Monte dei Paschi und Unicredit: Wie Italiens Haushalte an Bankanleihen kamen

Monte dei Paschi und Unicredit: Wie Italiens Haushalte an Bankanleihen kamen

, aktualisiert 28. Juli 2016, 12:55 Uhr
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Repräsentative Zentrale – wackeliges Geschäft.

Quelle:Handelsblatt Online

Bankanleihen zu kaufen, war in Italien lange der letzte Schrei. Jeder Haushalt des Landes hat rechnerisch solche Papiere im Wert von 1.260 Euro. Ein Ex-Vertriebsmitarbeiter eines Instituts erzählt vom Verkaufsdruck.

Mailand/DüsseldorfVincenzo Imperatore weiß, wie es zu einem der Knackpunkte in der Diskussion um die Stützung italienischer Banken kam. Er weiß, warum so viele italienische Privatanleger Anleihen von Banken besitzen und im Falle einer staatlichen Rettung zur Kasse gebeten werden müssten – und was Ministerpräsident Matteo Renzi mit aller Kraft verhindern will. Denn Vincenzo Imperatore gehörte zu denjenigen, die Bankanleihen mit Macht an den Mann brachten.

„Ich habe fünf, sechs Anrufe am Tag von meinen Chefs bekommen, die Druck machten, die Papiere zu verkaufen“, erzählt Imperatore der Nachrichtenagentur Bloomberg. Sechs Jahre bis 2012 arbeitete der Italiener im Finanzvertrieb der Großbank Unicredit in der Region Neapel als regionaler Vertriebsschef und verfasste später zwei Bücher über die Erfahrung. In Folge der Finanzkrise ab 2008 setzten italienische Banker darauf, bei Privatkunden wichtige Finanzmittel einzuwerben und Imperatore bekam Druck, mehr Geld einzutreiben. „Ich gab meinen Vertriebsmitarbeitern die Anweisung, genau das zu tun.“

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Das Ergebnis des Vertriebsdrucks: Mehr als ein Drittel aller ausstehenden italienischen Anleihen gehört Sparern. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa zehn Prozent, in anderen Länder noch deutlich weniger. Jetzt geht es vor allem der drittgrößten Bank des Landes mies. Monte dei Paschi braucht Milliarden an frischem Kapital und ein staatlicher Zuschuss stand zunächst im Raum.

Doch bevor Banken mit staatlicher Beteiligung gerettet werden, gilt in der Europäischen Union: Aktionäre und Anleihegläubiger müssen bluten und zwar bis zur Höhe von acht Prozent der Ausstände des Instituts. Das will Regierungschef Renzi mit aller Kraft vermeiden, auch um im Oktober bei einem Referendum über eine Reform des politischen Systems gut abzuschneiden und an der Macht zu bleiben. Denn würden die Haushalte zur Kasse gebeten, von denen jeder rein rechnerisch 1.260 Euro an Schuldpapieren von Geldinstituten besitzt, würde das Renzis Wahlchancen wohl erheblich verschlechtern.

Monte dei Paschi könnte einen Ausweg gefunden haben, ohne staatliche Mittel auszukommen und so die Sparer zu verschonen und Renzi zu einem Befreiungsschlag zu verhelfen. Die Bank will bei privaten Investoren fünf Milliarden Euro Kapital einwerben und hat einen entsprechenden Plan bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingereicht. Zuvor sollen zehn Milliarden Euro an faulen Krediten ausgelagert und so die Bilanz merklich entlastet werden.


Lange Tradition, Anleihen zu kaufen

Die Bank hofft laut „Wall Street Journal“ darauf, dass noch vor Veröffentlichung der Ergebnisse des europaweiten Bankenstresstests am späten Freitagabend das Okay von der EZB kommt. Denn Monte dei Paschi gilt als das Problemkind, das beim Banken-Tüv am schlechtesten abschneiden dürfte.

Insgesamt verfügen Sparer in Italien über 31 Milliarden Euro an nachrangigen Anleihen, die im Falle einer Rettung mit staatlicher Beteiligung mit als erste herhalten müssten. Allein bei Monte dei Paschi sind es etwa fünf Milliarden Euro. Entsprechende Papiere bei Unicredit notieren derzeit in etwa beim Nennwert, sodass zumindest dort keine Spur von Nervosität festzustellen ist.

Zu den Erinnerungen Imperatores wollte die Bank sich gegenüber Bloomberg nicht äußern. Doch laut Finanzaufsichtsbehörde Consob wurden von Juli 2007 bis Juni 2009 etwa 80 Prozent aller Bankanleihen an private Anleger verkauft. Doch spätestens seit 2016 klappt das überhaupt nicht mehr, lediglich Mediobanca hat laut Bloomberg-Daten etwa 200 Millionen Euro an nachrangigen Papieren verkauft.

In Italien gibt es eine lange Tradition, Anleihen zu kaufen, da sie früher – noch vor der Euro-Einführung – einen relativ guten Schutz gegen Inflation boten. Doch das konnte sich rächen. Im vergangenen Jahr scheiterten vier kleinere Banken und etliche Kunden verloren viel Geld mit solchen Papieren.

Banca Popolare dell’Etruria e del Lazio SC und Banca delle Marche hatten zeitweise Kunden dazu gedrängt, besser geschützte Anleihen in nachrangige Papiere zu tauschen, berichtet etwa ein ehemaliger Kunde der Banca Marche gegenüber Bloomberg. Im April konnte Renzi auch gegenüber der EU durchsetzen, dass bestimmte Betroffene bis zu 80 Prozent ihrer verlorenen Ersparnisse ersetzt bekommen.

Käme es jetzt zu einer Bankenstützung mit Brüsseler Segen, bei dem wieder Sparer haften müssten, käme das in Italien einem politischen Erdbeben gleich. Die Kapitalerhöhung bei Monte dei Paschi ist daher ein politisch heißes Eisen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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