Anleihemarkt: Es geht noch was

Anleihemarkt: Es geht noch was

, aktualisiert 18. Januar 2017, 03:55 Uhr
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In in mexikanischen Peso ausgegebenen Anleihen sieht Prudential-Stratege Robert Tipp Chancen. Allerdings gibt es Risiken.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

US-Experten nehmen die Zukunft der Bonds unter die Lupe. Prudential USA sieht Chancen im Anleihemarkt. Blackrock ist vorsichtiger. Gerade in diesem Bereich spielt schließlich die Politik die Hauptrolle.

New YorkDie Zinsen steigen. Die US-Notenbank Fed treibt sie an, und noch mehr die Erwartung einer ausufernden Finanzpolitik unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Ist unter diesen Umständen im Anleihemarkt noch Geld zu verdienen?

Nach Ansicht von Robert Tipp schon. „Die Chancen sind höher als die Risiken, Bonds sollten eine solide Entwicklung zeigen“, schreibt er in seinem neuesten Ausblick. Der Chefstratege bei PGIM Fixed Income, zum US-Versicherer Prudential gehörig, sieht vor allem Chancen bei Unternehmensanleihen und Zinspapieren aus Schwellenländern, mit Abstrichen auch im Hochzinsbereich. Blackrock dagegen rät eher zu defensiven Positionen. Anleger sollten die Laufzeiten verkürzen und inflationsgeschützte Papiere kaufen, heißt es dort.

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Tipp, der eines der größten Anleiheportfolios der USA verwaltet, hat auch einen Blick zurück ins Jahr 2016 geworfen. Besonders gut haben da US-Hochzinsanleihen mit einer durchschnittlichen Gesamtrendite von 17,5 Prozent abgeschnitten. US-Staatsanleihen liefern dagegen nur ein Prozent ab. Immerhin waren alle Bereiche positiv, während 2013 bis 2015 jeweils einige Zins-Märkte den Anlegern nur Miese beschert haben.

Tipp sieht weltweit große Produktionskapazitäten, aber nur schwaches Wachstum. Weil die Anleihemärkte sich gegenseitig beeinflussen, glaubt er daher nicht an einen zu starken Anstieg der Renditen in den USA, obwohl dort die wirtschaftliche Entwicklung recht solide ist. Anleihen werden eben oft gerade dann gekauft, wenn die Wirtschaft schwächelt.

Nach der Wahl von Donald Trump hatten Investoren Geld in großem Maßstab von Aktien in Anleihen umgeschichtet. Das drückte die Kurse der Zinspapiere und sorgte im Gegenzug für höhere Renditen. Dieser Trend ist aber inzwischen gebremst, er hat sogar Rückschläge erlitten. Nach anfänglichem Enthusiasmus für Trumps Pläne, die Steuern zu senken und die Ausgaben zu erhöhen, ist etwas Ernüchterung eingetreten, was zu einer abwartenden Haltung führt.

Wegen der politischen Unsicherheit sieht Tipp sehr unterschiedliche mögliche Szenarien voraus. Aber selbst im besten Fall für die US-Wirtschaft bieten seiner Meinung US-Staatsanleihen, die häufig in Krisenzeiten gekauft werden, noch etwas mehr Chancen als Risiken.

Zudem glaubt er, dass die Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen relativ niedrig bleiben, wenn die US-Notenbank die Zinsen erhöht. Diese Entwicklung war beim letzten Zinserhöhungszyklus der Fed zu beobachten. Insgesamt geht Tipp von einer nicht zu übertriebenen Finanzpolitik in den USA aus und hält deshalb die Risiken steigender Inflation und hoher Mittelabflüsse aus Schwellenländern für begrenzt.


Ausblick für Anleihen aus Europa und aus Schwellenländern

Bei Unternehmens-Anleihen in den USA setzt er vor allem auf Banken, denen die gewachsenen Kapitalpolster Stabilität verleihen. Im Bereich der Bonds mit Ratings von BBB sieht er ansonsten das beste Verhältnis von Chance und Risiko.

In Europa misstraut er den Anleihen von Unternehmen aus der Euro-Zone, weil deren Kurse seiner Meinung künstlich durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gestützt werden, die sich in absehbarer Zeit wieder umdrehen kann. Im Hochzinsbereich empfiehlt er kürzere Laufzeiten.

In Schwellenländer sieht Tipp Chancen bei Anleihen, die in lokalen Währungen ausgegeben werden, was freilich eher für Profi-Anleger geeignet ist: In dem Marktbereich spielen Zinsen, Risikoaufschläge und obendrein Devisenkurse eine Rolle.

Als relativ niedrig bewertete Währungen nennt er den mexikanischen Peso – hier wirkt sich Trumps Anti-Mexiko-Rhetorik aus – die türkische Lira, die allerdings auch ernste wirtschaftliche Probleme in dem Land widerspiegelt, sowie die Währungen von Russland, Malaysia und Brasilien.

Sein besonderes Augenmerk gilt brasilianischen und mexikanischen Papieren in heimischer Währung. Tipp findet aber auch Anleihen in harter Währung aus Argentinien, Indonesien, Brasilien und Mexiko interessant – und für beherzte Anleger Papiere mit kurzer Laufzeit aus Venezuela. Wer sich noch weiter in wirtschaftliche und politische Randzonen vorwagt, für den hat der Prudential-Mann die Länder Ghana, Dominikanische Republik, Irak und El Salvador auf seiner Liste.

Quelle:  Handelsblatt Online
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