Bondemission: Was Sie über saudische Staatsanleihen wissen müssen

Bondemission: Was Sie über saudische Staatsanleihen wissen müssen

, aktualisiert 17. Oktober 2016, 19:58 Uhr
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An den internationalen Finanzmärkten musste sich das Land daher jahrelang nicht bedienen. Mit dem Ölpreisverfall hat sich das geändert. Erstmals gibt Saudi-Arabien in Dollar gezeichnete Staatsanleihen aus.

Quelle:Handelsblatt Online

In dieser Woche will Saudi-Arabien erstmals in Dollar gezeichnete Staatsanleihen auf den internationalen Märkten ausgeben. Mit welcher Rendite die Anleger rechnen können und wie die Anleihe beworben wird.

Saudi-Arabien bereitet die Ausgabe einer internationalen Staatsanleihe vor. Wie die „Financial Times“ berichtet, soll die erste milliardenschwere Anleihe-Auktion im Laufe der Woche an den internationalen Märkten platziert werden. Für Investoren gleicht das Angebot einer Revolution – denn es ist die erste internationale Ausgabe saudischer Staatspapiere.

Delegierte des Königreiches flogen dafür in den vergangenen Wochen nach Großbritannien und in die USA, um grundlegende Details zu besprechen. Dabei wurden auch Einzelheiten über den geplanten Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco besprochen, der der größte IPO der Welt werden könnte.

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Während Offizielle und Banker Saudi-Arabiens das Finanzmarktdebüt lange erwartet hatten, stellen sich laut „Financial Times“ Investoren folgende Fragen:

Was ist die Geschichte hinter dem Marktdebüt?

Die erstmalige Zeichnung von Staatsanleihen stellt auch eine Aufgabe an das Marketing. Investoren erwarten eine überzeugende Erzählung, warum sich die Investition in saudische Staatsbonds lohnen soll. Bestes Beispiel sei Argentinien: Dem krisengeplagten Land gelang im April eine erfolgreiche Anleihe-Auktion, in dem das Land sich einer „Comeback-Geschichte“ bediente. Die Regierung präsentierte sich Investoren gegenüber wohlgesonnen, die das Land nach Jahren des Ausschlusses von den Finanzmärkten – bedingt durch die zweimalige Pleite des Landes in jüngerer Geschichte – wieder in das Marktgeschehen zurückbringen wollen.

Saudi-Arabien scheint einen ähnlichen Weg gehen zu wollen. Das Land wirbt damit, dass junge Technokraten radikale Reformen im Land anstrengen. Außerdem wird mit der Tatsache gelockt, dass das Land erstmals auf den globalen Finanzmärkten in Erscheinung tritt und Investoren sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen sollten.

Investoren, die an den Treffen in London teilgenommen haben, sagten, dass Saudi-Arabien bei der Präsentation ihres Markteintrittsplanes auf die Größe ihrer Wirtschaft, dem Fehlen ausländischer Schulden, die Reformpläne und die junge Bevölkerung hervorgehoben hatten hatte. Ausdrücklich erwähnten die Vertreter zudem, dass Saudi-Arabien transparenter werden wolle.

„Die Story ist nicht unvernünftig“, sagte einer der anwesenden Investoren. „Die Geschichte deckt sich mit jener, die Saudi-Arabien bereits das ganze Jahr lang erzählt.“


Welchen Preis peilen die Saudis an?

Die erste in Dollar gezeichnete Anleihe-Auktion der Saudis dürfte als Richtschnur für künftige Anleihevergaben gelten. Die Verantwortlichen hoffen dementsprechend auf eine niedrige Rendite, die sie für die geplante Vergabe von Anleihen mit einer Laufzeit von fünf, zehn und 30 Jahren anbieten müssen.

Es wird Aufgabe der Banker sein, beiden Seiten ein zufriedenstellendes Ergebnis zu bieten. Die Zeiten der rekordniedrigen Renditen bei Staatsanleihen sind zwar vorbei, die Verzinsung bewegen sich allerdings dank der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und der Notenbanken in Großbritannien und Japan weiterhin auf einem niedrigen Level.

Einen Vorgeschmack, mit welchen Konditionen Saudi-Arabien rechnen muss, lieferte im Mai die neun Milliarden Dollar schwere Anleihe-Auktion von Katar. Dabei mussten die Kataris eine Risikoprämie bezahlen, die 150 Basispunkte über der Rate von zehnjährige US-Staatsanleihen lag – eine großzügige Auszahlung, die es dem Land ermöglichte, die Ausgabemenge zu erhöhen.

Allerdings hat Saudi-Arabien gegenüber Katar einen Nachteil. Ihr Kreditranking ist mit „A“ schlechter als das von Katar, das mit „AA“ bewertet wird. Daher wird erwartet, dass die Saudis eine höhere Rendite werden anbieten müssen. Abhilfe könnte hier eine Limitierung der Ausgabemenge leisten.

Banker erwarten, dass die Risikoprämie der Saudis 30 bis 40 Basispunkte über der der Kataris liegen könnte, was bei Papieren mit einer Laufzeit von zehn Jahren einer Verzinsung von 3,55 bis 3,65 Prozent entsprechen würde.


Mit welchem Anleihevolumen rechnet Saudi Arabien?

Investoren, die ein großes Interesse asiatischer Versicherer für saudische Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren ausgemacht haben, schätzen die Nachfrage auf etwa 50 Milliarden Dollar. „Wir werden in diesem Jahr wahrscheinlich ein Ausgabevolumen von 15 bis 20 Milliarden Dollar sehen. 2017 dürfte das Volumen ähnlich hoch ausfallen, genauso wie in den kommenden Jahren“, mutmaßte ein Investor. Insgesamt lassen die Indikatoren darauf schließen, dass in den nächsten Jahren das Ausgabevolumen bis 120 Milliarden Dollar erreichen könnte.

Kann die saudische Wirtschaft die niedrigen Ölpreise überstehen?

Als weltgrößter Ölproduzent hat Saudi Arabien der Preisverfall an den Rohölmärkten hart getroffen. Nachdem die Ölpreise seit Mitte 2014 um mehr als die Hälfte gesunken sind, sah sich die saudische Zentralbank dazu gezwungen, 170 Milliarden Dollar der ausländischen Währungsreserven aufzubrauchen, um das Haushaltsdefizit auf 13,5 Prozent des BIP zu reduzieren und den kostspieligen Krieg in Jemen zu finanzieren.

Im Mai wurde das Kreditranking Saudi-Arabiens zunächst durch die Ratingagentur Moody's gesenkt. Später folgten S&P und Fitch. Moody's begründete diesen Schritt mit dem sinkenden Wachstum, den steigenden Schulden und geringeren inländischen Reserven, mit denen künftige Wirtschaftskrisen aufgefangen werden könnten.

In den Anleiheprospekten, die Saudi Arabien an Investoren verschickt hatte, warnte das Königreich vor den Herausforderungen eines niedrigen Ölpreises für die heimische Wirtschaft. Auf Anfrage der Investoren, welche Konsequenzen daraus für die Wirtschaft des Landes resultieren, blieben die saudischen Offiziellen ihnen eine Antwort schuldig. Laut einer Person, die an der Investorenpräsentation teilnahm, sorgte die Zurückhaltung von saudischer Seite für Aufregung unter den möglichen Geldgebern. „Wir haben dieselbe Frage auf verschiedene Art und Weise mehrmals gestellt. Eine Antwort jedoch bekamen wird nicht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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