ETF-Dachfonds: Vernichtendes Urteil

ETF-Dachfonds: Vernichtendes Urteil

, aktualisiert 11. Juli 2016, 18:36 Uhr
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Hongkongs Innenstadt: Aktien aus Fernost spielen eine immer wichtigere Rolle in vielen Investmentfonds.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

ETF-Dachfonds halten oft nicht, was sie versprechen: Preiswert zu sein und eine professionelle Vermögensverwaltung bieten, die Mehrwert gegenüber Marktrenditen bringt. Fondsanalysten fällen ein negatives Urteil.

FrankfurtDer Mix macht‘s nicht immer. Jedenfalls offenbar nicht im Fall von Fonds, die auf ETF setzen. Die Manager solcher ETF-Dachfonds investieren nicht nur einfach in günstige, klar strukturierte Indexfonds. Die Profis stellen für Anleger auch die Anlageklassen zusammen. Und seit die Briten mit ihrem Votum für einen Brexit die Finanzmärkte schockten, haben sich diverse dieser Fonds relativ stabil gehalten, wie Anbieter hervorheben.

Allerdings schwanken die meisten der 123 Fonds am Markt über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt meist stärker im Wert als ihre Börsenvergleichsindizes, wie die Analysten Ali Masarwah und Michael Haker vom Fondsratinghaus Morningstar für die ebenfalls recht bewegten vergangenen drei Jahre berechnen. So weisen ETF-Dachfonds mit spekulativer Strategie – also relativ hohem Aktienanteil – eine Volatilität von gut einem Zehntel auf, der Vergleichsindex gut neun Prozent.

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Fonds mit flexibler Strategie schwankten mit 9,3 Prozent sogar um gut ein Drittel mehr als der Index. Nur konservative ETF-Dachfonds, die einen eher hohen Anleiheanteil und eine relativ geringe Aktienquote besitzen, schwankten mit gut vier Prozent etwas weniger als ihr Vergleichsindex.

Was aber schwerer wiegt: Die vermeintlich günstigen Rundum-Sorglos-Pakete sind oft weder billig noch frei von Risiken, die der Mensch – also hier der Fondsmanager – verursacht. „Doppelt enttäuschend“, lautet denn auch das Urteil der Morningstar-Analysten.

Die Dachfonds mit börsengehandelten Indexfonds ETF kosten teilweise so viel wie aktive, von Fondsmanagerhand gemanagte Produkte. Im Durchschnitt sind es knapp zwei Prozent pro Jahr an laufenden Gebühren. Dabei gilt nach Analyse von Morningstar: Je höher der Aktienanteil, desto höher sind auch die Gebühren. Von diesen Gebühren wird nicht nur der Fondsmanager, sondern auch der Vertrieb entlohnt.

Außerdem bilden diese Fonds nicht schlicht den Markt ab, wie es der Name ETF suggeriert. Der Dachfondsmanager gibt der Strategie seine Note durch persönliche Gewichtungen oder bestimmte Trends, die er spielt. Da können Extra-Chancen auf Kursgewinne winken, wenn es gut läuft. Wenn es schlecht läuft, lauern aber auch zusätzliche Risiken.


Die Rendite der meisten ETF-Dachfonds ist relativ schwach

Unterm Strich konnten die meisten Fonds jedenfalls mit ihrer Rendite nicht überzeugen: Die Dach-ETF hinken im Durchschnitt ihren Börsenvergleichsindizes wie auch den aus verschiedenen Wertpapieren gemischten Fonds hinterher - dies in den vergangenen zwölf Monaten bis hin zu fünf Jahren, wie Morningstar berechnet. Das gilt für jede Art von Dach-ETF mit konservativen bis hin zu spekulativen Strategien.

Über drei Jahre etwa lagen beispielsweise konservative Fonds gut fünfzehn Prozentpunkte hinter ihren Indizes zurück, über fünf Jahre sogar knapp dreißig Punkte. Absolut betrachtet schafften diese Fonds in den vergangenen drei Jahren knapp zwei Prozent Rendite jährlich.

Bei den flexiblen und bei den spekulativen Strategien war die „Minderrendite“ gegenüber den Vergleichsindizes noch höher: In den vergangenen drei Jahren erzielten die flexiblen Fonds im Durchschnitt gut zwei Prozent Rendite im Jahr, die aktienlastigeren spekulativen Produkte im Schnitt 4,5 Prozent jährlich. Damit hinkten sie ihren Vergleichsindizes um rund ein Fünftel hinterher, über die vergangenen fünf Jahre sogar um rund 40 Prozent.

Wer also breit investieren möchte, um Börsenausschläge möglichst abzumildern, sollte sich besser nach Alternativen umschauen. Morningstar-Analyst Masarwah gefallen preiswerte Fonds, die nach bestimmten Regeln investieren. Als Beispiel nennt er einen Fonds, der einen Weltaktienindex gewichtet nach Wirtschaftskraft abbildet und das Gewicht immer wieder rebalanciert. Das Konzept dieses Mischfonds namens „Arero – Der Weltfonds“ hat Finanzwissenschaftsprofessor Martin Weber entwickelt.

Mit laufenden Kosten von 0,55 Prozent des Anlagekapitals im Jahr und einem Abschlag zwischen An- und Verkaufspreis gehöre der Fonds zu den günstigen Produkten. Morningstar gefällt das „einfache Konzept des Fonds“, das allerdings durch den Einsatz von Derivaten eine gewisse Komplexität erhalte. In den vergangenen drei bis fünf Jahren hat der Fonds allerdings hinter der Konkurrenz zurück gelegen, vor allem wegen seines erhöhten Rohstoff- und Schwellenländeranteils. Rohstoffe machen derzeit 15 Prozent des Fondsvermögens aus, Schwellenländeraktien rund ein Viertel. In diesem Jahr holt der Fonds auf.

Die Morningstar-Analysten verzeihen die gesehene Rendite-Schwäche: Anleger sollten sich generell bewusst sein, dass die Performance strategiebedingt deutlich vom Kategoriedurchschnitt abweichen kann, meinen sie. Auch für interessant hält Morningstar-Mann Masarwah den im Frühjahr aufgelegten ETF-Dachfonds der Commerzbank-Tochter Comstage „Vermögensstrategie Ucits ETFI“, der mit ETF vor allem auf Aktien aus Europa, wie auch auf Anleihen und Rohstoffe setzt. Die laufenden Kosten betragen weniger als 0,5 Prozentpunkte im Jahr plus Handelskosten. Wie viel Rendite das Produkt schaffen kann, muss sich noch erweisen. Wer es sich zutraut, kann aber auch ganz einfach und billig selbst verschiedenste ETF mischen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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