Vorbildrolle: Mitarbeiter sind nur so gut wie ihr Chef

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GastbeitragVorbildrolle: Mitarbeiter sind nur so gut wie ihr Chef

Geht etwas schief, stellt sich die Schuldfrage. Laut den Angestellten liegt es an widersprüchliche Anweisungen. Der Vorgesetzte sagt: Das Personal taugt nichts. Wer hat Recht?

Im Team läuft es nicht. Mitarbeiter bringen keine Leistung. Konflikte hinter jeder Ecke und vernünftiges Personal ist nicht zu bekommen. So, oder so ähnlich erleben viele Führungskräften ihren Berufsalltag. Gerne wird die Schuld dann den Mitarbeitern in die Schuhe geschoben. Dabei gilt, je höher die formale Machtposition im Unternehmen, umso größer ist der Einfluss von (unbewusstem) Verhalten und Wesen der Führungskraft auf das Gesamtsystem. Besonders gut sichtbar ist das bei Gründern und Geschäftsführern. Sie bringen ihre ganze Person in das Unternehmen ein, sie sind das Unternehmen. Bei Apple, Virgin und Microsoft ist genau das ein Erfolgsrezept. Gleichzeitig kann dieser Mechanismus das Problem sein.

Widersprüchliche Anweisungen der Gründer

Ein IT-Start-up war erfolgreich schnell gewachsen. Beide Gründer führten das Unternehmen gemeinsam - und gaben den Mitarbeitern widersprüchliche Arbeitsanweisungen.Wo der eine Hüh sagt, sagt der andere Hott. Das Verhalten führte bei den
Mitarbeitern zu Unsicherheit und Unruhe. Die Arbeitsqualität leidet und Autoritäten werden in Frage gestellt. Aus Sicht der Verantwortlichen entsteht der Eindruck, dass es schwer ist “vernünftiges” Personal zu bekommen. Aus Sicht der Mitarbeiter hingegen, ist es unerträglich und oft unmöglich sich richtig zu verhalten.

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Zum Autor

  • Mathias Goldmann

    Mathias Goldmann ist Inhaber von Goldmann Coaching. Er arbeitet weltweit als Berater und Trainer für Dax-Unternehmen und bei der Europäischen Zentralbank.

Ein ähnliches Problem zeigte sich in einem Touristik-Unternehmen, dessen Geschäftsführer und Gründer von misstrauischer Natur war. Die Mitarbeiter fühlten sich ständig überwacht und in ihrer Leistung nicht geschätzt. Ihr Eindruck des Unternehmens: Man kann es nie recht machen. Wer nicht kündigt, geht in den passiven Widerstand - und bestätigt so das misstrauische Weltbild der Führungsperson. Ist die Führungskraft nicht ganz bei der Sache - Typ zerstreuter Professor - läuft es auch nicht rund.

Wer oft Termine und Aufgaben vergisst und abwesend wirkt, erzeugt bei seinen Mitarbeitern leicht der Eindruck von Inkompetenz. Die Mitarbeiter versuchen, die Zerstreutheit der Führungskraft zu kompensieren. Als Folge fühlen sie sich selbst als Macher und verlieren den Respekt vor der eigentlichen Führungskraft. Das Team entwickelt eine Eigendynamik und wird schwer kontrollierbar.

Schlechte Führung Jeder Dritte rebelliert gegen den Chef

Die meisten Deutschen sind zwar mit ihrem Job zufrieden - nicht aber mit ihrem Boss. Deshalb setzt sich so mancher über dessen Anweisungen hinweg. Für Unternehmen ist das fatal.

Schlechte Führung: Jeder Dritte rebelliert gegen den Chef

Haben Mitarbeiter einen cholerischen Chef, sind Konflikte ebenfalls programmiert. Cholerisches Verhalten wird von den Mitarbeitern als persönlicher Angriff verstanden. Angst, Unzufriedenheit bis hin zur Kündigung sind die Folge. Niemand möchte mit so einer Person und in einem Klima der Angst zusammenarbeiten.

Wer bleibt, verliert den Respekt vor der Führungsperson. Als Folge können Hierarchiekonflikte ganze Abteilungen lahmlegen, da der Fokus auf Machtkämpfen und nicht der auf Arbeit liegt. Für das Unternehmen entstehen Kosten, Zeitverzögerungen und die mentale Gesundheit aller Beteiligten steht auf dem Spiel.

Mit wem wir uns im Beruf am häufigsten streiten

  • Die lieben Kollegen

    Je mehr ein Mensch mit einem anderen zu tun hat, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie aneinander geraten. Entsprechend gaben 37 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage "Streit - erfolgreich oder folgenreich" der IHK Frankfurt an, sich häufig mit Kollegen beziehungsweise Mitarbeitern zu streiten.

  • Der nervige Chef

    Mehr als ein Drittel gab an, sich häufig mit Führungskräften zu streiten.

  • Die "da oben"

    Ein Viertel sagte, dass sie häufig mit der Geschäftsleitung aneinander geraten.

  • König Kunde

    23 Prozent streiten sich häufig mit Kunden.

  • Zulieferer

    Bei 14 Prozent sind Zulieferer ein häufiger Streitgrund und -partner.

  • Diese Behörden...

    Elf Prozent streiten sich häufig mit Behörden, mit denen sie beruflich zu tun haben.

  • Partner

    Jeweils sieben Prozent gaben an, sich mit Gesellschaftern beziehungsweise Kooperationspartnern in die Haare zu kriegen.

  • Typisch Bank

    Nur drei Prozent geraten häufig mit Kapitalgebern und Banken aneinander.

Gleiches passiert, wenn Mitarbeiter häufig zu Unrecht kritisiert und beschuldigt werden. Sie fühlen sich ungerecht behandelt und wehren sich in aller Regel. Für die Führungskraft scheint dies den Anfangsverdacht der Unzulänglichkeit zu bestätigen. Das nächste Kommunikationsmissverständnis oder kleinste Fehler werden umso hartnäckiger verfolgt. Hört die endlose Kritik nicht auf, resignieren Mitarbeiter. Häufig verlassen sie das Unternehmen nach kurzer Zeit, da ihre Leistung nicht gewürdigt wird. Im Unternehmen entsteht Unruhe durch die hohe Fluktuation.

All diese Beispiele zeigen: Mitarbeiter sind oft Spiegel der Führungskräfte. Sie reagieren auf das Verhalten ihrer Chefs und Chefinnen. Bevor Manager also über die unfähige, faule Belegschaft fluchen, lohnt sich eine Analyse des eigenen Verhaltens. Vielleicht sind Sie ja selber der Verursacher?

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