Aktienmärkte: „Das Thema Brexit ist noch nicht erledigt”

Aktienmärkte: „Das Thema Brexit ist noch nicht erledigt”

, aktualisiert 17. Juli 2016, 15:09 Uhr
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Ein Messingschild weist auf das Bankhaus Lampe in Düsseldorf hin: Das Geldinstitut gehört zur Oetker-Gruppe.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Ralf Zimmermann, Aktienstratege beim Bankhaus Lampe, spricht über weitere Kursschwankungen nach dem Votum der Briten, zu hohe Gewinnschätzungen vieler Analysten und seinen Ärger über die Bilanzierungspraxis der Konzerne.

FrankfurtHerr Zimmermann, die Stimmung an den Aktienmärkten ist erstaunlich gut – obwohl die Briten die Europäische Union verlassen wollen. Wie geht es jetzt weiter?
Der geplante Brexit droht die Märkte immer wieder zu belasten. Wer glaubt, dass sich das Thema schon erledigt hat, dürfte sich täuschen.
Womit rechnen Sie?
Die Brexit-Diskussion könnte weitere Nachwehen am Aktienmarkt zu erzeugen. So werden die Anleger in den nächsten Monaten mit Argusaugen auf die weitere Entwicklung in Italien schauen. Werden bei den anstehenden Kapitalspritzen in das marode italienische Bankensystem auch private Anleger mithaften? Dann steigen die politische Risiken für Renzi deutlich und die euro-kritische Fünf-Sterne Bewegung droht weiteren Zulauf zu erhalten - vor dem Hintergrund des entwichenen Brexit-Geistes könnte dies durchaus Aktienverluste auslösen.


Die Analysten achten zu stark auf bereinigte Gewinne

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Wie stehen denn die Unternehmen in dieser turbulenten Zeit da? Gerade hat ja auch die Quartalsaison begonnen... was können Anleger in Deutschland in diesem Jahr erwarten?
Im Schnitt erwarten die Analysten, dass die Gewinne der Dax-Firmen in diesem Jahr um ein Prozent gegenüber 2015 steigen werden. Das sieht zunächst ja vernünftig aus. Das Problem ist nur: Die unterstellte Ausgangsbasis für 2015 ist zu hoch, da nicht die berichteten Gewinne, sondern die viel höheren bereinigten Gewinne zugrunde gelegt werden.

Das müssen Sie genauer erklären.
Im Jahr 2015 war der Unterschied riesig: Die berichteten Gewinne sind 2015 um rund ein Viertel gegenüber 2014 gefallen und waren 30% niedriger als die um so genannte außerordentlichen Effekte bereinigten Gewinne. Würde man im Extrem annehmen, dass alle Sondereffekte wiederkehren und nicht einmaliger Natur wären, würden die Gewinne nach Ansicht der Analysten um 80% wachsen.
… was ziemlich unrealistisch klingt.
Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte. Anleger sollten sich bewusst, wie riskant der ausschließliche Blick auf bereinigte Gewinne ist.


Bei welchen Unternehmen Anleger genau hinschauen sollten

Bei welchen Unternehmen sollten Anleger lieber genauer hinschauen?
Unternehmen und Analysten sind rasch bereit, eine Belastung als außerordentlich zu erklären. Am deutlichsten wird es bei den Abschreibungen der Versorger, den Rechtsrisiken der Deutschen Bank und dem Dieselskandal bei VW sowie typischerweise bei Restrukturierungsaufwendungen, die häufig bei stark konjunkturabhängigen Unternehmen auftreten. Jeder Einzelfall kann sicher diskutiert werden. Die Häufung erschreckt mich jedoch.

Wo können Anleger denn dann noch investieren?
Den sichersten Anker bietet der Rentenmarkt: Die Zinsen werden lange sehr niedrig bleiben. Anleger sollten daher auf die Gewinner in diesem Szenario setzen - Immobilien-Werte und Unternehmen mit stabilen Cash-Flows. Dazu zählen Pharmafirmen, Anbieter von Nahrungsmitteln und Haushaltsgütern.

Hat der deutsche Leitindex bis zum Jahresende überhaupt noch Potenzial?
10.600 Dax-Punkte halte ich am Jahresende für realistisch, allerdings nur mit der entsprechenden Unterstützung durch die Politik. Gut möglich, dass die europäische Zentralbank in den nächsten Quartalen Bankanleihen kaufen wird. Aktuell hofft der Aktienmarkt darauf, dass der Geld-Helikopter über die Märkte fliegt. In Japan weitet die Notenbank möglicherweise ihre Käufe von Staatsanleihen aus, die unmittelbar dazu dienen, ein neues Fiskalpaket zu finanzieren. Macht dies Schule, kann das Aktien in der Tat beflügeln. Aber bis die Amerikaner oder Europäer den Hubschrauber starten, ist noch ein längerer Weg, der wohl dann auch erst mal von schlechteren Nachrichten begleitet sein dürfte.

Vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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