Musterdepots: Wettquoten sind zuverlässiger als Umfragen

Musterdepots: Wettquoten sind zuverlässiger als Umfragen

, aktualisiert 19. Juni 2016, 12:19 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Angespannte Stimmung vor dem britischen Referendum: Jedes neue Umfrageergebnis führt zu Spekulationen und Ausschlägen an der Börse. Daniel Hupfer nimmt sowohl Umfragen, als auch die Tipps der Buchmacher unter die Lupe.

Der mögliche Brexit dominiert derzeit das Geschehen an den Kapitalmärkten. Die Umfragen sprechen momentan eher für eine steigende Brexit-Wahrscheinlichkeit, während die Quoten der Wettanbieter eher auf einen Verbleib schließen lassen. Die Wettquoten sind allerdings mit erhöhter Vorsicht zu genießen, da zwar der überwiegende Teil des Geldes auf einen Verbleib in der EU gesetzt wird, die größere Anzahl der Wetten aber auf einen Brexit lautet. Wettquoten und die daraus abgeleiteten Brexit-Wahrscheinlichkeiten werden von vielen Beobachtern und Investoren grundsätzlich als zuverlässiger eingestuft als Umfragen, die in den letzten Jahren in Großbritannien keine hohe Treffergenauigkeit bei Referenden und Wahlen aufwiesen.

Glaubt man allerdings daran, dass die Wettquoten tatsächlich eine höhere Aussagekraft für die Prognose des Ausgangs des Referendums aufweisen, dann muss man implizit auch daran glauben, dass vermögendere Personen mit einem höheren Wetteinsatz über signifikant bessere Fähigkeiten verfügen, die Stimmung im Land einzuschätzen.

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In diesem konkreten Fall haben wir daran allerdings unsere Zweifel. Dementsprechend gehen wir davon aus, dass die Wettquoten in der Brexit-Frage ein weniger guter Ratgeber sind als von vielen gedacht und demnach keine Entwarnung gegeben werden kann. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der Unentschlossenen nach wie vor so hoch, dass es für einen Investor keinen Sinn macht, sich schon jetzt klar und mit hoher Konfidenz auf der einen oder anderen Seite zu positionieren.

Zudem sehen wir in einem möglichen Brexit auch nicht in erster Linie ökonomische Risiken; de facto wird sich zunächst gar nichts ändern, und am Ende langwieriger Verhandlungen steht vermutlich eine Lösung, deren ökonomische Auswirkungen überschaubar sind. Der wirkliche Sprengstoff ist politischer Natur.

Wenn es tatsächlich zu einem Brexit kommt, befindet sich die EU (nicht ganz unverschuldet) schlagartig in der größten Krise seit ihrer Gründung. In dem Moment läge eine Blaupause dafür vor, wie man aus dem „Club“ austreten kann. Käme es beispielsweise in Frankreich zu einem ähnlichen Referendum, wäre der Ausgang aus heutiger Sicht alles andere als klar, wie Umfragen nahelegen. Ein Brexit wäre damit der Startschuss in eine unsichere politische Zukunft. Und auch wenn politische Börsen sprichwörtlich kurze Beine haben, wäre der Tag nach einem Brexit kein idealer Zeitpunkt, um Risikopositionen im Portfolio zu erhöhen.


Baukonzern ACS will Tochterunternehmen verkaufen

Laut Zeitungsberichten steht der spanische Baukonzern ACS, dessen Aktie sich in unserem Musterdepot befindet, kurz vor dem Verkauf seines Tochterunternehmens Urbaser. Urbaser spezialisiert sich auf die Müllentsorgung. Das Transaktionsvolumen wird von den Insidern auf über zwei Milliarden Euro geschätzt.

Laut Zeitungsquellen gäbe es vier ernste Interessenten für die Firma, drei von ihnen kämen aus China. Die Verhandlungen befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium und in den nächsten Tagen könnte es eine offizielle Bekanntmachung geben. Das Geld könnte der ACS-Konzern zum weiteren Abbau seiner Schulden einsetzen.

Den Spaniern, die ein Mehrheitsaktionär der deutschen Hochtief AG sind, gelang es 2015 einen deutlichen Fortschritt beim operativen Geschäft zu erzielen. Der Nettogewinn hat sich fast verdoppelt, bei den Free Cash Flows wurde nach einem negativen Stand im Vorjahr ein solider positiver Betrag erwirtschaftet.

Gleichzeitig bleibt das Unternehmen laut unseres Modells günstig bewertet. Die ACS-Aktie befindet sich seit Auflage des Musterdepots im Aktienkernportfolio und weist bisher eine Total Return Rendite (inkl. Dividende) von rund sieben Prozent auf.


Verkaufsgebühren eingespart

Kurz bevor die Sprintzertifikate auf den Euro Stoxx 50 ihr Laufzeitende erreichen, verkaufe ich einen Teil dieser Position (WKN: DZT7FY). Damit erhöhe ich die Liquidität und Manövrierfähigkeit des Depots vor der Abstimmung über den Verbleib Großbritanniens in der EU am Donnerstag. Die verbleibenden Hebelpapiere, die sich auf den europäischen Aktienindex beziehen, belasse ich noch einige Tage im Portfolio.

Die Papiere werden am Freitag automatisch aus den Depots der Anleger gebucht und durch die Emittentin DZ Bank zurückgezahlt. Damit spare ich Verkaufsgebühren ein - bei den Musterportfolios immerhin 0,25 Prozent der Transaktionssumme. Das Renditeminus der verbleibenden Zertifikate ändert sich bis zur Rückzahlung nicht mehr.

 

Diese offensiven Anlageprodukte hätten Kurszuwächse des europäischen Leitindexes zwischen 3.100 und 3.560 Punkten dreifach in Rendite für das Musterdepot umgemünzt. Seit dem Kauf hat es der Euro Stoxx 50 allerdings nicht nachhaltig in den Sprintbereich geschafft. Daher wird die Position nun mit einem Verlust veräußert, der rund zehn Prozent beträgt.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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