Finanzmarkt in Österreich: Wiener Börse im Höhenrausch

Finanzmarkt in Österreich: Wiener Börse im Höhenrausch

, aktualisiert 21. Mai 2017, 07:58 Uhr
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Das neue Gebäude der Wiener Börse an der Wallnerstrasse 8. Vor einigen Jahren ist das Unternehmen von seinem alten Standort am Schottenring weggezogen.

von Milena Merten und Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Das österreichische Börsenbarometer lässt sein deutsches Pendant derzeit weit hinter sich. Der Leitindex ATX erlebt einen regelrechten Höhenflug. Lohnt sich noch ein Einstieg? Anleger sollten lieber genauer hinschauen.

FrankfurtDie Wiener Börse erlebt derzeit einen Höhenflug. Seit Jahresbeginn hat die dortige Benchmark Austrian Trade Index (ATX) um 18 Prozent zugelegt. Anfang Mai knackte sie zum ersten Mal seit fast neun Jahren wieder die 3.000er-Marke. Da kann der Deutsche Aktienindex (Dax) nicht mithalten. Der deutsche Pendant legte im gleichen Zeitraum nur um etwa neun Prozent und damit rund die Hälfte zu.

Bereits seit Mitte 2016 geht es an dem dortigen Finanzmarkt wieder kontinuierlich aufwärts. Er scheint seine Krise überwunden zu haben. Experten der Bank Erste Group schätzen auch die Aussichten rosig ein. „Wir sehen ein starkes Momentum, unterstützt von einer Vielzahl anderer Indikatoren“, schrieben die Analysten Mitte Mai dieses Jahres. „Der langfristige Trend zeigt weiterhin eindeutig nach oben.“

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Dabei sorgte sich der österreichische Finanzmarkt lange Zeit darum, bedeutungslos zu werden. Dabei ist die Wiener Börse eine der traditionsreichsten Wertpapierbörsen der Welt. Sie wurde 1771 von der Habsburger Monarchin Maria Theresia gegründet, um dem unkontrollierten Handel mit Wertpapieren Einhalt zu gebieten.

Im Leitindex ATX sind die 20 größten börsennotierten Firmen Österreichs gelistet. Dazu zählen unter anderem die Erste Group Bank, das Öl- und Gasunternehmen OMV oder der Stahlkonzern Voestalpine. Der Index startete 1991 bei 1.000 Punkten, profitierte zur Jahrtausendwende vom Osteuropa-Boom und erreichte 2007 mit 5.000 Punkten sein Allzeithoch. In der Finanzkrise wurde die starke Ostorientierung der österreichischen Unternehmen allerdings zum Problem. Der ATX kollabierte regelrecht und stürzte auf unter 2.000 Punkte ab. Die geplante Fusion mit Warschau zu einem osteuropäischen Börsenverbund scheiterte.

Mit seinen aktuell 3150 Zählern liegt der österreichische Index noch deutlich unter seinem Allzeithoch, während der Dax 30 in dieser Handelswoche neue Rekordhochs markiert hat, zuletzt bei 12841 Zählern. Doch Vorsicht, sollten Anleger jetzt auf einen Nachholbedarf das ATX gegenüber dem Frankfurter Barometer setzen. Zwischen beiden Indizes gibt es erhebliche Unterschiede – nicht nur wegen der unterschiedlichen Zahl der Indexmitglieder. Die Frankfurter Benchmark ist ein Perfomance-Index, bei dem die Dividendenausschüttungen miteingerechnet werden, das Wiener Barometer hingegen ein Preisindex – ohne Dividenden. So wie die meisten anderen internationalen Indizes auch.


Der wichtigste Unterschied zwischen Dax und ATX

Der wichtigste Unterschied: Das Wohl und Wehe, also die Gewinne und Verluste, werden beim ATX von wenigen, großen Unternehmen dominiert. Allein die beiden Aktien Erste Group und OMV haben zusammen einen Anteil von mehr als 36 Prozent an der Indexentwicklung. Das bedeutet: Steigen beide Aktien jeweils um 10 Prozent, steigt der Index um gut 3,6 Prozent – vorausgesetzt, die anderen ATX-Papiere bleiben unverändert. Das ist beim Dax anders. Jeder der dreißig Werte darf maximal einen Indexanteil von zehn Prozent haben. Falls sich bei der Berechnung der Marktkapitalisierung (Aktienkurs x Anzahl der Aktien) ein höherer Anteil ergibt, wird der Wert gedeckelt.

Ein weiteres sogenanntes Klumpenrisiko beim ATX: Fast die Hälfte der Gesamtkapitalisierung entfällt auf Finanz- und Immobilienfirmen wie Erste Group, die Raiffeisenbank, den Wohnungskonzern Buwog oder die Versicherung Uniqa. Das erklärt auch den dramatischen Absturz während der Finanzkrise 2007.

Der Ökonom Thomas Gehrig warnt deshalb davor, den aktuellen Aufschwung der Wiener Börse überzubewerten. Der Professor für Finanzwirtschaft an der Uni Wien meint, die guten temporären Werte änderten nichts an den Grundproblemen der Wiener Börse: „Im ATX ist kein richtiger Wachstumsmarkt vertreten“, sagt er. Wenn Österreich international mitspielen wolle, müsse sich die die Börse für kleine und mittlere Unternehmen öffnen. „Ansonsten bleibt das ein Strohfeuer.“ Mit der derzeitigen Komposition seien zukünftige Schwankungen vorprogrammiert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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