Mega-Anleihe: Ein „Lucky Strike“ für BAT am Bondmarkt

Mega-Anleihe: Ein „Lucky Strike“ für BAT am Bondmarkt

, aktualisiert 09. August 2017, 14:13 Uhr
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Der Tabakkonzern BAT, zu dem auch die Marke Lucky Strike gehört, hat die zweitgrößte Anleihe des Jahres platziert.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

British American Tobacco hat am Anleihemarkt mit einem großen Deal zugeschlagen: 17,25 Milliarden Dollar lieh sich der Tabakkonzern bei Investoren – die konkreten Pläne für die Zukunft überzeugten die Anleger sofort.

FrankfurtZigaretten sind in den USA nicht sonderlich beliebt: Vermieter können Raucher ablehnen und selbst das Rauchen auf dem Balkon verbieten. Auch in vielen Parks oder an den Stränden von Kalifornien ist das Rauchen verboten. Jetzt will auch noch die US-Gesundheitsbehörde FDA den Nikotingehalt in Zigaretten regulieren, um die Suchtgefahr zu verringern und mehr Menschen dazu zu bringen, vom blauen Dunst wegzukommen. Das wäre ein herber Schlag für die Tabakindustrie, die sich bislang in einem 130 Milliarden Dollar schweren Markt bewegt.

Entsprechend gingen seit der FDA-Ankündigung die zuvor gut gelaufenen Aktien der Tabakkonzerne auf Talfahrt. Der Branchenindex für US-Tabakaktien hat seither knapp sieben Prozent eingebüßt. British American Tobacco (BAT) ist am Anleihemarkt allerdings trotz der schlechten Nachrichten ein „Lucky Strike“, also ein Glücksgriff, gelungen. 17,25 Milliarden US-Dollar konnten die Briten mit Marken wie Lucky Strike, Pall Mall, Kent und Dunhill auf einen Schlag bei Anleiheinvestoren einsammeln.

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Damit begab der Konzern nach dem Telekomkonzern AT&T die zweitgrößte Anleihe in diesem Jahr. AT&T hatte Ende Juli einen Mega-Bond über 22,5 Milliarden Dollar platziert. Die Investoren griffen aber auch beim BAT-Bond beherzt zu. Die beteiligten Konsortialbanken, darunter auch die Deutsche Bank, berichteten über Kaufaufträge im Umfang von insgesamt 35 Milliarden Dollar.

Aufgeteilt wurde die Anleihe in acht verschiedene Einzelpapiere mit Laufzeiten von drei bis 30 Jahren. Ausgegeben wurden sie alle zum Rückzahlungskurs von 100 Prozent, so dass bei der Platzierung die Zinskupons auch den tatsächlichen Renditen entsprachen. Die Kupons liegen bei 2,297 Prozent für drei Jahre, 2,764 Prozent für fünf Jahre, 3,22 Prozent für sieben Jahre, 3,557 Prozent für zehn Jahre, 4,39 Prozent für zehn und 4,54 Prozent für 30 Jahre Laufzeit. Dazu gibt es noch zwei variabel verzinste Papiere.

Das Geld braucht der Tabakkonzern für die Refinanzierung der Übernahme des US-Konkurrenten Reynolds Tobacco, dessen bekannteste Marken Camel und Winston sind. Dabei werden 24 Milliarden Dollar der knapp 50 Milliarden Dollar schweren Übernahme über liquide Mittel und die Ausgabe neuer Anleihen refinanziert. BAT nutzte die Gunst der Stunde und legte am Mittwoch gleich nach und begann damit, Anleihen in Euro und Pfund Sterling zu platzieren.

Wegen des niedrigeren Zinsniveaus in Europa werden die Euro- und Pfund-Anleihen weniger Rendite abwerfen. Die sechsjährigen Euro-Anleihen zum Beispiel werden mit einer Rendite von knapp 1,3 Prozent, die in zwölfeinhalb Jahren fälligen Papiere mit gut 2,3 Prozent vermarktet. Das ist etwas mehr als ausstehende BAT-Anleihen bieten. Deshalb seien die Anleihen „im relativen Vergleich attraktiv“, meint Gerold Deppisch, Anleiheanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Aber eben nur im relativen Vergleich. Angesichts einer Inflationsrate von zuletzt 1,3 Prozent im Euro-Raum verdienen Anleger, die die Anleihen bis zur Fälligkeit halten, aus aktueller Sicht zumindest mit den in sechs Jahren fälligen Papieren kein Geld.

US-Anleihen sind da schon etwas interessanter. Aber auch bei US-Firmenbonds sind die Renditen trotz der eingeleiteten Zinswende der US-Notenbank noch niedrig. Außerdem sind die Risikoprämien, also die Renditeabstände zu US-Staatspapieren, mit im Schnitt nur 1,1 Prozentpunkten für US-Firmenbonds und Ratings im Bereich Investment-Grade, so niedrig wie zuletzt vor zehn Jahren. Investoren, die mehr Rendite suchen als die US-Staatsanleihen abwerfen, greifen verstärkt zu Unternehmensanleihen. Das lässt deren Renditen sinken und die Risikoprämien schrumpfen.

Dabei sind auch die Anleihen von BAT Bonds nicht risikofrei. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch bewerten die Bonität mit Noten im Bereich Dreifach-B als ordentlich und innerhalb des Bereichs Investment-Grade. Über jeden Zweifel erhaben ist die Bonität aber nicht. Wegen der Übernahme von Reynolds haben die Agenturen ihre Ratings zuletzt gesenkt. Dafür sind die Ratingausblicke jetzt stabil. Die Zahlen von BAT zum ersten Halbjahr fielen solide aus. Den sinkenden Zigarettenabsatz konnte der Konzern – wie viele in der Branche – durch steigende Preise mehr als ausgleichen. Große Hoffnungen setzt die Tabakbranche zudem auf E-Zigaretten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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