DAX-Ausblick: Im Zeichen der Schwergewichte

DAX-Ausblick: Im Zeichen der Schwergewichte

, aktualisiert 22. Oktober 2016, 10:33 Uhr
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Der EZB-Präsident vertagte jedwede Entscheidung über die Anleihekaufprogramme vorerst auf Dezember, schloss aber ein abruptes Ende im März 2017 aus. Das lässt den Euro schwächeln.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Apple, Bayer oder Deutsche Bank: In der neuen Handelswoche erhoffen sich Anleger Impulse von den großen Namen. Zudem dürften Konjunkturdaten die Diskussion um die Zinspolitik der Notenbanken erneut entfachen.

DüsseldorfDie Zinsen bleiben niedrig. Dafür hat Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag mit der Entscheidung gesorgt. Der Leitzins bleibt unverändert und auch an den monatlichen Anleihe-Ankäufen von 80 Milliarden Euro rüttelt er nicht. Für Sparer ist dies verdrießlich, für Häuslebauer und Aktionäre ist es eine gute Nachricht. Die Aussicht auf steigende Zinsen hätte dämpfend auf die Aktienkurse gewirkt.

Doch andererseits hat die Fortführung der lockeren Geldpolitik die Kurse am Freitag nicht beflügelt. Im Gegenteil. Lange dümpelte der Deutschen Aktienindex (Dax) so vor sich hin. Am Ende gelang dem wichtigsten deutschen Börsenbarometer aber noch der Schwung ins Positive. Er endete bei 10.711 Punkten um 0,1 Prozent im Plus. Auf Wochensicht hat der deutsche Leitindex 1,2 Prozent gewonnen. Auf europäischer Ebene sah es am Freitag ebenfalls mau aus. Der Euro Stoxx 50 schloss im Vergleich zum Vortag unverändert bei 3.076 Zählern.

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Dem Euro ist Draghis Äußerung, es werde kein abruptes Ende der Anleiheaufkäufe geben, nicht gut bekommen. Der Kurs sackte auf 1,0868 Dollar, den niedrigsten Wert seit 10. März dieses Jahres. Die europäische Gemeinschaftswährung dürfte angesichts der divergierenden Geldpolitik von EZB und US-Notenbank Fed noch weitergehen, erwartet die Helaba. „Wir erachten nach wie vor eine Verlängerung des Kaufprogramms als wahrscheinlich, so dass sich die EZB-Politik für den Euro weiter nicht als Hilfe erweist“, schreiben die Experten der Landesbank. Im Gegensatz zur EZB unterstütze die US-Notenbank derzeit die eigene Währung. Denn die Federal Reserve steuere auf eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr zu – mutmaßlich im Dezember.

Die nächste Woche verspricht kräftigere Impulse auf der Unternehmensebene, weil eine Reihe von Schwergewichten aus der Auto-, Chemie-, Finanz- und Informationstechnik ihre Quartalszahlen veröffentlichen. Am Montag meldet sich Philips zu Wort, am Dienstag legen Orange, Apple, General Motors und Renault nach. Am Mittwoch folgen Fiat Chrysler Bayer, Santander, PSA und der Zigaretten-Hersteller BAT („Lucky Strike“) der für 47 Milliarden Dollar seinen US-Konkurrenten Reynolds („Camel“) übernehmen will. Am Donnerstag sind die Augen in Deutschland auf die Deutsche Bank, VW und BASF gerichtet. In den USA gilt die Aufmerksamkeit Alphabet, Amazon und Twitter sowie Ford. Zum Wochenschluss präsentieren sich unter anderem BNP Paribas und Royal Bank of Scotland und Exxon Mobil.


BIP-Zahlen im Zeichen des Brexits

Gespannt erwartet werden auch die ersten Schätzungen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal für Großbritannien am Mittwoch und Frankreich und den USA am Freitag. Erstere sollten Rückschlüsse darauf erlauben, wie die Insel und andere EU-Mitgliedsländer den Austritt der Britten aus der Europäischen Union vertragen. In den USA spielt die wirtschaftliche Entwicklung vor allem eine Rolle bei der Einschätzung, ob die Fed im Dezember die Zinsen anheben wird. Zudem werden am Montag die Einkaufsmanagerindizes für den Euro-Raum wie auch für Deutschland veröffentlicht.

