Private Vorsorge: Kein Wundermittel gegen Altersarmut

Private Vorsorge: Kein Wundermittel gegen Altersarmut

, aktualisiert 21. April 2017, 16:26 Uhr
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Immer mehr Menschen sorgen privat fürs Alter vor, um die Rentenlücke zu schließen.

Quelle:Handelsblatt Online

Versicherer drängen Kunden dazu, privat für das Alter vorzusorgen. Die Produkte, die sie anbieten, bringen aber mitunter kaum mehr als ein Taschengeld ein, zeigt eine neue Auswertung für das Handelsblatt.

Die Deutschen haben wenig Vertrauen in die gesetzliche Rente: Mehr als zwei Drittel halten sie für unsicher, zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Fondsanbieters Pioneer Investments. Über die Hälfte der Befragten rechnet damit, den aktuellen Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Vor allem Frauen haben Angst vor Altersarmut. Die steigende Inflation befeuert die allgemeine Sorge: Rund 80 Prozent der Studienteilnehmer gehen davon aus, dass steigende Lebenshaltungskosten ihre Altersvorsorge gefährden.

Immer mehr Menschen sorgen daher privat fürs Alter vor, um die Rentenlücke zu schließen. Im vergangenen Jahr hatten die Deutschen mehr als 16 Millionen Verträge zur privaten Altersvorsorge abgeschlossen, zeigen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums. Eine Dekade zuvor waren es nur rund sechs Millionen Verträge. Rentenexperten, Fondsanbieter und Versicherer beklagen, dass sich nach wie vor längst nicht genügend Menschen um die Altersvorsorge kümmern. Sie mutmaßen, dass die Komplexität des Themas abschreckt. Es dürfte aber auch eine Rolle spielen, dass viele Angebote zur privaten Altersvorsorge schlicht nicht attraktiv sind.

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Das Analysehaus Morgen & Morgen hat für das Handelsblatt Altersvorsorge-Produkte verschiedener Gesellschaften verglichen. Das Ergebnis: Sogar bei Tarifen, die im Vergleich eine besonders hohe Rente in Aussicht stellen, fällt die Höhe der monatlichen Rentenzahlungen eher mau aus. Die garantierte Rente bringt mitunter nicht viel mehr als ein Taschengeld ein. Einerseits machen die niedrigen Zinsen den Anbietern zu schaffen. Weil sie mit Minizinsen kalkulieren müssen, fallen ihre Beispielrechnungen zur möglichen Rente derzeit niedrig aus. Andererseits knabbern hohe Kosten an der Rendite.

Die Experten von Morgen & Morgen haben vier gängige private Vorsorgeprodukte untersucht. Das erste ist die klassische Rentenversicherung. Vorsorgeberater bieten sie gern als besonders sichere Lösung an. Tatsächlich ist das Verlustrisiko im Vergleich zu anderen Vorsorgeprodukten niedrig. Das gilt allerdings auch für die Renditechancen. Die Policen bieten über die Vertragslaufzeit hinweg einen garantierten Zins, außerdem eine Rendite aus erwirtschafteten Überschüssen. Durch das Niedrigzinsumfeld sind mittlerweile aber sowohl der Garantiezins als auch die Überschussbeteiligung kaum noch der Rede wert. Unabhängige Experten raten deshalb davon ab, klassische Rentenversicherungen neu abzuschließen.

Der Erstplatzierte im Morgen-&-Morgen-Ranking, ein Produkt der Europa-Versicherung, garantiert Kunden bei einem monatlichen Sparbeitrag von hundert Euro eine Rente in Höhe von 79,70 Euro pro Monat. Durch Überschüsse ist im ersten Jahr nach Auszahlungsbeginn eine monatliche Rente von 106 Euro möglich. Im fünften Jahr könnte die Rente auf 115 Euro pro Monat steigen. Die Police punktet mit Kosten von nur 0,46 Prozent pro Jahr. Beim Zweitplatzierten, einem Produkt der Allianz, zahlen Kunden 1,16 Prozent jährlich. Entsprechend niedriger fallen die garantierte und die mögliche Rente aus.


