Opec: Das Ölkartell überrascht die Märkte

Opec: Das Ölkartell überrascht die Märkte

, aktualisiert 31. Januar 2017, 19:01 Uhr
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Das Ölkartell hat sich gemeinsam mit elf weiteren Nicht-Mitgliedsstaaten auf eine Förderkürzung geeinigt. Das soll den Ölpreis stabilisieren.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Die Opec förderte im Januar deutlich weniger Öl. Damit hält sich das Kartell an seine Förderkürzung. Der Ölpreis stabilisiert sich. Doch ein Grund zur Euphorie ist das noch lange nicht.

FrankfurtFür die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) könnte der Start ins Jahr 2017 kaum besser laufen. Seit Januar gelten die verabredeten Produktionskürzungen mit elf weiteren Produktionsstaaten, und schon seit Tagen überbieten sich die Ölminister mit Erfolgsmeldungen. Alle haben dieselbe Botschaft: Der Deal steht.

Seit Dienstag bestätigen nun auch Statistiken einer Reuters-Umfrage, dass das Ölkartell auf Kurs ist. Mehr als eine Million Barrel pumpen die Mitgliedsstaaten in diesem Monat weniger aus dem Boden als noch im Oktober 2016 – dem Vergleichspunkt, den die Opec festgelegt hat. Allein Saudi-Arabien, das an der Produktion gemessen größte Opec-Land, trägt mit mehr als der Hälfte der Kürzungen den größten Anteil.

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Insgesamt förderte die Opec im Januar 32,27 Millionen Barrel pro Tag. Das Abkommen wird zu mehr als 80 Prozent erfüllt. In der langen Geschichte gescheiterter Marktabsprachen der Opec ist dies ein überraschend hoher Wert. 2008, beim letzten Abkommen dieser Art, lag die Einhaltungsquote noch bei 57 Prozent, heißt es bei der Helaba.

Am Ölmarkt kamen die jüngsten Nachrichten gut an. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg um rund ein Prozent auf 55,83 Dollar. Die ganz großen Sprünge blieben indes aus. Marktteilnehmer hatten die Kürzungen schon eingepreist. Seit Ende November, als sich das Kartell in Wien zu dem Abkommen durchgerungen hatte, sind die Ölpreise schon um ein Fünftel gestiegen. Dennoch: Für die Opec ist längst nicht wieder alles in bester Ordnung.

Obwohl die Ölminister zuletzt noch von einer Erfolgsbekundung zur nächsten eilten, dämpfen sie dieser Tage selbst die Erwartungen. So hat etwa der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh zu Beginn der Woche erklärt, dass die Ölproduzenten mit einer Preisspanne von 55 bis 60 Dollar zufrieden seien.

Zudem ist der Kürzungs-Deal auf ein halbes Jahr begrenzt. Zwar gibt es theoretisch die Option, das Abkommen bis Jahresende zu verlängern. Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih erklärte aber schon, dass der Ölmarkt die Eingriffe der Opec nach Ende Juni nicht mehr brauche. Soll heißen: Bis dahin hat die Nachfrage das bis zuletzt anhaltende Überangebot aufgewogen.


Druck aus den USA – und der Opec selbst

Analyst Heinrich Peters von der Helaba ist da nicht ganz so optimistisch: „Eigentlich wären Kürzungen über das erste Halbjahr 2017 hinaus nötig, um den massiven Überhang der Lager auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Allerdings gibt es auch innerhalb der Opec hierzu noch unterschiedliche Positionen. Mit dem aktuellen Preisniveau ist im Übrigen wieder die Versuchung gewachsen, die Einnahmen zu maximieren.“

Zwischen 2014 und Anfang 2016 war der Ölpreis von über 110 Dollar je Barrel zeitweise auf 27 Dollar gefallen. Vor allem der Boom der Schieferölindustrie in den USA hat dazu beigetragen. Die niedrigen Preise kamen einigen der amerikanischen Unternehmen jedoch teuer zu stehen. Was als Profitgeschäft begann, endete in der Insolvenz.

Mittlerweile aber nehmen die Produktion und die Zahl der Ölbohrlöcher in den USA wieder zu. Das dürfte auch die Zurückhaltung der Opec erklären. Denn steigen die Preise zu schnell, drängen wieder mehr Schieferölunternehmen zurück in den Markt.

Zudem ist nach wie vor unklar, wie stark die elf Nicht-Mitgliedsstaaten, die dem Opec-Abkommen beigetreten sind, ihre Förderung drosseln. Russland etwa will seine Produktion um 300.000 Fass zurückfahren, allerdings nur schrittweise bis Mai.

Nach Angaben des Energieministeriums hat Russland im Januar etwa ein Drittel dieser Zusage erfüllt. „Jedoch scheint die extreme Kälte, welche das Land traditionell in den ersten Januarwochen heimsucht, den Kürzungsabsichten in die Hände gespielt zu haben. Zum Schutz der Anlagen dürfte die Kapazitätsauslastung vorsorglich zurückgefahren worden sein“, merkt Ölanalyst Jan Edelmann von der HSH Nordbank an.

Und als wäre das nicht schon genug, kommt auch noch Konkurrenz aus den Opec-Reihen selbst. Sowohl Libyen als auch Nigeria waren von den Kürzungen ausgenommen. Beide Staaten steigerten zuletzt ihre Förderung. Libyen, das Land mit den größten Ölreserven Afrikas, möchte seine Förderung bis Jahresende von derzeit knapp 700.000 Fass auf 1,2 Millionen Fass erweitern.

Quelle:  Handelsblatt Online
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