Die BayernLB geht davon aus, dass die Indizes nur leicht zulegen werden. Nicht weniger wichtig für die Einschätzung der näheren wirtschaftlichen Zukunft in Deutschland ist der ifo Geschäftsklimaindex am Dienstag. „Meldungen über steigende Preise und ein zuletzt aufwärtsgerichteter Ölpreis dürften die Stimmung der Verbraucher in Deutschland tendenziell belastet haben“, meinen die BayernLB-Analysten und erwarten für ein weiteres wichtiges Barometer für die deutsche Konjunktur, das GfK Verbrauchervertrauen, einen Rückgang.

Auf der monetären Seite dürften die Daten zur Geldmengen- und Kreditentwicklung im Euro-Raum der EZB zeigen, dass die Jahresrate der Kreditvergabe zwar weiter leicht gestiegen sein dürfte, der Kreditimpuls aber wohl weiter abgeebbt ist, erwarten die Bayern und ziehen als Fazit: „Der Druck auf die EZB dürfte von dieser Seite damit nicht nachlassen.“

Ohnehin werden die Auswirkungen der EZB-Entscheidung in der kommenden Woche noch nachhallen. Zumal in der Diskussion über die Aussagen der EZB zum ersten Mal seit langer Zeit die Inflation eine Rolle spielte. Aktuell steigen die Preise in der Euro-Zone um 0,4 Prozent. Doch Schätzungen gehen von einem Anstieg der Teuerungsrate bis zu 1,7 Prozent bis Ende 2017 aus.

Leidtragende wären nach Ansicht von Igor de Maack, Fondsmanager der französischen Investmentgesellschaft DNCA, Anleihebesitzer. „Aktien sind eine der wenigen Anlagenklassen, die nach wie vor eine positive Rendite bringen“, meint de Maack. Sie könnten davon profitieren, dass Anleger von Anleihen in Aktien umschichten. Was aus seiner Sicht eher lang- als kurzfristig geschehen könnte. „Noch sind wir aber weit von einer solchen Situation entfernt, da europäische Aktien seit nunmehr 34 Wochen Abflüsse verzeichnen.“


Nervosität vor US-Wahlen

Kurzfristig sorgt der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen für Nervosität. An US-Aktien interessierten Investoren gibt die DZ-Bank die Hinweise: Ein Wahlsieg Trumps werde den Energiesektor stabilisieren, aber seine zu erwartende Abschottungspolitik berge längerfristig ein deutliches Risiko für die Unternehmensgewinne. Ein potenzieller Vertrauensschaden durch einen Wahlsieg Trumps sei schwer einschätzen. Beide würden nach dem Sieg eine expansive wirtschaftspolitischen Kurs fahren, was positiv für die Unternehmensgewinne sei.

Für die schwache Performance des Dax war am Freitag unter anderem Daimler verantwortlich. Die Aktionäre durften sich zwar über ein Rekordergebnis im dritten Quartal 2016 freuen, mussten aber akzeptieren, dass der Umsatz 2017 sinken wird, vor allem weil das LKW-Geschäft schwächelt. Die Anteilseigner nahmen Gewinn mit und warfen Daimler auf den letzten Platz in der Dax-Rangliste mit einem Minus von mehr als zwei Prozent.

Zu den Verlierern gehörte auch RWE. Am Donnerstagabend hatte RWE mitgeteilt, dass der Börsengang der Ökostrom-Tochter Innogy weniger erfolgreich war als geplant. Der Energiekonzern nimmt aus dem Börsengang nur rund 2,6 Milliarden Euro ein, knapp 360 Millionen Euro weniger als gedacht. Ein Teil der Platzierungsreserve, Greenshoe genannt, ging für Stützungskäufe drauf.

Der optimistische Ausblick des Softwarekonzern SAP riss den Dax nicht aus der Lethargie. Die Reaktionen auf die Quartalsberichte von Daimler und SAP zeigen einmal mehr, dass an der Börse Zukunft und nicht Gegenwart honoriert wird. Den umgekehrt zu Daimler präsentierte SAP ein schwaches Quartalsergebnis, dafür aber einen positiven Ausblick. SAP führte die Kurshitliste im Dax mit mehr als drei Prozent Plus an.

Unter den Werten aus der zweiten Reihe fing sich der Maschinenbauer Gea nach anfänglich erneuten Verlusten. Der Düngemittelproduzent K+S gab in der Woche aufgebaute Gewinne teils wieder ab. Ursache war die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch Standard and Poors auf Ramschniveau „BB+“ von „BBB-“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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