Dax-Ausblick: Ist das schon die Jahresendrally?

Dax-Ausblick: Ist das schon die Jahresendrally?

, aktualisiert 04. November 2017, 17:22 Uhr
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Nach einer turbulenten Woche stehen erneut kurzweilige Tage auf dem Börsenparkett bevor. Zahlreiche Konzerne präsentieren ihre Quartalszahlen.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Der Dax ist auf Rekordjagd. Aber wie lange noch? Dass der deutsche Leitindex noch mal 300 Punkte in einer Woche zulegt, ist eher unwahrscheinlich. Und obwohl es Störfeuer geben könnte, sind Experten optimistisch.

DüsseldorfVon Allzeithoch zu Allzeithoch – der Dax knackt eine Rekordmarke nach der anderen. Am Freitag fiel die Marke von 13.500 Punkten. Seit der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) Ende Oktober gibt es für das wichtigste deutsche Börsenbarometer kein Halten mehr. Viele Anleger fragen sich nun: Ist das schon die Jahresendrally? Und wie lange dauert die Rally noch?

Experten sind optimistisch. „Allerdings wachsen auch an den Aktienmärkten die Bäume nicht in den Himmel“, gibt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstrategie bei der Baader Bank, zu bedenken. Immerhin hat der Dax in der abgelaufenen Woche fast 300 Punkte zugelegt – eine mehr als stolze Leistung.

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Phasen der Konsolidierung, die für wieder zunehmende Schwankungen sorgen können, müsse man einkalkulieren. „Ein Crash jedoch ist nicht absehbar“, sagt Halver. „Mit Blick auf immer noch unterinvestierte Vermögensverwalter und die anlagetechnische Großwetterlage sind bis Jahresende weitere Kursgewinne zu erwarten.“

Ein weiteres Indiz dafür, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist: Es gab bisher keine Gewinnmitnahmen, die man auf solch einem hohen Niveau erwartet hätte. Vermutlich ist die Investitionsquote der institutionellen Anleger zu niedrig. Finanzmarktexperte Joachim Goldberg von der Beratungsfirma Goldberg & Goldberg formulierte die Lage im Laufe der Woche treffend: „Es tanzen noch längst nicht alle auf dem Vulkan. Börsianer müssten derzeit den Eindruck haben, sie befänden sich in der besten aller möglichen Welten.“

Bleibt das auch in den kommenden Tagen so? Nach dieser nachrichtenreichen Woche mit drei Notenbanksitzungen und vielen Top-Konjunkturdaten können Börsianer in der neuen Woche kaum verschnaufen, denn die Quartalszahlensaison läuft weiter auf Hochtouren. Auf Börsianer kommt eine Flut von Bilanzzahlen zu, darunter zahlreiche Konzerne aus der ersten Börsenliga. „Für den Dax könnte das bedeuten, dass es weiter nach oben geht“, sagt NordLB-Aktienstratege Tobias Basse.

Am Dienstag legen unter anderem BMW und Zalando ihre Zahlen vor. Eon, Heidelberg Cement und Vonovia folgen am Mittwoch. Am Donnerstag erreicht die Quartalssaison dann ihren Höhepunkt – mit Siemens, Adidas, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Munich Re, Merck, Pro Sieben Sat.1, Continental und Commerzbank legen gleich neun der 30 Dax-Konzerne ihre Zahlen vor. Aus dem Ausland öffnen Schwergewichte wie Unicredit, Arcelor Mittal und Walt Disney ihre Bücher.

Interessant für Börsianer ist natürlich auch, ob US-Präsident Donald Trump seine vollmundig angekündigte Steuerreform tatsächlich durchbekommt. Er will Firmen, Privatleute und Familien in den kommenden zehn Jahren um mehrere Billionen Dollar entlasten. „Wenn die geplanten Maßnahmen wie von Trump angekündigt noch vor Weihnachten in ein Gesetz gegossen werden sollen, dann wird man sehr bald Fortschritte sehen müssen“, sagt Aktienstratege Basse.


Zahlenflut am Donnerstag

Volkswirtin Christine Schäfer von der DZ Bank ist allerdings skeptisch, dass der Republikaner bei seinem Vorhaben schnelle Erfolge erzielt. „Auch ohne den großen Zeitdruck, unter dem die US-Abgeordneten und der Präsident jetzt agieren, wäre das Konzipieren einer umfassenden Steuerreform eine Herkulesaufgabe“, glaubt sie. Es sei zu befürchten, dass bei einem schnell umgesetzten Kompromiss eine nachhaltige Fiskalpolitik auf der Strecke bleibe.

Befürchtungen, dass die Staatsverschuldung in den USA durch eine solche Steuerreform weiter steigt, könnten den Dollar belasten. Das wiederum dürfte dem Euro einen Schub geben. An den Aktienmärkten käme eine anziehende Gemeinschaftswährung allerdings nicht gut an, da sich dadurch die Chancen der exportfokussierten Unternehmen aus der Euro-Zone verschlechtern würden.

Auch von der Konjunkturfront gibt es Neuigkeiten. „Nachdem die wichtigsten Notenbanken getagt haben, werden die Märkte wieder verstärkt darauf achten, ob die konjunkturellen Frühindikatoren weiter überzeugen“, sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. In Deutschland stehen nach den Auftragseingängen der Industrie für September am Montag tags darauf die Industrieproduktion und am Donnerstag die Handelsbilanz jeweils für denselben Monat an. „Die überschaubare Makrodaten-Agenda spricht für eine Verschnaufspause an den Börsen“, so Greil.

In der Euro-Zone folgen den Produzentenpreisen zum Wochenstart am Dienstag die September-Einzelhandelsumsätze und am Donnerstag das Update der Wachstumsprognosen der Europäischen Kommission. In den USA wird am Freitag das vorläufige Michigan-Verbrauchervertrauen für November erwartet. Hinzu kommen aus China noch die Handelsbilanz für Oktober am Mittwoch sowie die Inflations- und Produzentenpreisdaten für Oktober am Donnerstag.

Großes Gesprächsthema an den Börsen wird nach Einschätzung von Analysten auch die Ernennung von Jerome Powell zum neuen Chef der US-Notenbank Fed bleiben. Der 64-Jährige soll im Februar das Amt von Janet Yellen übernehmen. „Powells Nominierung gilt als Signal für geldpolitische Kontinuität“, sagt Anna Stupnytska, Ökonomin beim Vermögensverwalter Fidelity. „Auf kurze Sicht dürfte sich daher an den sehr behutsamen Zinserhöhungen nichts ändern.“ Börsianer gehen davon aus, dass die Fed im Dezember die Leitzinsen erneut anheben wird – es wäre die dritte Leitzinserhöhung in diesem Jahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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