Massiver Aktienkursverfall: Toshibas GAU

Massiver Aktienkursverfall: Toshibas GAU

, aktualisiert 29. Dezember 2016, 15:24 Uhr
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Investoren reagierten unmittelbar auf die kurzfristig einberufene Pressekonferenz am Dienstag.

von Leonidas ExuzidisQuelle:Handelsblatt Online

Toshiba-Aktien befinden sich nach Bekanntwerden der milliardenschweren Abschreibungen im freien Fall. Investoren reagieren verärgert. Für den Konzern ein erneuter Rückschlag zur Unzeit – mit noch unklaren Folgen.

DüsseldorfEs hätte ein versöhnlicher Jahresabschluss für Toshiba werden können: Die Neuausrichtung nach der schweren Bilanzaffäre 2015 ist geglückt, das Vertrauen der Investoren wieder gewonnen. Eine erfreuliche Entwicklung, die man auch am Aktienkurs ablesen konnte: Toshiba-Papiere gewannen seit Jahresanfang bis zum vergangenen Montag circa 77 Prozent.

Auf der Zielgeraden allerdings geht Toshiba die Puste aus. Die am Dienstag angekündigten Milliarden-Abschreibungen in der Atomsparte erschütterten den japanischen Elektronikkonzern in seinen Grundfesten. Die leidgeprüften Aktionäre straften das Unternehmen entsprechend spürbar ab – und schickten die Aktie auf eine rekordverdächtige Talfahrt. Seit Dienstag hat Toshiba mehr als 40 Prozent seines Börsenwerts verloren. Allein am Donnerstag büßten die Papiere 17 Prozent ein – es war der dritte Handelstag in Folge mit zweistelligen Verlusten.

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Konkret geht es um das Unternehmen Chicago Bridge & Iron (CB&I) Stone&Webster, das Toshibas US-Tochter Westringhouse vor Jahresfrist gekauft hatte. CB&I baut und betreibt Atomkraftwerke in den USA. Die Kosten für Projekte dieser Art würden deutlich höher ausfallen als bislang angenommen, räumte Toshiba am Dienstag ein. Das genaue Ausmaß und die Auswirkung auf die Bilanz sind allerdings nicht bekannt. Japanische Medien spekulierten von Wertberichtigungen von bis zu vier Milliarden Euro.

Diese Nachricht belastet die ohnehin schon dünne Kapitaldecke. Ende September wies Toshiba nur noch drei Milliarden Euro Eigenkapital aus. Vorstandschef Satoshi Tsunakawa erklärte, das Management denke deshalb sogar über eine Kapitalerhöhung nach. „Wir ziehen Maßnahmen in Betracht, darunter auch eine Vorgehensweise beim Kapital“, so Tsunakawa auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstagabend. Bereits unmittelbar danach war die Aktie um gut zwölf Prozent gefallen. Ein Toshiba-Sprecher sagte am Donnerstag, der Konzern habe ausreichend Geldmittel zur Hand.

An den Investoren ging das erstmal vorbei. Inzwischen steht beim Aktienkurs seit Anfang Januar „nur“ noch ein Plus von gut 25 Prozent zu Buche. Vom Jahreshöchstwert mit 475,2 Yen sind die Papiere bei derzeit 258,7 Yen weit entfernt. Noch in der Vorwoche zählte Toshiba zu den drei auf Jahressicht besten Unternehmen, die im Nikkei gelistet sind.

Die Ratingagentur S&P hatte am Mittwoch zudem Toshibas Kreditwürdigkeit von B um eine Stufe auf B- herabgestuft – beide Stufen stehen für hohe Spekulation. Auch der S&P-Ausblick ist negativ – es droht also ein weiteres Downgrading. Moody’s stufte Toshiba sogar auf Caa1 ab, was für substanzielle Risiken steht. Moody’s-Analystin Masako Kuhawara warnte, das Eigenkapital könnte sogar negativ werden, je nach dem wie hoch die Berichtigungen letztlich ausfallen. In diesem Fall hinge Toshibas Zahlungsfähigkeit von der fortgesetzten Hilfsbereitschaft der Banken ab. Doch ob die gegeben ist, sei derzeit unsicher.

Die US-Tochter und CB&I streiten sich außerdem vor Gericht um offene Fragen nach dem Zukauf. Westringhouse fordert Nachzahlungen in Höhe von zwei Milliarden Dollar – das Betriebsvermögen sei geringer als angenommen. CB&I reagierte seinerseits mit einer Klage. „Wir haben damals gedacht, die Vorteile des Zukaufs würden die Risiken überwiegen“, sagte Vorstandschef Tsunakawa. „Die Neubewertung ist zu spät erfolgt.“

Westringhouse wies bereits im Vorjahr Abschreibungen in Höhe von zwei Milliarden Euro auf. Trotzdem hatte kaum ein Aktionär mit einem solchen Milliardendebakel bei der US-Tochter gerechnet. Schließlich hatte Toshibas AKW-Spartenchef Danny Roderick zuletzt der japanischen Wirtschafszeitung Nikkei erklärt, der Konzern habe in dieser Hinsicht in China und Indien enormes Wachstumspotenzial.

Quelle:  Handelsblatt Online
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