CFD-Handel: Kurse der Derivatebroker brechen ein

CFD-Handel: Kurse der Derivatebroker brechen ein

, aktualisiert 06. Dezember 2016, 20:33 Uhr
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Zocker: Manche Anleger machen die Börse zum Spielcasino.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Wird jetzt auch der CFD-Handel streng reguliert? Die Pläne der britischen Finanzaufsicht schicken die Kurse der Broker in den Keller. Welche Vor- und Nachteile die riskanten Finanzprodukte bieten.

DüsseldorfDie mögliche Verschärfung der Auflagen für bestimmte Finanzinstrumente hat mehreren Brokerhäusern am Dienstag Rekord-Kursstürze eingebrockt. Die Aktien von CMC Markets und IG Group brachen in London um jeweils etwa ein Drittel auf 125,6 und 526 Pence ein. Konkurrent Plus500 büßte sogar knapp 40 Prozent seines Börsenwertes ein. Das war das drittgrößte Minus der Firmengeschichte.

Auslöser der Verkaufswelle waren Pläne der britischen Finanzaufsicht FCA, Anbieter sogenannter Contracts for Difference (CFD) zu genauerer Information über Verlustrisiken zu verpflichten. Außerdem soll das Handelsvolumen pro Kunde begrenzt werden. Sollte die Regulierung derart verschärft werden, müsse mit einem deutlichen Rückgang des CFD-Handels gerechnet werden, schrieben die Analysten der Investmentbank Liberum in einem Kommentar. Zudem würde das Geschäft für Brokerhäuser weniger profitabel.

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CFD gehören zu den Finanzderivaten, die viel weniger Kapital als herkömmliche Aktienkäufe bindet. Anleger zahlen nicht den vollen Preis, sondern hinterlegen eine Sicherheitsmarge von 10 oder 20 Prozent des gesamten Deals. Dabei spricht man von einem Hebeleffekt: kleiner Einsatz, große Wirkung.

Die CFD sind viel einfacher und transparenter als die herkömmlichen Optionen, die ein Verfalldatum haben und dadurch gegen Ende der Laufzeit automatisch an Wert verlieren. Der Wert des einzelnen CFD ist nur von der Kursveränderung der zu Grunde liegenden Aktie abhängig. Steigt der Kurs um einen Euro, legt auch der CFD um einen Euro zu. Das gilt natürlich auch bei Kursverlusten. Und das bei sehr niedrigen Transaktionskosten gegenüber anderen Hebelprodukten.

Im Gegenzug ist das Risiko beim Handeln deutlich größer, weil der Markt nicht reguliert ist. Der CFD-Broker ist Vertragspartei, und im Gegensatz zu herkömmlichen Futures besteht das Risiko, dass die Gegenpartei zahlungsunfähig wird. Der Broker kauft die zu Grunde liegenden Wertpapiere für die eigenen Bücher, und er garantiert, die Kursdifferenz später auszugleichen. Das investierte Geld liegt beim Broker – und ist vom Gesetz nicht wie Bankspareinlagen oder ein separates Wertschriftendepot bei Insolvenzen geschützt. Der Broker stellt auch die Preise.

Anleger brauchen nur einen Bruchteil der Summe einzusetzen, mit der sie eigentlich spekulieren. Diese Margin ist wesentlich geringer ist als der Gegenwert des Basisinstruments. Anleger streichen aber, wenn ihre Wette aufgeht, den vollen Kursgewinn ein. Die Höhe der Margin bestimmt dabei den Hebel. Bei einer Sicherheitsleistung von zwei Prozent liegt der Hebel bei 50, bei nur 0,5 Prozent Margin bei 200.

Ein Beispiel: Bei einer Hebelwirkung von zehn setzt der Anleger zehn Prozent des Basiswerts als Sicherheitsleistung ein. Kauft er also mit einem entsprechenden CFD-Kontrakt Daimler-Aktien für 10.000 Euro, muss er 1.000 Euro hinterlegen. Steigt der Daimler-Kurs um fünf Prozent, macht er 500 Euro Gewinn - bezogen auf seinen Einsatz also 50 Prozent. Hat der Stuttgarter Konzern an der Börse aber einen schlechten Tag und verliert fünf Prozent, ist der CFD-Anleger auch die Hälfte seines Einsatzes los.

Was die ganze Sache aber noch risikoreicher macht: Es gibt eine Nachschusspflicht der Anleger, die sogar mehr Geld verlieren können als sie eingesetzt haben. Denn sollte beispielsweise der Kurs außerhalb der Handelszeiten so weit einbrechen, dass das Geld nicht ausreicht, müssen Anleger die fehlende Summe nachzahlen. Bei außergewöhnlichen Kursbewegungen kann es sein, dass auch zu dem gewählten Stoppkurs die Position nicht verkauft wird, sondern erst zu einem deutlich tieferen Preis. Es gibt jedoch mittlerweile risikogeminderte CFD-Varianten ohne Nachschusspflicht.

Die Hebel variieren je nach Anbieter und Basiswert. Sowohl bei Comdirect als auch bei S-Broker handeln Kunden mit einem maximalen Hebel von 100. Wem das noch nicht genug Nervenkitzel ist, der kann den Einsatz – in diesem Fall den Hebel – noch erhöhen. Bei CMC Markets, dem größten Anbieter in Deutschland, zocken Investoren mit einem Hebel von bis zu 400. Anlegen mit Faktor 400 – das verspricht nicht nur satte Gewinne, wenn die Spekulation aufgeht. Das kann auch danebengehen und Anlegern hohe Verluste bescheren. Denn wie gesagt: Auch das Minus wird gehebelt.

Mit Material von Reuters

Quelle:  Handelsblatt Online
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