Wenn die Gebühren das Kapital aufzehren

Als zweites hat Morgen & Morgen fondsgebundene Rentenversicherungen mit Beitragsgarantie unter die Lupe genommen. Die Produkte sind Fondssparpläne im Mantel einer Rentenversicherung. In guten Börsenjahren können sie hohe Renditen bringen – in schlechten Jahren geraten sie unter Druck. Die Beitrags- oder Kapitalgarantie stellt sicher, dass die bis zur Fälligkeit des Vertrags eingezahlten Beiträge wieder ausgezahlt werden. Darüber hinaus gehende Renditen sind größtenteils Glückssache.

Fondsgebundene Rentenversicherungen sind teuer. Zu Beginn werden oft hohe Abschlusskosten fällig, die man in den ersten Jahren der Vertragslaufzeit mit seinen Beiträgen abbezahlt, ehe man tatsächlich zu sparen beginnt. Überdies liegen die jährlichen Kosten höher als bei klassischen Rentenversicherungen, weil die Verwaltungsgebühren der eingesetzten Fonds zu den Kosten des Versicherungsmantels hinzukommen.

Weil Anbieter unterschiedliche Fonds einsetzen, variieren die Kosten stark. Im Morgen-&-Morgen-Ranking hat ein Produkt der Allianz am besten abgeschnitten, bei dem Kunden in den hauseigenen Fonds „Allianz Strategiefonds Wachstum“ investieren. Dafür werden 1,44 Prozent Gebühren pro Jahr fällig. Bei anderen Anbietern in den Top Ten wird es deutlich teurer, etwa bei der Stuttgarter und bei HDI. Interessant: Rentenversicherungen, die günstige börsengehandelte Indexfonds einsetzen, haben nicht unbedingt die niedrigsten Gebühren.

Bei der dritten Kategorie, den sogenannten Indexpolicen, variieren die jährlichen Kosten besonders stark. Versicherer investieren dabei die erwirtschafteten Überschüsse über Umwege in einen Aktienindex. Für ein Produkt der Württembergischen zahlen Kunden 0,8 Prozent pro Jahr. Für eine Indexpolice von Condor werden dagegen 2,64 Prozent Jahresgebühr fällig. Die garantierte Rente der zehn Top-Produkte unterscheidet sich ebenfalls deutlich: Sie liegt zwischen 70 und 78,50 Euro pro Monat. Die mögliche Rente unter Berücksichtigung der Rendite aus der Überschussbeteiligung liegt mit Werten zwischen 124 und 136 Euro monatlich im ersten Auszahlungsjahr deutlich höher. Die in Aussicht gestellten Renditen werden aber oft nicht erreicht, warnen Verbraucherschützer.
Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen ohne Beitragsgarantie ist das Verlustrisiko besonders hoch – ohne dass die Renditechancen außergewöhnlich groß wären. Ohne Beitragsgarantie ist keine sichere Rente zu erwarten. Morgen & Morgen nennt in seiner Auswertung deshalb lediglich den Rentenfaktor. Dieser gibt an, wie viel Rente pro Monat je 10.000 Euro angespartem Kapital ausgezahlt wird. Beispiel: Beim Erstplatzierten in dieser Kategorie, einem Tarif der Canada Life, beträgt der Rentenfaktor 22,53. Je 10.000 Euro angespartem Kapital werden also 22,53 Euro pro Monat ausgezahlt. Der Rentenfaktor stellt oft nur eine Prognose dar. Bei den Produkten im Morgen-&-Morgen-Ranking ist er allerdings garantiert.

Ein hoher Rentenfaktor ist für Versicherer ein gutes Vertriebsargument. Verbraucher sollten der Argumentation der Assekuranz allerdings nicht vorbehaltlos folgen. Einerseits zeigt die Auswertung von Morgen & Morgen, dass Policen mit hohem Rentenfaktor nicht immer die höchsten möglichen Renten in Aussicht stellen. So hat ein Tarif der Europa-Versicherung mit 32,66 den höchsten Rentenfaktor im Ranking. Die mögliche Rente liegt trotzdem vergleichsweise niedrig, weshalb es der Tarif nur auf Platz neun geschafft hat. Andererseits ist die mögliche Rente eben nur eine Prognose – und keineswegs sicher.

Quelle:  Handelsblatt Online
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