Blackrock-Chef Larry Fink: „Ich bin verwirrt“

Blackrock-Chef Larry Fink: „Ich bin verwirrt“

, aktualisiert 09. Februar 2017, 03:39 Uhr
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In New York erklärt Blackrock-Chef Larry Fink, wieso er die Entwicklung der Wirtschaft und der Märkte in den USA deutlich pessimistischer sieht als viele andere Experten.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Blackrock-Chef Fink sieht die Entwicklung von Wirtschaft und Märkten in den USA pessimistischer als andere. Er glaubt sogar, dass die Zinsen wieder sinken. Über den neuen US-Präsidenten äußert er sich nur schmallippig.

New YorkDer Herr über mehr als fünf Billionen Dollar sieht „eine Menge Schatten“ über den Kapitalmärkten. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, beklagt zwar, dass die privaten Anleger grundsätzlich zu viel Bargeld bunkern und zu wenig Aktien kaufen. „Aber gerade jetzt wäre vielleicht ein Zeitpunkt zu verkaufen“, sagte er auf einer Veranstaltung in New York.

Das gilt seiner Meinung nach vor allem für Leute, die auf eine Sicht von rund drei Jahren ihr Geld brauchen, etwa, um ein Haus zu kaufen. Seine große Sorge ist, dass das Vertrauen der Anleger meist mit den Aktienkursen steigt, sodass sie gerade dann kaufen, wenn die Kurse ausgereizt sind. Zurzeit ist der Aktienmarkt „sich selbst voraus“, warnt er. „In meinen Gesprächen mit Unternehmenschefs stelle ich zwar fest, dass sie enthusiastisch auf eine Steuerreform warten – aber zurzeit investiert trotzdem niemand.“

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Fink steht mit seinem Anflug von Pessimismus nicht allein da. Die Tatsache, dass der US-Präsident Donald Trump sich mehr auf den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, mögliche Zölle und den Einreisestopp für bestimmte mehrheitlich muslimische Länder statt auf eine Steuerreform konzentriert, hat bei vielen Ökonomen und Investoren zur Ernüchterung geführt.

Aber Finks Blick auf die Märkte ist doch noch etwas negativer als der der meisten Kollegen, das gibt er selbst zu. Abby Cohen etwa, die bekannte Investment-Strategin von Goldman Sachs, setzt immer noch auf Aktien und hält sie auch für vernünftig bewertet.

Aus der Reihe fällt Fink vor allem, weil er glaubt, dass die langfristigen Renditen in den USA wieder auf einen Wert unter zwei Prozent fallen werden. Die Werte für zehnjährige Staatsanleihen hatten nach der Wahl von Donald Trump diese Schwelle deutlich überschritten, sind aber zuletzt etwas zurückgegangen auf rund 2,3 Prozent. „Der Zusammenbruch der Globalisierung kann zur Deflation führen“, sagt er mit Blick auf die aggressive Handelspolitik des neuen US-Präsidenten.

Janet Yellen, der Chefin der US-Notenbank (Fed) bescheinigt er, mit ihrer Geldpolitik die US-Wirtschaft unterstützt zu haben. „Sie hat einen guten Job gemacht“, sagt er, „aber jetzt ist es an der Zeit, das Zinsniveau wieder zu normalisieren und die Sparer zu belohnen“. Doch auch in dem Punkt ist er nicht sonderlich optimistisch: Er rechnet nur mit ein bis zwei Zinserhöhungen der Fed im laufenden Jahr, frühestens ab Juni.

Zugleich räumt Fink ein, dass auch ein anderes Szenario möglich ist: dass eine expansive Finanzpolitik bei einem weitgehend ausgereizten Arbeitsmarkt zu mehr Inflation und damit zu höheren Zinsen führt. „Wir befinden uns in einer binären Situation“, beschreibt er seine Unentschiedenheit und räumt ein: „Ich bin verwirrt“, und: „Ich bin keineswegs entspannt.“ Letztlich tendiert er aber zum ersten Szenario mit sinkenden Zinsen und nimmt damit eine Minderheitenposition ein.


„Wir machen mit jeder Regierung Geschäfte“

Abby Cohen sieht auch eine „binäre Situation“, also eine Art Weggabelung. Aber sie glaubt eher an das zweite Szenario mit steigenden Zinsen und warnt davor, dass Anleihebesitzer mit kurzfristigem Horizont davon böse erwischt werden können, weil bei steigenden Renditen die Kurse der Anleihen so weit sinken, dass der nominale Zins im Verhältnis zum gesunkenen Wert des Papiers wieder der gestiegenen Marktrendite entspricht.

Möglicherweise hängt Finks Pessimismus auch damit zusammen, dass er sich für Trump offenbar gar nicht erwärmen kann. Während andere Unternehmenschefs wie Klaus Kleinfeld von Arconic und Mark Weinberger von Ernst & Young sich bei allen Meinungsverschiedenheiten beinahe enthusiastisch über ein Treffen mit Trump in der vergangenen Woche äußern, bleibt Fink schmallippig. „Wir machen mit jeder Regierung Geschäfte“, sagt er nur.

Anthony Chang, Chefökonom bei JP Morgan, sieht es im Gegensatz zu vielen Kollegen sogar als Vorteil, dass die große Steuerreform in den USA und Ausgaben für die Infrastruktur wahrscheinlich langsamer in Gang kommen, als viele Anleger hoffen. „Dann kommt es nicht zu einer Überhitzung der Wirtschaft und die Fed ist nicht gezwungen, die Zinsen zu schnell zu erhöhen“, sagt er.

Chang glaubt also nicht an eine binäre Situation, eine Gabelung, die entweder zu deflationärem Druck oder zu Inflation führt. Sondern daran, dass es hübsch geradeaus geht auf einem aufsteigenden Pfad.

Michael Batnick räumt auf der Veranstaltung mit überraschender Offenheit seine Ratlosigkeit ein. Der Direktor der Research-Abteilung von Ritzholtz Wealth Management sagt mit Blick auf die vielen irrigen Kursprognosen im Zusammenhang mit dem Brexit und der US-Wahl: „Selbst wenn wir wissen würden, was passiert, wüssten wir nicht, wie die Märkte darauf reagieren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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