Anleger setzen auf Sachwerte: Warum Gold wieder glänzt

Anleger setzen auf Sachwerte: Warum Gold wieder glänzt

, aktualisiert 13. November 2016, 14:23 Uhr
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Weltweit greifen Investoren wieder vermehrt zu Gold.

Quelle:Handelsblatt Online

In Krisenzeiten gilt Gold als verlässliche Anlage. Seit Monaten boomt die Nachfrage nach dem Edelmetall. Immer mehr Privatkunden decken sich ein. Die Hoffnung auf steigende Preise ist nicht unbegründet.

Hier ist wirklich alles Gold was glänzt: Vom Mini-1-Gramm-Stück als Geschenk der „Zahnfee“ über den Kilo-Barren bis zu Goldmünzen - das Angebot an Edelmetall ist vielfältig in der Frankfurter Zentrale von Europas größtem Goldhändler Degussa im Schatten der großen Banktürme. „Guten Morgen, ich wollte mein Gold abholen“ - diskret wird die junge Frau an einen der Schalter gelotst. Ein älteres Ehepaar blättert derweil im gut gesicherten Foyer inmitten glänzender Vitrinen in einem Katalog.

„Wir sehen seit Jahren eine Flucht in Sachwerte“, schildert Oliver Heuschuch, Leiter Edelmetallhandel bei der Degussa Goldhandel GmbH. „Der Brexit und die US-Wahl haben diesen Trend verstärkt. Der Oktober war ein Trump-Monat.“ Dass Donald Trump nun tatsächlich zum US-Präsidenten gewählt wurde, habe der Nachfrage nach Gold noch einmal einen Schub gegeben - quer durch die Gesellschaft.

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„Wir dachten immer, unsere Kunden sind jenseits der 50 und Besserverdiener, aber das trifft so nicht zu“, sagt Heuschuch. „Unsere Kundschaft ist bunt gemischt: Vom Kleinanleger, der ein paar Silbermünzen kauft, bis zum vermögenden Privatkunden.“

Gold gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. „Wer Gold kauft weiß: Gold wird auch in Zukunft noch seinen Wert haben“, sagt Heuschuch. „Seit 4000 Jahren ist Gold auf dem Markt und damit die älteste Währung der Welt.“

Dazu kommt: Die Vorräte sind begrenzt. Weltweit gibt es etwa 180 000 Tonnen - eine Menge, die man bequem unter dem Brandenburger Tor oder in einem olympischen Schwimmbecken unterbringen könnte.

Das Edelmetall ist begehrt - seit Monaten umso mehr, weil beliebte Sparprodukte wie Tages- und Festgeld wegen der Zinsflaute kaum noch etwas abwerfen. Gut jeder Vierte Deutsche (27 Prozent) investierte in den vergangenen zwei Jahren in Gold - das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank. Im Schnitt nahmen Privatleute 4197 Euro in die Hand. Der Goldschatz der privaten Haushalte in Deutschland erreichte mit einem Plus von 477 Tonnen seit 2014 die Rekordmenge von aktuell 8672 Tonnen.

Wer Gold kauft, ist - das zeigen Umfragen seit Jahren - überzeugt, langfristig Geld in einen stabilen Wert zu stecken. In der Steinbeis-Erhebung schlossen sich gut 93 Prozent ganz oder teilweise der Einschätzung an, Edelmetall sei ein „sicherer Hafen“.

Degussa-Experte Heuschuch berichtet: „Viele Anleger kaufen Gold aus Angst vor einer Währungskrise. Sie gehen davon aus, dass sie damit künftig ihre Brötchen bezahlen müssen, wenn der Euro abgeschafft würde.“ 5000 bis 10.000 Euro investieren Anleger im Schnitt, Degussa rechnet für das laufende Jahr mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz - ein Viertel mehr als 2015.

Rund 90 Prozent der Befragten zeigten sich in der Steinbeis-Umfrage zuversichtlich, dass sich der Wert des Edelmetalls in den nächsten Jahren noch erhöhen wird. Diese Erwartung ist durchaus berechtigt: Von seinem Rekordpreis bei 1920 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm) vom September 2011 ist Gold noch weit entfernt.

Die Rohstoff-Experten der Commerzbank erwarten zum Ende des laufenden Jahres eine Notierung bei 1250 Dollar, Ende 2017 dann schon von 1450 Dollar.

„Im nächsten Jahr sollte der Goldpreis seinen Aufwärtstrend wieder aufnehmen“, schreiben die Commerzbank-Analysten. „Dafür spricht die weiterhin extrem expansive Geldpolitik der wichtigsten Zentralbanken. Hinzu kommen die zahlreichen Unsicherheiten mit mehreren richtungsweisenden Wahlen in Europa und die verschiedenen geopolitischen Krisenherde.“

Gold steht auch bei den Kunden der Deutschen Börse hoch im Kurs. Nach jüngsten Angaben lagern inzwischen 113,1 Tonnen des Edelmetalls in den Tresoren des Marktbetreibers in Frankfurt.

Damit hat sich der Bestand seit Jahresbeginn fast verdoppelt. Neues Gold kommt immer dann hinzu, wenn Kunden die sogenannte Xetra-Gold-Anleihe erwerben. Für jeden Anteilschein hinterlegt die Börse ein Gramm Gold.

Gold zum Anfassen gibt es bei Händlern wie Degussa oder der Reisebank. Im „Goldzimmer“ bei Degussa in Frankfurt sind sogar die Tapeten aus Gold - und selbst der Türstopper, der allerdings nur auf den ersten Blick.

Quelle:  Handelsblatt Online
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