Musterdepots: Steigende Kurse zum Abbau von Risiko nutzen

Musterdepots: Steigende Kurse zum Abbau von Risiko nutzen

, aktualisiert 12. Juli 2016, 19:54 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Musterdepotstratege Georgios Kokologiannis hat den gestrigen Anstieg zum Verkauf von offensiven Positionen genutzt. Sein Kollege Daniel Hupfer ist ebenfalls skeptisch und hält sich bei Finanzwerten zurück.

FrankfurtVorsichtige Anleger sollten derzeit Kurssprünge am Aktienmarkt eher zum Risikoabbau in ihren Depots nutzen, statt auf eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu setzen. Genau das geschieht nun im Musterportfolio: Ich verkaufe einen Teil meiner Sprintzertifikate, die sich auf den Euro Stoxx 50 beziehen (WKN: CW7CXY) und zu den offensivsten Positionen gehören.

So beeindruckend die jüngste Erholung an Europas Börsen vordergründig auch erscheint: Es handelt sich um eine blutleere Zwischenrally, die nur von mauen Umsätzen getragen wird. Angetrieben wohl vor allem durch Spekulanten, die ursprünglich auf tiefer fallende Notierungen gesetzt hatten und nun kurzfristig durch Zwangseindeckungen ihre Verluste begrenzen müssen.

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Fundamental gerechtfertigt sind höhere Niveaus bei Dax & Co. meiner Überzeugung nach nicht: Nach einem Plus von knapp 700 Punkten in nur drei Handelstagen hat der deutsche Leitindex am Dienstag an der Marke von 10.000 Punkten gekratzt.

Damit notiert das Börsenbarometer keine drei Prozent unter dem Stand vor Bekanntgabe des Brexit-Votums der Briten am 23. Juni: Am Tag der Volksbefragung ging der Dax bei  10257 Punkten aus dem Handel – allerdings wurde damals fest mit dem Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union gerechnet.

Inzwischen aber ist nicht nur klar, dass die Investoren damals mit ihrer Einschätzung völlig daneben lagen und der Brexit ansteht – auch die konjunkturellen Warnsignale häufen sich: So hat der Aufschwung in Deutschland bereits an Kraft verloren. Das schreibt das Bundeswirtschaftsministerium in seinem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht für Juli. Zusätzlich belasten könne nun auch die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen.

In den vergangene Tagen war bereits bekannt geworden, dass die deutschen Exporte im Mai um 1,8 Prozent zum Vormonat gesunken sind und es auch bei der Industrieproduktion, den Auftragseingängen und den Wirtschaftserwartungen institutioneller Investoren ernst zu nehmende Dämpfer gibt.

 

Großbritannien ist für die ausfuhrabhängige deutsche Wirtschaft der weltweit drittwichtigste Markt nach den Vereinigten Staaten und Frankreich. Nun aber drohen Handelshemmnisse nach dem EU-Abschied der Briten. Die Ertragsrückgänge in den Bilanzen der hiesigen Unternehmen dürften schmerzhaft ausfallen: Allein 2015 nahmen die Briten schließlich deutsche Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 90 Milliarden Euro ab. Dieser Wert könnte Fachleuten zufolge deutlich sinken - ähnlich wie die Geschäfte mit den anderen bisherigen EU-Partnern.


Musterdepot profitiert kräftig vom Aufwärtstrend

Von dem Aufwärtstrend an den europäischen Börsen am Dienstag profitierte unser Musterdepot kräftig. Zu den Bestperformern des Tages gehörten die beiden französischen Titel aus dem Aktienkernportfolio: Michelin und Peugeot Citroen (PSA).

Der PSA Konzern hat am Dienstag seine Umsatzzahlen für das erste Halbjahr 2016 präsentiert. Unter dem Strich ging die Anzahl der verkauften PKW der drei Konzernmarken – Peugeot, Citroen und DS – um 0,2 Prozent auf 1,54 Millionen Fahrzeuge zurück. Während die Absatzzahlen in Europa um 7,4 Prozent zugelegt haben, schrumpfte der Umsatz in China und Südostasien um fast 20 Prozent.

Die westlichen Hersteller aus dem Massensegment haben in China zunehmend Probleme, da die Bevölkerung immer stärker günstige SUVs lokaler Hersteller bevorzugen. Nichtsdestotrotz hat der PSA-Konzern sein Umsatzwachstumsziel von vier Prozent für das Gesamtjahr bestätigt. Zusammenfassend waren die präsentierten Zahlen alles andere als berauschend.  Die PSA-Aktie gehörte jedoch mit einem Kurssprung von bis zu sechs Prozent zu den klaren Tagesgewinnern.


Furcht vor Dominoeffekte

Viele europäische Banken sind durch die immer massiveren Vorgaben der europäischen Bankenregulierung sowie die anhaltende Niedrigzinsphase enorm geschwächt. Höhere Kosten bei gleichzeitig geringeren Zinserträgen sind ein gefährlicher Cocktail für den gesamten Sektor.

Vor allem die italienischen Banken, die über ein erhebliches Maß an ausfallgefährdeten Krediten verfügen, stehen bei den Anlegern derzeit ganz oben auf den Verkaufslisten. Von den 48 Unternehmen im Stoxx 600 Europe Bankensektor stammen allein acht aus Italien.

Drei Institute, Banca Popolare, Banca Monte Dei Paschi und Unicredit weisen seit Jahresbeginn besonders verheerende Kursentwicklungen auf. Wir halten uns aktuell mit Direktengagements im Bankensektor zurück und meiden darüber hinaus auch den Bereich der Versicherungen, da auch diese unter der anhaltenden Niedrigzinsphase leiden.

In Italien erhält die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, die ein Referendum über die Euro-Zugehörigkeit anstrebt, immer mehr Zuspruch, sodass die politischen Unsicherheiten in Europa noch weiter zunehmen könnten. Gleichzeitig kommen Erinnerungen an den Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 wieder hoch, nachdem in Großbritannien mittlerweile schon sieben Asset Manager ihre offenen Immobilienfonds einfrieren mussten, um Notverkäufe zu verhindern.

Auch wenn der Vergleich mit der Situation im Jahre 2008 hinkt, werden doch Dominoeffekte befürchtet. Vor diesem Hintergrund bleiben wir trotz der aktuellen Kursrally weiterhin vorsichtig und erhöhen die Aktienquote noch nicht wieder auf das Niveau vor dem Brexit.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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