Dax-Ausblick: „Eine Nagelprobe für den Dax“

Dax-Ausblick: „Eine Nagelprobe für den Dax“

, aktualisiert 03. Juni 2017, 14:05 Uhr
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Anstehende Konjunkturdaten könnten die Euphorie einiger Börsianer bremsen.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Mit Schwung hat der Dax ein neues Allzeithoch erreicht. Die kommen Tage werden zeigen, wie stabil er wirklich ist. Zwei Wahlen, die EZB-Sitzung und Konjunkturdaten könnte eine harte Probe für die Märkte sein.

DüsseldorfMit einem neuen Allzeithoch ist der Dax ins verlängerte Wochenende gegangen. Die nächste Handelswoche ist aufgrund des Feiertags kürzer, aber dürfte deshalb nicht weniger aufregend werden. „Die anstehenden Wahlen und Notenbanksitzungen sind eine Nagelprobe für den Dax“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Kurzum: Es wird sich zeigen, wie robust die jüngsten Kursgewinne sind.

Der Fokus der Anleger gilt der Parlamentsneuwahl in Großbritannien am Donnerstag, bei der laut Umfragen die absolute konservative Mehrheit Theresa Mays zwar abnimmt, aber dennoch eindeutig zu erwarten ist. „Die Stimme des Volkes für die Eröffnung der Schlammschlacht Großbritanniens gegen die EU hat gesprochen“, kommentiert Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank, in seinem Wochenausblick.

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Einige Demoskopen prognostizieren aber einen Verlust der absoluten Mehrheit. Der Ausgang der Wahl hat einen großen Einfluss auf das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen. Sollten die Konservativen auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen sein, werde ein „sanfter Brexit“ wahrscheinlicher, bei dem Großbritannien nach einem EU-Austritt den Zugang zum europäischen Binnenmarkt behält, prognostiziert Rabobank-Volkswirt Stefan Koopman. Ein „Exit vom Brexit“ sei aber selbst dann nicht in Sicht, wenn die oppositionellen Liberaldemokraten und die Labour-Partei eine Koalition bildeten.

Der ungewisse Ausgang der britischen Parlamentswahlen ließ das Pfund Sterling in den vergangenen Tagen heftig schwanken – abhängig von den jeweiligen Umfrage-Ergebnissen. Am Freitag kostete die Währung 1,2850 Dollar. Gleichzeitig erreichten die Wetten auf einen erneuten Kurssturz des Pfund den höchsten Stand seit fast acht Monaten.

Den Dax ließen die bevorstehenden Wahlen in der abgelaufenen Handelswoche relativ unbeeindruckt. Die deutschen Standardwerte legten insgesamt knapp zwei Prozent zu und kletterten am Freitag auf ein Rekordhoch von 12.878 Punkten. Damit schloss der Dax die siebte Woche in Folge mit Gewinnen, immerhin die längste Serie seit viereinhalb Jahren.

Treiber dieser Entwicklung ist der wachsende Konjunkturoptimismus der Börsianer. In der Pfingstwoche wird es einige neue Zahlen gegeben, die diese gute Stimmung untermauern sollten. Investoren erwarten unter anderem gespannt den Konjunkturausblick der Europäischen Zentralbank (EZB). „Die EZB dürfte am Donnerstag Eurolands Konjunkturperspektiven etwas optimistischer bewerten“, sagt Robert Greil. Ulrike Kastens betont: „Es tut sich etwas in Europa.“ Die Volkswirtin vom Bankhaus Sal. Oppenheim rechnet mit einem Wachstum von zwei Prozent in diesem und 1,6 Prozent im kommenden Jahr. „Damit liegt die Euro-Zone fast gleichauf mit der US-Wirtschaft.“


Die Kernfrage: Was macht die EZB?

Die spannendste Frage ist aber wohl, ob die EZB ihren geldpolitischen Ausblick verändert. „Die EZB wird voraussichtlich einen weiteren Trippelschritt hin zu einer Beendigung der Anleihekäufe tun, indem sie die Wachstumsrisiken wohl erstmals seit langem als ausgeglichen beschreiben wird“, erwartet Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. „Bei der Sitzung im September dürfte sie dann in Aussicht stellen, die Anleihekäufe von Januar 2018 an herunterzufahren.“

Aktuell pumpt die Notenbank zur Ankurbelung der Konjunktur 60 Milliarden Euro monatlich in die Finanzmärkte. Auch Halver erwartet, dass die EZB die rückläufige Inflation als „willkommenes Alibi“ nutzt, eine geldpolitische Trendwende bis nach der Italien-Wahl zu verschieben. Aktuell wird an den Märkten darüber spekuliert, dass die Italiener ihre Wahlen auf den Herbst vorziehen.

Eine Bestätigung für Konjunkturoptimismus erhoffen sich Börsianer von den anstehenden Wirtschaftsdaten. Den Anfang macht das Barometer für die Stimmung der deutschen Einkaufsmanager am Pfingstmontag, an dem die Börse in Deutschland allerdings geschlossen bleibt. Am Mittwoch folgen die Auftragseingänge und am Donnerstag die Industrieproduktion. Aus der Euro-Zone stehen die Einzelhandelsumsätze (Dienstag) und das Wirtschaftswachstum (Mittwoch) auf der Agenda. In den USA werden unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Güter (Montag) veröffentlicht.

Mit Spannung wird auch die chinesische Handelsbilanz für den Mai erwartet, schließlich haben schwache Daten aus dem Reich der Mitte in der Vergangenheit häufig für heftige Ausschläge an den globalen Aktienmärkten gesorgt. Halver erwartet, dass sowohl der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor sowie erneut nachgebende Im- und Exporte verdeutlichen werden, „dass die Konjunktur nicht auf festen Füßen steht“. Und mit Blick auf die anstehenden Daten aus den USA, sagt er, „dass die US-Konjunkturerholung nicht reibungslos verläuft“.

Es könnte in der kommenden Woche also einiges Störfeuer von Seiten der Konjunktur kommen. Dass es also eine ruhige Woche wird ist nicht zu erwarten. „Die wichtigen Events dürften im Juni wieder zu mehr Schwankungen an den Märkten führen“, sagt Greil.

Von Unternehmen erwarten Experten kaum kursrelevante Nachrichten. Mit Spannung blicken sie allerdings auf die Hauptversammlung von Uniper am Donnerstag. Sie erhoffen sich Informationen zur Zukunft des Versorgers, den Spekulationen auf eine Übernahme durch den finnischen Konkurrenten Fortum in der alten Woche auf ein Rekordhoch von 18,30 Euro getrieben hatten. Dem Uniper-Großaktionär Eon verhalfen die Fusionsfantasien zum größten Wochengewinn seit drei Monaten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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