Märkte vor Frankreich-Wahl: Die Lehren aus Brexit und Trump

Märkte vor Frankreich-Wahl: Die Lehren aus Brexit und Trump

, aktualisiert 21. April 2017, 19:33 Uhr
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Die britische Premierministerin und der US-Präsident während einer Pressekonferenz. Das Brexit-Votum und die Wahl des US-Präsidenten haben die Märkte beflügelt. Analysten hatten ein anderes Szenario erwartet.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Mit der Frankreich-Wahl steht möglicherweise der Anfang vom Ende der Eurozone bevor. Doch die Markte sind entspannt: Die Aktienkurse steigen, die Anleiherenditen sinken. Was Anleger aus der Vergangenheit gelernt haben.

DüsseldorfEigentlich müssten die Nervosität bei Anlegern wegen der Präsidentenwahlen in Frankreich am Wochenende deutlich ansteigen: Denn sollte die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen in die Stichwahl kommen und diese am Ende gewinnen, dürfte das die Europäische Union (EU) ins Chaos stürzen und mit ihr die Börsen. Le Pen will ähnlich wie der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon das Nachbarland aus der Euro-Zone führen.

Viele Experten erwarten, dass dann Aktienkurse einbrechen, der Euro massiv abwertet und Anleger in sichere Häfen wie Gold, Bundesanleihen und den Schweizer Franken fliehen. „Sollte es einen Überraschungssieg von Le Pen geben, würde das die Finanzmärkte erschüttern“, sagt Ökonom Christian Melzer von der Fondsgesellschaft Deka. Dass es tatsächlich zu einem EU-Austritt Frankreichs, also einem Frexit, kommt, kann sich aber kaum ein Börsianer so richtig vorstellen.

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Vor dem ersten Wahlgang am Sonntag zeigt sich aber ein völlig anderes Bild: An den Aktienmärkten gibt weit und breit keinen Kurseinbruch, sondern steigende Notierungen. Der deutsche Leitindex Dax liegt weiterhin in Sichtweite seines Allzeithochs von 12.390 Punkten. Und auch der Cac40, der französische Auswahlindex, liegt mit 5070 Zählern nur 200 Punkte unter seinem Fünf-Jahres-Hoch. Seit Juni 2016 ist das französische Börsenbarometer um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Sie Anleiherenditen signalisieren ebenfalls Entspannung: Mit einer zehnjährigen Staatsanleihe aus Frankreich ist nur noch eine Rendite von 0,86 Prozent zu erzielen – so niedrig wie seit drei Monaten nicht mehr. Noch im Februar dieses Jahres lag sie bei 1,17 Prozent. Risikoaversion sieht anders aus.

Wie hängt das zusammen? „Wir werden bei den anstehenden Wahlen viele Überraschungen erleben“, prophezeite Börsenexperte Stephan Heibel bereits Anfang dieses Jahres. „Doch ob diese Überraschungen bei den Wahlen im Jahr 2017 erneut zu Börsenturbulenzen führen, das bezweifle ich“.

Seine damalige Argumentation: 2016 habe Anlegern bereits viele Nerven abverlangt, der Dax-Jahresverlauf war überaus turbulent. „Entsprechend erschöpft bereiten sich die Anleger nun auf eine Fortsetzung dieses Chaos im Jahr 2017 vor“, erläutert er. „Doch wenn Anleger sich gut auf dieses Chaos vorbereitet haben, dann wird kein negatives Ereignis Turbulenzen erzeugen“.


Klettert der Dax auf ein neues Allzeithoch?

Vielleicht nehmen Anleger vor der Frankreich-Wahl auch nur die Börsenentwicklung vorweg, die es nach dem Brexit-Votum und der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten gegeben hatte. Wir erinnern uns: Weder der Brexit noch der Wahlsieg Trumps konnten die Kurse unter Druck setzen. Im Gegenteil: Beide vermeintlich tragischen Ereignisse, die von Analysten als unwahrscheinlich, im Eintrittsfall aber als extreme Belastung für die Märkte eingestuft wurden, lösten ein Kursfeuerwerk an den Aktienbörsen aus. Diese Feuerwerk hievte den Dax zum Jahresende deutlich ins Plus. So legte der deutsche Leitindex unter heftigen Schwankungen um sieben Prozent auf 11.481 Punkte zu.

Wird das bei einem Erfolg von Le Pen so ähnlich verlaufen? Irren sich die Analysten wieder und ein großer Erfolg des Front National sorgt für eine Rally an den Märkten? Man kann es kaum glauben und kein Experte wagt solch ein Szenario zu prophezeien. Doch unwahrscheinlich ist das nach Brexit und Trump auch nicht.

„Dass Le Pen Präsidentin in Frankreich wird, ist nicht wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich“, meint Ökonom Holger Sandte von der Bank Nordea. Hinzu kommt, dass der Linksaußenpolitiker Jean-Luc Melenchon, der den Euro ebenfalls ablehnt, in Umfragen zuletzt aufholte. „Die vier Kandidaten liegen inzwischen so eng beieinander, dass es kaum noch prognostizierbar ist, wer letztlich in die Stichwahl einziehen wird“, sagt Anleihe-Spezialist Dirk Gojny von der National-Bank. Die Stichwahl in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone findet am 7. Mai statt.

Vieles deutet aber auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem europafreundlichen, sozialliberalen Emmanuel Macron und der rechtspopulistischen Kandidatin Marine Le Pen hin. Wird dann die Rally fortgesetzt? Nach Ansicht von Stefan Kreuzkamp, Chefanlage-Stratege der Deutschen Asset Management, dürften in diesem Fall die Märkte zügig die erhöhten Überlebenschancen der Eurozone begrüßen. „Ein europafreundliches Wahlergebnis in Frankreich könnte den Dax schnell wieder auf Kurs in Richtung Allzeithoch bringen“, sagt auch Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers, im aktuellen Wochenausblick.

Quelle:  Handelsblatt Online
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