Starke Marktstellung, stabile Gewinne, unterbewertete Aktien: Star-Investor Warren Buffett sucht genau solche Unternehmen. In Deutschland würde er fündig.

Günstige Aktien: Mr. Buffett, notieren Sie bitte!

von Niklas Hoyer, Heike Schwerdtfeger, Georg Buschmann, Mark Fehr und Anton Riedl

Investorenlegende Warren Buffett sitzt aus Mangel an Anlagemöglichkeiten auf knapp 100 Milliarden Dollar Cash. Das muss nicht so bleiben: Passende Aktien gibt es – in Deutschland.

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Warren Buffett sitzt auf knapp 100 Milliarden Dollar Cash.

Mit Lebensweisheiten geizte Großinvestor Warren Buffett nicht, als sich im Mai rund 30.000 Aktionäre seiner Holding Berkshire Hathaway in der Mehrzweckhalle von Omaha im US-Bundesstaat Nebraska versammelt hatten. Wenn er ein Jahr länger leben könne, dafür aber nur noch Spargel und Brokkoli essen dürfe, wolle er lieber bei Steaks und Coca-Cola bleiben, sagte der 86-Jährige: „Langlebigkeit hat für mich auch mit Lebensfreude zu tun.“ Auf dem Podium vor ihm: seine rote Cola-Dose. Ebensolche mit Buffetts Konterfei bekamen Aktionäre vor Ort zum Stückpreis von zwei Dollar. An Coca-Cola hält Buffett über neun Prozent – eines der größten Berkshire-Investments.

Beim Aufspüren neuer Investments aber taugt Buffett derzeit kaum noch als Ratgeber. Ende Juni hatte Berkshire gigantische 99,7 Milliarden Dollar Cash und als Bargeldersatz gedachte Wertpapiere aufgetürmt – 15 Prozent der Bilanzsumme. Er wolle nicht lange auf so viel Geld sitzen bleiben, sagte Buffett. Nur etwa 20 Milliarden Dollar Cash gelten als erwünscht. „Die Frage ist: Sind wir in der Lage das Geld anzulegen?“ Er würde sich freuen, wenn sein Telefon bald wegen einer spannenden Offerte klingeln würde. Vielleicht sollte Buffett selbst zum Hörer greifen und Martin Wirth anrufen. Der Fondsmanager des Vermögensverwalters FPM aus Frankfurt saß im Mai in Omaha im Publikum, angereist mit anderen deutschen Fans des von Buffett propagierten Value-Investing. Wie Buffett suchen Wirth und seine Mitreisenden nach Aktien, deren Preis unter dem eigentlichen Wert des Unternehmens liegt. Um diesen Wert zu ermitteln, stützen sich Value-Anhänger auf Geschäftsdaten, nicht auf Trends oder Stimmungen.

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Offenbar ist Wirth derzeit inspirierter als das Vorbild selbst. Für einen auf deutsche Werte spezialisierten FPM-Fonds findet er genügend günstige Aktien. Selbst bei den Standardwerten aus dem Dax sieht er Chancen. Als Aktionäre zuletzt fürchteten, dass der schwache Dollar-Kurs die Gewinne der Unternehmen belasten und die Krise in Nordkorea eskalieren könnte, griff er beim Pharmaunternehmen Bayer und beim Dialysespezialisten Fresenius Medical Care zu.

Buffett-Jünger wünschen sich einen „tiefen Burggraben“ um das Geschäft, es soll schwer anzugreifen sein. Wer Wettbewerber fernhält, sichert sich eine gute Marge und eine hohe Rendite. Außerdem soll die Bewertung niedrig und das Management möglichst verlässlich sein. Optimal wären, wie Buffett einmal sagte, Unternehmen, die auch von einem Idioten geführt werden könnten – denn irgendwann wird ein Idiot sie führen.

Auf Einkaufstour in Deutschland

Wirth räumt ein, dass er im täglichen Geschäft Abstriche bei den Kriterien machen muss. Dann akzeptiere er einen höheren Preis, wenn die Qualität der Aktie stimmt. Schließlich ist auch Buffett kein Anhänger der reinen Lehre. Vor 20 Jahren wollte er nicht in IT investieren. Inzwischen hat er seine Meinung geändert und ist bei IBM und Apple eingestiegen.

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