Rohstoffe: Ölpreise im Höhenrausch

Rohstoffe: Ölpreise im Höhenrausch

, aktualisiert 10. Juni 2016, 11:52 Uhr
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Die Amerikaner zieht es zur Urlaubszeit auf die Straßen – so stark wie lange nicht.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Obwohl der Ölpreis am Freitag verliert, ist er auf Kurs zu seiner fünften Woche in Folge mit Gewinnen. Das ist der längste Aufschwung seit mehr als vier Jahren. Und starke Rückschläge sind nicht zu erwarten.

Frankfurt am MainEinst hat Jack Kerouac in seinem Roman „On the Road“ (1959) das besondere Verhältnis der Amerikaner zu Roadtrips stilisiert. Und auch der Film „Easy Rider“ (1969) von und mit Dennis Hopper griff dieses besondere, freie Lebensgefühl auf, beschrieb die Sehnsucht der Amerikaner nach der Freiheit der Straße. Nun besinnen sich die Amerikaner dieses Lebensgefühls erneut. Im vergangenen Jahr fuhren sie mit 3,15 Billionen Meilen so viel wie seit 2007 nicht mehr. Und dieses Jahr könnten es noch mehr werden. Die Statistiker der EIA, das zum US-Energieministerium gehört, rechnen in diesem Sommer mit der stärksten „driving season“ aller Zeiten.

Das lässt die Nachfrage steigen, und zwar kräftig. 9,5 Millionen Barrel würden in diesem Sommer allein an Kraftstoffen gebraucht. Das wäre ein Rekordwert. Nicht zuletzt die Ölfirmen lauern geradezu auf die steigende Nachfrage. Denn geht sie nach oben, folgt ihr in aller Regel auch der Ölpreis.

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Dieser befindet sich derzeit in einem regelrechten Rausch. Seit fünf Wochen steigen die Preise bei der Rohölsorte Brent. Das ist der längste Aufschwung seit 2012. Doch von damals zu heute gibt es einen immensen Unterschied: Damals kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) Brent über 126 Dollar. Heute kostet dieselbe Menge 51,46 Dollar.

Am Freitag gibt der Preis zwar etwas nach. Mehr als ein Prozent ist der Rohstoff günstiger als am Vortag. Den positiven Wochentrend kehrt dies aber nicht um. Selbst wenn Brent bei 51 Dollar schließen würde, stünde immer noch ein Plus von 2,7 Prozent zu Buche.

Die Ausfälle in Kanada (Waldbrände), Nigeria (Anschläge auf die Ölinfrastruktur) und Venezuela (politisch instabile Lage) haben den Ölpreis seit seinem Tief Ende Januar um fast 90 Prozent in die Höhe treiben lassen. Im Mai sollen die Lieferausfälle laut EIA 3,6 Millionen Barrel betragen haben. Das hieße, dass die weltweite Nachfrage zu dieser Zeit größer war, als das Angebot am Markt. Schließlich wurde bis dato mit einem Überangebot von knapp 1,5 Millionen Barrel gerechnet. Kehrt nach den Waldbränden die Produktion aus Kanada allmählich zurück, dürfte das etwas Druck aus dem Markt nehmen.


„Eine kurzfristige starke Korrektur ist nicht zu fürchten“

„Es muss nun mit einer Zwischenkorrektur gerechnet werden“, schreiben die Analysten der französischen BNP Paribas. Allerdings gebe es bereits im Bereich knapp über 50 Dollar wieder die Chance auf einen Preisanstieg. Dennoch mahnen Analysten der Commerzbank: „Die Lage in Nigeria und in Kanada bleibt angespannt und damit die Versorgung am Ölmarkt knapp. Eine kurzfristig starke Korrektur ist daher eher nicht zu fürchten.“

Gleichzeitig steigt die Nachfrage in den USA aufgrund der anstehenden Urlaubssaison. Und die Amerikaner zieht es auf die Straßen, nicht zuletzt auf die historische Route 66 und die großen Nationalparks wie den Grand Canyon. Der Grund: Die Benzinpreise sind so günstig wie lange nicht. Kostete auf dem Hoch im Jahr 2012 eine Gallone (3,79 Liter) noch Benzin im Schnitt noch knapp vier Dollar, sind es heute mit 2,27 Dollar nur noch knapp die Hälfte.

Die anziehende Nachfrage dürfte einen raschen Fall der Ölpreise trotz zurückkehrender Produktion bremsen. Im Wochentrend legt auch das nordamerikanische Leichtöl WTI zum vierten Mal in fünf Wochen zu. Am Dienstag kletterte der Preis erstmals seit elf Monaten sogar wieder über 50 Dollar. Selbst wenn WTI auf 49,50 Dollar zurückfällt, ist ein Barrel dann immer noch 1,8 Prozent teurer als vor einer Woche.

Egal ob nun die Ölpreise wie am Freitag wieder leicht fallen oder auf dem aktuellen Niveau stagnieren: Die Spritpreise in den USA stehen zumindest kurzfristig nicht vor einem drastischen Anstieg. Die Amerikaner, die sich auf die Spuren Jack Kerouacs und Dennis Hoppers begeben, dürfte es freuen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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