Italien-Referendum als Test: Europäische Staatsanleihen sind plötzlich angreifbar

Italien-Referendum als Test: Europäische Staatsanleihen sind plötzlich angreifbar

, aktualisiert 02. Dezember 2016, 13:20 Uhr
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Die Rettung des Euro hat Draghi immer fest im Blick. Doch vor dem Italien-Referendum gehen die Investoren weniger Riskio, die Renditen südeuropäischer Staatsanleihen steigen deutlich an.

Quelle:Handelsblatt Online

Die EZB hat mit billigem Geld den Anleihenmarkt massiv beeinflusst. Die Renditen sind gesunken, der Spread zwischen Bonds aus Deutschland und Südeuropa ebenso. Doch vor dem Votum in Italien hat sich das Blatt gewendet.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrem umstrittenen Anleihenkaufprogramm in Höhe von monatlich 80 Milliarden Euro den Rentenmarkt massiv beeinflusst. Die Renditen sind deutlich gesunken, die Kurse entsprechend gestiegen. Derzeit gehen die meisten Investoren davon aus, dass die EZB noch im November ihr Kaufprogramm über das eigentliche Ende im März 2017 ausweitet. Allerdings gibt es auch Daten, die dagegen sprechen. Die Inflation zieht an – mittlerweile steht sie in Deutschland bei 0,8 Prozent. Experten erwarten aufgrund der steigenden Energiepreise künftig eine noch höhere Inflation.

Am 8. Dezember tagt der EZB-Rat das letzte Mal in diesem Jahr. Falls die Notenbank dort die steigende Inflation als Bestätigung ihrer geldpolitischen Anreize wertet, dann würden Investoren sicherlich ihre Wetten über eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms zurückfahren.

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Doch nicht nur die EZB beeinflusst den Rentenmarkt. Auch die Politik ist in der Lage, die Anleihekurse weiter sinken zu lassen. Die Reaktionen auf das überraschende Brexit-Votum der Briten und die Wahl von Donald Trump als US-Präsident liefern hier gutes Anschauungsmaterial.

Der nächste Lackmustest: Das Italien-Referendum am Wochenende, bei dem es um eine Beschneidung der Macht des Senats geht. Das Vorhaben zielt auf ein effektiveres Funktionieren der italienischen Legislative, hat sich allerdings de facto zu einem Vertrauensvotum über Regierungschef Matteo Renzi entwickelt und könnte das Ende seiner Regierung bedeuten.

„Die Idee, dass die Geldpolitik in ihrer jetzigen Form auf Dauer bleibt, ist bedroht. Da auch die politischen Risiken gestiegen sind, werden höhere Risikoaufschläge verlangt“, sagt Jack Kelly, Vermögensverwalter bei Standard Life Investments Ltd. in Edinburgh. „Das Vertrauen in die Beständigkeit der Käufe seitens der Zentralbank ist sehr fragil.“

Viele Investoren sind bei den großen politischen Abstimmungen in diesem Jahr auf dem falschen Fuß erwischt worden und wollen diesen Fehler im Fall Italiens nun nicht wiederholen. Die letzten Umfragen zum Verfassungsreferendum vor der zweiwöchigen Sperre der Demoskopen deuteten auf eine knappe Niederlage von Renzi an diesem Sonntag hin.

Das Gefühl des erhöhten Risikos zeigt sich am deutlichsten an den Staatsanleihen von Ländern aus der Euro-Peripherie. Die Renditeaufschläge italienischer und spanischer Papiere gegenüber den deutschen Benchmarkanleihen sind fast auf dem höchsten Niveau der vergangenen zweieinhalb Jahre angekommen. Kelly sagt, er sei „etwas untergewichtet“ bei Peripherieanleihen.


Verkaufsdruck bei riskanteren Anleihen

Aus Sicht von Vincent Chaigneau von der Société Générale haben die Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone weiteren Spielraum nach oben. „Nach Jahren des billigen Geldes und des massiven Schuldenmachens ist es gut, sich auf einen schweren Kater einzustellen“, schreibt der in London ansässige Strategiechef für Zinsen und Währungen bei der französischen Bank. „Der Aufwärtstrend bei globalem Wachstum und Inflation wird die Renditen im nächsten Jahr nach oben treiben“.

Der Verkaufsdruck bei riskanteren Anleihen darf durchaus als Indikator gesehen werden. Die Märkte freunden sich langsam mit der Vorstellung an, dass Draghi nicht auf Dauer bereit stehen wird, um die Anleihen der Eurozone zu stützen.

Zwar vertrauen die Anleger noch darauf, dass der EZB-Rat sein beispielloses Programm der quantitativen geldpolitischen Lockerung fortsetzen wird. Gleichwohl wissen sie, dass es nicht unendlich über Ende März hinaus verlängert werden kann. Draghi hat in dieser Woche noch der Kontinuität der Geldpolitik das Wort geredet, als er seine Bereitschaft bekräftigte, weiteres Geld in den Markt zu pumpen. Trotzdem bleiben Staatsanleihen unter Druck.

Für zehnjährige italienische Papiere verlangten Anleger in der vergangenen Woche 1,87 Prozentpunkte mehr Rendite als für Bundesanleihen gleicher Laufzeit. Das war die höchste Risikoprämie zum Ende eines Handelstags seit Mai 2014. Inzwischen ist der Renditeaufschlag wieder gefallen. Für spanische Anleihen erreichte der Spread am Montag mit 1,36 Prozentpunkten ein Viermonatshoch.

Verglichen mit der Zeit vor Draghis Versprechen vom Juli 2012, „alles Nötige zu tun“ den Euro zu retten, ist das noch nicht viel: Damals wurden mehr als fünf Prozentpunkte Risikoaufschlag für Peripherieanleihen gefordert. Draghi löste mit seinem Versprechen seinerzeit eine Rally am Bondmarkt aus, die die Renditespreads noch bis vor Kurzem sinken ließ.

Ähnlich wie im Vorfeld der Abstimmung in Italien sind die Renditeaufschläge schon mit der Wahl Trumps als US-Präsident gestiegen. Marktteilnehmer spekulieren, dass die angekündigten Konjunkturmaßnahmen die Inflation in den USA ankurbeln werden. Auch in Reaktion auf das Brexit-Votum waren die Renditen nach oben geklettert.

Im November waren es vor allem die Staatsanleihen aus Spanien und Italien, die den europäischen Rentenmarkt drückten. Ihre Notierungen gaben um jeweils rund zwei Prozent nach. Die Renditen stiegen auch am Donnerstag, nachdem Daten zeigten, dass die Inflation im Euroraum überraschend auf das niedrigste Niveau in mehr als sieben Jahren gesunken ist.

„Das ist wirklich ein interessanter Test für die Peripherieländer, weil wir eine Zentralbank haben, die verbal und explizit auf die Idee festgelegt ist, die lockere Geldpolitik weiter zu verlängern und auszuweiten“, sagt Standard-Life-Vermögensverwalter Kelly. „Und die betroffenen Länder in Südeuropa antworten noch immer nicht in einer Weise, wie man es erhoffen würde.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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