Gewinnwarnungen nehmen zu: Immer mehr Unternehmen kassieren ihre Prognosen

Gewinnwarnungen nehmen zu: Immer mehr Unternehmen kassieren ihre Prognosen

, aktualisiert 18. August 2016, 10:30 Uhr
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Für Anleger und Börsenhändler sind es turbulente Zeiten: Unternehmen kappen zunehmend ihre Gewinn- und Umsatzprognosen, zudem sorgen Brexit, stark schwankende Wechselkurse und Terrorangst immer wieder für Wirbel an der Börse.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Noch nie waren Vorhersagen deutscher Unternehmen so unzuverlässig: Die Zahl der Gewinnwarnungen steigt auf ein Rekordhoch – mit deutlichen Auswirkungen auf die Aktienkurse. Welche Branchen besonders enttäuschten.

Immer mehr deutsche Unternehmen müssen ihre Prognosen nach unten korrigieren. Im ersten Halbjahr 2016 kam es zu 26 Gewinn- oder Umsatzwarnungen. Das war zwar nur eine mehr als im Vorjahreszeitraum. Doch noch im ersten Halbjahr 2011 gaben die Firmen gerade einmal zwölf derartige Warnungen heraus. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft EY.

Ärgerlich sind solche Anpassungen für Anleger vor allem deshalb, weil sie sich negativ auf die Aktienkurse auswirken. Im Schnitt sanken die Kurse der betroffenen Unternehmen am Tag der Gewinnwarnung um sechs Prozent. Eine Woche danach notierte die Aktie sogar durchschnittlich acht Prozent unter dem Wert vor der Ad-hoc-Meldung.

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Ein Grund für die gehäuften Prognosekorrekturen: Die starken Schwankungen auf den weltweiten Absatz- und Finanzmärkten machen das Geschäft noch weniger planbar als in der Vergangenheit. „Die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen hinterlassen zunehmend Spuren im operativen Geschäft vieler deutscher Unternehmen“, sagt EY-Partner Marc Förstemann. „Entsprechend mussten zahlreiche Unternehmen ihre Ziele nach unten korrigieren.“



Besonders häufig enttäuschten bislang Groß- und Einzelhändler sowie Chemiekonzerne ihre Anleger. Jedes vierte Unternehmen aus diesen beiden Branchen musste im ersten Halbjahr eine Gewinnwarnung herausgeben.

Allerdings übertrafen in dem Zeitraum auch viele Firmen ihre ursprünglichen Vorhersagen: Insgesamt 43 sogenannte Gewinn- oder Umsatzerwartungen wurden veröffentlicht. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 61 Anpassungen nach oben gewesen. Auch dann reagierten die Aktien: Unmittelbar nach der Ankündigung kletterten die Kurse im Schnitt um fünf Prozent. Sieben Tage später schrumpfte das Plus allerdings auf nur noch vier Prozent. „Gewinnwarnungen werden an der Börse stärker bestraft, als Anhebungen der Prognosen belohnt werden“, erklärt Martin Steinbach, Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY.

Besonders unzuverlässig sind die Vorhersagen der Dax-Konzerne: Insgesamt 13 Prognosekorrekturen wurden im ersten Halbjahr von den 30 Unternehmen veröffentlicht. In immerhin acht Fällen schraubten sie ihre Erwartungen nach oben – unter anderem Adidas, Fresenius und Vonovia. Fünf Firmen – darunter Deutsche Lufthansa und Commerzbank – passten die Prognosen dagegen nach unten an.

Im Gesamtjahr 2015 mussten 44 Prozent aller Unternehmen im Prime Standard, dem Börsensegment mit den höchsten Transparenzanforderungen, mindestens einmal ihre eigene Prognose kassieren. Für das laufende Jahr rechnet Steinbach mit einem ähnlich hohen Anteil.



Zwar überwogen im ersten Halbjahr noch die positiven Prognoseanpassungen. Doch es deutet sich eine Trendwende an: Während im ersten Quartal noch deutlich mehr Gewinnerwartungen als Gewinnwarnungen publiziert wurden, gab es im zweiten Quartal genauso viele Korrekturmeldungen nach oben wie nach unten. „In den vergangenen Wochen haben sich die konjunkturellen Aussichten spürbar eingetrübt“, beobachtet Förstemann. „Brexit-Votum, Währungsturbulenzen, Terrorangst: Immer wieder sorgen Hiobsbotschaften für Verunsicherung.“

Dass Unternehmen immer häufiger ihre Ziele verfehlen, führt der Experte auch auf unzureichende Prognosemodelle zurück: „Viele Unternehmen sind damit überfordert, in ihren Modellen die komplexen Realitäten abzubilden.“ In einigen Fällen habe die Unternehmensleitung zudem keinen vollständigen Überblick über die aktuelle Lage im Konzern. „Gerade weit entfernte Vertriebs- und Produktionsstandorte sowie jüngst zugekaufte Konzernteile führen mitunter ein gefährliches Eigenleben“, stellt Förstemann fest. Das alles spricht dafür, dass die Prognosen wohl auch weiterhin sehr ungenau bleiben dürften.

Quelle:  Handelsblatt Online
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