Mentalität, die das Horten exklusiver Informationen belohnt. Diese statische Perspektive wird von einer neuen Dynamik abgelöst – dafür sorgt schon der demoskopische Wandel und der daraus entstehende Mangel an Fachkräften: Experten müssen andere Experten stützen – schon, um ihren Marktwert zu stützen. Nur geteiltes Wissen ist wertvolles Wissen. Und das entscheidet darüber, wer in einem Unternehmen, einer Branche etwas zu sagen hat – je nach Kontext, immer wieder aufs Neue.

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