Dax-Umfrage: „Ein neuer Ausverkauf ist nicht in Sicht“

Dax-Umfrage: „Ein neuer Ausverkauf ist nicht in Sicht“

, aktualisiert 11. Juli 2016, 14:08 Uhr
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Ein Aktienhändler zeigt im Handelssaal der Börse auf einen seiner Monitore. Der deutsche Leitindex konnte sich von den deutlichen Kursverlusten Anfang der vergangenen Woche wieder deutlich erholen.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der deutsche Leitindex hat am Freitag eine sehenswerte Rally hingelegt. Und doch herrscht Katerstimmung unter den verunsicherten Anlegern. Was das für diese Börsenwoche bedeutet, zeigt eine exklusive Analyse.

DüsseldorfDie heftigen Turbulenzen hinterlassen Spuren bei der Stimmung unter den Anlegern. Die Panik von vor zwei Wochen wurde zu einem neutralen Abwarten in der Vorwoche. Laut der aktuellen Umfrage steigen bei den Umfrageteilnehmern trotz der zum Ende der Woche deutlich gestiegenen Kurse Katerstimmung, Niedergeschlagenheit und Verunsicherung wieder an.

Das lässt sich aus dem Handelsblatt-Dax-Sentiment ablesen, einer wöchentlichen Umfrage unter mehr als 2300 Anlegern. Die Erhebung wird vom Börsenexperten Stephan Heibel ausgewertet und interpretiert. Für ihn ist das aktuelle Sentiment nach wie vor negativ und bietet daher wenig Anlass für einen heftigen Ausverkauf. Denn die Stimmung zur aktuellen Börsensituation ist in vielen Fällen ein Kontraindikator.

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„Im Sinne der Sentimentanalyse ist überschäumender Optimismus erst dann zu sehen, wenn alle Anleger investiert sind und somit nicht mehr als Käufer zur Verfügung stehen, fallende Kurse sind die Folge“ erläutert Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Umgekehrt diene Pessimismus als Indikator dafür, dass viele bereits verkauft haben und somit nicht mehr durch weitere Verkäufe die Kurse weiter in die Tiefe treiben können.

Ein Wendepunkt finde häufig bei extrem niedrigem Handelsvolumen (fehlendes Interesse, kaum jemand glaubt an die Wende) oder bei extrem hohem Handelsvolumen (Panikverkauf) statt. Das beste Beispiel dafür war der Oktober 2014, als laut der damaligen Handelsblatt-Umfrage Panik unter den Anlegern herrschte, der Dax auf fast 8.300 Zähler fiel und danach eine erneute Rally eingeleitet wurde. „Der Großteil der Korrektur liegt hinter uns“, schrieb damals Heibel.

„Diesmal würde ich auf extrem niedriges Handelsvolumen achten“, meint der Animusx-Inhaber. Denn das aktuelle Umfrageergebnis zeigt: Handeln möchten vorerst nur wenige. Nur 27 Prozent wollen in den kommenden zwei Wochen Aktien kaufen, elf Prozent (unverändert) wollen verkaufen. Die meisten warten vorerst ab – plus drei Prozentpunkte auf 62 Prozent. Diese Zurückhaltung passe zum aktuell niedrigen Handelsvolumen. „Kaum jemand möchte auf dem niedrigen Kursniveau noch Aktien verkaufen, doch auch für beherzte Käufe ist die Situation noch zu unsicher“, erläutert der Sentimentexperte.


In den USA sind Anleger bereits gierig

Die weiteren Umfrageergebnisse: Fast jeder dritte Umfrageteilnehmer (31 Prozent) und damit neun Prozent mehr als in der Vorwoche betrachten den Dax in einem Abwärtsimpuls, weitere 41 Prozent (unverändert gegenüber der Vorwoche) sehen eine Seitwärtsbewegung. Nur noch elf Prozent (minus sieben Prozentpunkte) glauben an einen Aufwärtsimpuls.

15 Prozent der Anleger (minus acht Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) wurden von den heftigen Schwankungen völlig überrascht, weitere 33 Prozent (plus elf Prozentpunkte) haben das kaum erwartet. Damit bleibt die Verunsicherung hoch. Die Erwartung ist nahezu unverändert zur Vorwoche: 35 Prozent (minus drei Prozentpunkte) gehen für den Dax in drei Monaten von einer Seitwärtsbewegung aus, weitere 31 Prozent erwarten einen Aufwärtsimpuls. Fallende Kurse fürchten nur 18 Prozent.

Vor einer Woche hatte Heibel erwartet, dass es eine Stabilisierung auf dem aktuellen Kursniveau geben würde. „Zumindest gibt es keine Indizien für einen erneuten Einbruch“, sagte er. Der deutsche Leitindex fiel in der vergangenen Woche zunächst deutlich, holte den Großteil der Verluste zum Wochenende wieder auf. Zum Schluss blieb ein Wochenminus von 1,6 Prozent.

Internationale institutionelle Anleger hätten in den vergangenen Wochen vorsichtshalber Positionen abgebaut. Die Brexit-Entscheidung hat Portfolioanpassungen nach sich gezogen, das scheint nun vorbei zu sein.
Ein Blick auf andere Stimmungserhebungen weltweit ergibt: Der Angst-und-Gier-Index aus den USA notiert bei 78 Prozent und zeigt damit Gier an. „Vor dem Hintergrund der guten US-Börse ist das nicht verwunderlich, spricht aber dafür, dass die Kurse in den USA nicht mehr in den Himmel wachsen“, erläutert Heibel.


„Begrenztes Risiko bei verhaltenen Chancen“

US-Privatanleger sind genau wie in Deutschland extrem neutral eingestellt, sie warten vorerst ab. Börsenbriefschreiber in den USA trauen sich wieder was, der Anteil von Kaufempfehlungen ist um acht Prozent auf 35 Prozent gesprungen. Der Sentimentindex der Börse Frankfurt attestiert den Privatanlegern große Vorsicht, während institutionelle Anleger nahezu unverändert verhalten optimistisch agieren.

„Es ist ein gemischtes Bild, das wir den verschiedenen Sentiment-Erhebungen entnehmen“, lautet das Fazit. In Deutschland seien Anleger verunsichert und halten sich zurück, in den USA gibt es konstruktiven Optimismus. Die Stimmungsbilder dürften nicht unbedingt eine baldige Rally nach sich ziehen. Doch auf der anderen Seite scheine ein heftiger Ausverkauf derzeit ebenso unwahrscheinlich.

Heibels Motto: Begrenztes Risiko bei verhaltenen Chancen. „Wir befinden uns nach wie vor beim Dax in der Handelsspanne zwischen 9.400 und 9.800 Punkten und sind gespannt, wie Anleger reagieren, wenn diese Handelsspanne verlassen wird“, analysiert er. Erstes Indiz auf der Unterseite: Der Dax bei 9.315 Punkten hat in dieser Woche keine panikartigen Verkäufe ausgelöst.

Die Handelsblatt-Umfrage startet jeden Freitag und endet am Sonntag. Die Auswertung lesen Sie tags darauf auf Handelsblatt Online. Einfacher haben es Leser, die sich für eine kostenlose Erinnerungsmail eintragen. Sie erhalten automatisch eine Mail mit der Bitte, an der Umfrage teilzunehmen, und eine, wenn die Experten-Auswertung auf Handelsblatt Online zu lesen ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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